Lokale Allianz möchte die Krankheit schon Kindern erklären Demenz ins Bewusstsein rücken

Steinhagen (WB). Wer an Demenz erkrankt, Angehörige oder Freunde mit Demenz hat, muss sich nicht verstecken. Die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz möchte das Thema viel mehr in den Alltag integrieren und schon Kinder und Jugendliche dafür sensibilisieren. Die neue Steinhagener Gruppe wird mit 10 000 Euro Fördermitteln unterstützt.

Von Volker Hagemann
Cornelia Woge (Diakoniestation), Bundestagsmitglied Ralph Brinkhaus, Andreas Lüttig (Johanneswerk-Geschäftsführung), Janett Schönfeld (Ehrenamtliche im Matthias-Claudius-Haus), Yvonne Heitmann (Kita Waldbad), Reinhard Junker (Seniorenbeirat), Julia Brenko und Sabine Weitzel (beide Matthias-Claudius-Haus; v.li.) möchten das Thema Demenz schon den Jüngsten näherbringen.
Cornelia Woge (Diakoniestation), Bundestagsmitglied Ralph Brinkhaus, Andreas Lüttig (Johanneswerk-Geschäftsführung), Janett Schönfeld (Ehrenamtliche im Matthias-Claudius-Haus), Yvonne Heitmann (Kita Waldbad), Reinhard Junker (Seniorenbeirat), Julia Brenko und Sabine Weitzel (beide Matthias-Claudius-Haus; v.li.) möchten das Thema Demenz schon den Jüngsten näherbringen. Foto: Volker Hagemann

Leider sei eine Person mit Demenz in manchen Familien noch ein Tabuthema, mit dem sie sich nicht in die Öffentlichkeit trauten, weiß Julia Brenko. Die Sozialpädagogin im Begleitenden Dienst des Matthias-Claudius-Hauses (MCH) gehört zu den Initiatoren der Steinhagener Allianz für Menschen mit Demenz, außerdem sind weitere Vertreter der Altenhilfe, von ambulanten Diensten, Seniorenbeirat, Schulen und Kindergärten beteiligt.

»Um sie mit dem Thema Demenz vertraut zu machen, möchten wir auch Kinder und Jugendliche ansprechen«, sagt Julia Brenko. Dafür wurde von der Lokalen Allianz in Warendorf das Programm »Kidzeln« entwickelt – »Kindern Demenz erklären«. »In zehn Modulen zeigen wir Drei- bis Sechsjährigen spielerisch, was Demenz überhaupt ist, warum also beispielsweise Oma oder Opa Dinge vergessen und dann ungewohnt reagieren«, erklärt Brenko.

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»Kinder können Erwachsenen durch ihre Unbefangenheit ganz toll zeigen, wie man mit ­Demenz umgeht.«

Cornelia Woge, Diakoniestation Steinhagen

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Beteiligt ist auch der ev. Kindergarten Waldbad. Leiterin Yvonne Heitmann berichtet von den ersten Begegnungen: »Als wir im Matthias-Claudius-Haus mit Bewohnern Gesellschaftsspiele spielten, vergaß eine Dame jedesmal, nach dem Würfeln bis sechs zu zählen. Auf diese Weise erhalten die Kinder ganz unbefangen Einblick in die Krankheit.« Für das Projekt »Kidzeln« in Steinhagen und die Schulung der Erzieher und anderen Mitarbeiter als Multiplikatoren in der Öffentlichkeit stellt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf zwei Jahre verteilt 10 000 Euro Fördergeld zur Verfügung.

Menschen möglichst lange in ihrem Wohnumfeld betreuen

»Das Projekt soll aber auch in den folgenden Jahren fortgeführt werden«, betont MCH-Leiterin Sabine Weitzel. Sie ist seit vergangenem Freitag Quartiersmanagerin für das Projekt – denn über die Möglichkeiten des Altenheims hinaus ist es ihr und den anderen Initiatoren wichtig, demente Menschen möglichst lange im vertrauten Wohnumfeld, ihrem »Quartier«, zu betreuen – und Begegnungen wie mit den Kindern zu ermöglichen. Cornelia Woge, Leiterin der Steinhagener Diakoniestation, bringt es auf den Punkt: »Kinder können Erwachsenen durch ihre Unbefangenheit ganz toll zeigen, wie man mit ­Demenz umgeht.«

Am Freitag informierte sich auch Bundestagsabgeordneter Ralph Brinkhaus (CDU) über die Lokale Allianz in Steinhagen. »Ein tolles Beispiel dafür, wie soziale Probleme, vor denen unsere Gesellschaft steht, direkt vor Ort gelöst werden können. Das Thema wird immer wichtiger; derzeit leben 1,6 Millionen demenzerkrankte Menschen in Deutschland.«

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