Vernissage sehr gut besucht: Joan Moreno stellt im Rathaus aus Die Magie der Dinge

Steinhagen  (WB). »Man muss die Wahrheit aus der Natur herausziehen«, soll der große Albrecht Dürer über Stillleben gesagt haben. Und das tut der Steinhagener Künstler Joan Moreno: Ihm geht es um »Das Wesen der Dinge«, so der Titel seiner Ausstellung im Rathaus.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Joan Moreno (links) freut sich mit Bürgermeister Klaus Besser, der die Gäste begrüßte, und Prof. Tassilo Knauf, der die Einführung in das Werk übernahm, über die Ausstellung im Steinhagener Rathaus. Zum Werk des gebürtigen Katalanen Moreno passte die Musik: Janine Dahlmann spielte auf der Gitarre ausschließlich Werke spanischer Komponisten.
Joan Moreno (links) freut sich mit Bürgermeister Klaus Besser, der die Gäste begrüßte, und Prof. Tassilo Knauf, der die Einführung in das Werk übernahm, über die Ausstellung im Steinhagener Rathaus. Zum Werk des gebürtigen Katalanen Moreno passte die Musik: Janine Dahlmann spielte auf der Gitarre ausschließlich Werke spanischer Komponisten. Foto: Bluhm-Weinhold

24 Stillleben unterschiedlicher Technik zeigt er. Am Dienstagabend ist die Bilderschau unter sehr großem Publikumsinteresse eröffnet worden. Dabei wurde deutlich: Moreno kann sich mit den Großen der Gattung messen. Prof. Tassilo Knauf, Kunsthistoriker und emeritierter Professor der Universität Duisburg-Essen, verglich Morenos Werk mit dem von Giorgio Morandi (1890-1964), der als einer der bedeutendsten Stillleben-Maler gilt.

Doch während der Italiener seinem Leitmotiv der zentriert arrangierten Gefäße in Pastelltönen vor hellem Hintergrund frönte, rückt der gebürtige Katalane Moreno bei gleichem Grundaufbau die Gegenstände unterschiedlich zusammen, wie Knauf sagte: »Morenos Gegenstände stehen nicht in Gruppen, sondern vereinzelt.« So entwickelten sie Persönlichkeit in stummer Kommunikation zueinander und zum Betrachter.

Morenos Bilder seien geprägt von Würde, Magie und der Unwiederbringlichkeit der Dinge, so Knauf: »Er artikuliert leise, nicht schreiend eine Verweigerungshaltung gegen endlose Reproduzierbarkeit der Waren.« Das sei stille Gesellschaftskritik. Das werde etwa deutlich in den Gegenständen mit eindeutigen Abnutzungsspuren. Da blitzt das barocke Vanitas-Motiv durch: Alles ist vergänglich.

Und gleichzeitig legt Moreno laut Prof. Knauf ein surrealistisches Bekenntnis ab: »Durch diese nicht erklärliche Nähe von Gegenständen, die ganz unterschiedliche Funktionen haben. Das macht uns nervös. Das öffnet aber auch unseren Blick.«

Die vermeintliche Greifbarkeit der Gegenstände in den Bildern Joan Morenos faszinierte die Ausstellungsbesucher: Die Kerbe im Stein kann man fast fühlen, so plastisch sieht sie aus – und ist doch nur gemalt. Aber was hat das A neben dem Blumenkohl und der Zwiebel zu bedeuten, fragt sich mancher. »Wir sollten Morenos Bilder als Denkbilder erfahren, um in ihren Humorvolles und Irritierendes zu entdecken«, riet Knauf. Wer »Das Wesen der Dinge« hinter der so exakten Gegenständlichkeit ergründen will, braucht Zeit. »Nur durch kontemplatives Schauen und Nachdenken kommt man weiter – und an die Grenzen der Erklärbarkeit«, so Knauf.

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