Exakt und realistisch: Der Steinhagener Künstler Joan Moreno stellt im Rathaus aus Das Wesen der Dinge begreifen

Steinhagen(WB). »Das Wesen der Dinge«, so der Titel seiner nächsten Ausstellung, steckt für Joan Moreno in ihrer exakten, greifbaren Darstellung. Jede Faser im Blumenkohlblatt, jede Falte der Papiertüte findet sich in seinen Stillleben wieder – und das sogar noch schärfer und noch tiefer als in der Realität, wo das Auge über so viele Details hinweg springt. Joan Moreno aber zwingt den Betrachter, genau hinzuschauen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Sein neuestes Werk, noch auf der Staffelei: Joan Moreno malt derzeit hauptsächlich in Öl. Er zeigt aber auch Farb- und Bleistiftzeichnungen sowie Grafiken im Rathaus. Die Szenerie seines Bildes hat er – bis auf die Pflaumen, die sonst schlecht würden – vor der Staffelei genau so arrangiert und mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, um sie dann zu malen.
Sein neuestes Werk, noch auf der Staffelei: Joan Moreno malt derzeit hauptsächlich in Öl. Er zeigt aber auch Farb- und Bleistiftzeichnungen sowie Grafiken im Rathaus. Die Szenerie seines Bildes hat er – bis auf die Pflaumen, die sonst schlecht würden – vor der Staffelei genau so arrangiert und mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, um sie dann zu malen. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Im Januar stellt der professionelle Maler im Steinhagener Rathaus aus. Etwa 25 bis 30 Zeichnungen, Malerei und Grafiken aus den vergangenen zwei Jahren, seit er in der Gemeinde wohnt, wird er zeigen. Zur Vernissage am Dienstag, 3. Januar, 19 Uhr, wird der Kunsthistoriker Prof. Tassilo Knauf, emeritierter Professor der Universität Duisburg-Essen und guter Freund des Künstlers seit einer Ausstellung in Pisa, die Einführung in das Werk halten.

Der Betrachter müsse bei Joan Morenos Bildern nicht im Ab­strakten nach einem verborgenen Sinn suchen: »Ihm wird die Realität und Gegenständlichkeit der künstlerischen Darstellung in einer Klarheit und Exaktheit vor Augen geführt, die ihn zu faszinieren vermag, die ihn dazu anregt, mit der Suche nach der eigentlichen Realität im Unterschied zur künstlerischen Wirklichkeit immer weiter fortzuschreiten«, hat Dr. Elmar Schnücker, stellvertretender Leiter der VHS Gütersloh, über Moreno gesagt. Das habe immer noch Gültigkeit, sagt der Künstler und formuliert seinen Anspruch an sein Schaffen: »In jeder meiner Arbeiten versuche ich, die minimalsten Details darzustellen – bis zur Perfektion, was nicht einfach zu realisieren ist.«

Dem Betrachter bleibt viel Raum für Entdeckungen

Und so sagt Joan Moreno über sein neuestes Werk, das noch auf der Staffelei steht und bis auf Korrekturen am Hintergrund fertig ist: »Es hat Spaß gemacht, die Tiefe, das Ambiente und die Qualität zu erreichen.« Trotz oder gerade wegen der Gegenständlichkeit: Es bleibt dem Betrachter viel Raum für eigene Entdeckungen.

Realistische Kunst sei doch passé – das hat Joan Moreno schon von Leuten aus dem Kunstbetrieb gehört. Im Gegenteil: In Spanien habe man damals, auch in ganz großen Formaten, so arbeiten müssen – realistisch und genau: »Aber das bin ich auch. Ich habe seit langem aufgehört, die ›Documenta‹ zu besuchen«, sagt er.

»Im Bild auch die sinnliche Erfahrung beim Essen vermitteln«

Was er malt, das findet er in seiner Umgebung. Steine von der Baustelle seines Steinhagener Hauses inspirieren ihn ebenso wie die wöchentliche Gemüsekiste vom Ströher Biohof. Blumenkohl, Granatapfel und rote Zwiebel hat er mit einem Regalbrett und dem Buchstaben »A« zu einer Szenerie komponiert. Die Erfahrung, die er selbst beim Kochen macht, sowie die sinnliche Erfahrung beim Essen will er so vermitteln: »Der Betrachter soll, wenn möglich, sogar das Aroma und den Geschmack intuitiv erfassen können.«

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