Christina Kampmann und Thomas Kutschaty informieren sich über familienorientierte Arbeit Doppelter Minister-Besuch in der JVA

Steinhagen (WB). Die Außenstelle Steinhagen der JVA Bielefeld-Senne arbeitet besonders familienorientiert. Das war gleich zwei Landesministern am Freitag einen Besuch wert: NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und die aus Ummeln stammende Familienministerin Christina Kampmann nutzten das Sommerfest, um zu erfahren, wie Familienleben funktioniert, wenn die Mutter inhaftiert ist.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Auch Puppe Pia, die den Kindern beispielsweise bei Vater-Kind-Wochenenden im geschlossenen Vollzug den Weg in die JVA leichter machen soll, und Puppenspielerin Brigitte Graß schüttelten Thomas Kutschaty und Christina Kampmann die Hand.
Auch Puppe Pia, die den Kindern beispielsweise bei Vater-Kind-Wochenenden im geschlossenen Vollzug den Weg in die JVA leichter machen soll, und Puppenspielerin Brigitte Graß schüttelten Thomas Kutschaty und Christina Kampmann die Hand. Foto: Bluhm-Weinhold

»Die Kinder sind stigmatisiert«, sagte Anstaltsleiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick. Gibt es Möglichkeiten, diesem Stigma zu begegnen, wollte die Ministerin wissen. Nuriye Massey, Bereichsleiter der JVA-Außenstelle, und Abteilungsleiterin Kerstin Brandau-Fiebig setzen seit kurzem ein Konzept um, das die Beziehung zwischen den inhaftierten Müttern und ihren Familien stärken soll. »Im offenen Vollzug hat man mehr Möglichkeiten«, sagte sie: »Wir arbeiten innovativ. Das wollen wir den Ministern auch zeigen.« Zumal die JVA, in der derzeit 46 Frauen untergebracht sind, der politischen Unterstützung bedürfte, wenn sie eine Zukunftsvision umsetzen wollte.

Doch erst einmal zur aktuellen Situation. Frauen haben meist ganz andere Beweggründe als Männer, um straffällig zu werden, sagte Nuriye Massey. Es seien vor allem soziale und finanzielle Gründe – »oder sie verlieben sich in den falschen, nehmen die Strafe des Mannes auf sich oder werden für ihn straffällig«, sagte sie.

Doch immer sind die Kinder die Leidtragenden, wenn die Mütter nicht da sind – vor allem, wenn sie in den ersten vier Wochen die JVA nicht verlassen dürfen. Wöchentliche Besuche der Familien in der JVA, Telefonate über das Münztelefon – Handys sind nicht erlaubt – oder Briefe ersetzen die Kontakte nur bedingt.

Das erst im Mai gestartete Konzept will zum einen die Situation der Kinder verbessern, indem die Familien enger zusammengebracht werden. Mutter-Kind-Tage sind eine Möglichkeit – einen Ausflug in den Zoo hat es beispielsweise schon gegeben. Zum anderen sind Bildung und Ausbildung sowie personenbezogene Freizeitmaßnahmen weitere Schwerpunkte.

In Zusammenarbeit mit der Diakonie Bethel werden unterschiedliche familientherapeutische Kurse angeboten. Doch die JVA-Mitarbeiterinnen haben auch eine Vision, von der sie den Ministern berichteten: das Zusammenleben der Familien auch während der Haft ermöglichen. »In Dänemark gibt es das bereits im Haus Engelsborg. Auch wir wollen den Frauen noch mehr den Weg in ein normales Leben zeigen. Dänemark zeigt, dass es geht, und dort gibt es so gut wie keine Rückfallquote«, sagte Nuriye Massey. Thomas Kutschaty berichtete von der JVA Fröndenberg, wo immerhin unter sechsjährige Kinder noch bei den Müttern leben können.

Die Minister nutzten die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die JVA, die erst vor zwei Jahren in den offenen Vollzug für Frauen umgewandelt wurde. Gäste beim Familienfest für Angehörige waren Diakon Heinrich Bittner, der auch die JVA-Außenstelle betreut, sowie Bürgermeister Klaus Besser. Dieser hatte das Goldene Buch der Gemeinde dabei: »Wann hat man schon mal gleich zwei Minister da?«

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