Wahl & Co.: Landtagsbewerber lobt SPD für Haltung – Es gibt aber auch Kritik Theo Knepper: »Eine mutige Entscheidung«

Steinhagen  (WB). Theo Knepper, Herausforderer von Georg Fortmeier um die Landtagskandidatur, nennt den Ratsbeschluss gegen den Logistiker Wahl & Co. mutig: »Die Entscheidung ist richtig. Wirtschaftliches Wachstum hat da seine Grenzen, wo es das Leben der Menschen beeinträchtigt«, sagte er der Steinhagener SPD jetzt bei ihrer Mitgliederversammlung.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Theo Knepper (links), Herausforderer von Georg Fortmeier um die Landtagskandidatur, freut sich, von Heiko Hartleif (rechts) und dem SPD-Ortsverein nach Steinhagen eingeladen worden zu sein: »Das ist nicht selbstverständlich«, sagt er.
Theo Knepper (links), Herausforderer von Georg Fortmeier um die Landtagskandidatur, freut sich, von Heiko Hartleif (rechts) und dem SPD-Ortsverein nach Steinhagen eingeladen worden zu sein: »Das ist nicht selbstverständlich«, sagt er. Foto: Bluhm-Weinhold

Etwa 30 Teilnehmer waren am Montagabend im Bürgerbüro dabei. Auf der Tagesordnung stand das Thema zwar nicht, geplant war ein Vortrag und Gedankenaustausch zur Gewerbeflächenplanung in der Gemeinde im Allgemeinen. Doch um das derzeitige heiße Eisen kam die Versammlung nicht herum. Vorsitzender Heiko Hartleif sprach in seiner Begrüßung selbst von turbulenten Zeiten – letztlich auch in den eigenen Reihen: »Es gibt einen Dissens zwischen Bürgermeister und Fraktion. Wir haben nach Abwägung anders entschieden, das aber auch immer offen diskutiert. Es war ein zutiefst demokratischer Prozess, in dem es keine Verletztheiten gibt«, sagte er und unterstrich noch einmal den für die SPD-Fraktion entscheidenden Punkt: »Steinhagen wird durch die Autobahn so belastet, dass wir an dieser Stelle keinen Logistiker haben möchten, der den innerörtlichen Verkehr steigert. Sicherlich berührt er keine Wohngebiete, aber den Schulweg an der Bielefelder Straße, auf der bereits jetzt viel los ist.«

Das Argument der Arbeitsplätze möchte Heiko Hartleif relativiert sehen: Auf die Fläche gesehen, käme ein Arbeitsplatz auf 375 Quadratmeter. »Das ist sehr wenig im Vergleich zu anderen Produktionsstandorten«, so Hartleif.

Kritische Anmerkungen

Kritisch nachgehakt wurde dennoch aus dem Kreis der Mitglieder. »Der Ratsbeschluss ist falsch«, sagte Rainer Blüm. Einerseits schicke man Klaus Besser los, neue Betriebe heranzuholen, andererseits lehne man den tollen Kunden, den er dann bringe, ab. »Zukünftig kommen Interessenten vielleicht nicht mehr«, sagte Blüm und findet auch die Argumente Verkehrsbelastung und Schulweg zu schwach. Schwerer wiegen in seinen Augen die jüngste Steuererhöhung und der potenzielle gute Gewerbesteuerzahler Wahl. Blüm fürchtet: »Beim Bürgerentscheid wird die SPD Schiffbruch erleiden.«

Sabine Godejohann als Fraktionsvorsitzende und Bürgermeister Klaus Besser machten einmal mehr ihre unterschiedlichen Standpunkte klar. Die frühere langjährige SPD-Ratsfrau und Ortsvereinsvorsitzende Heike Kunter wünscht sich »mehr Vergleiche in der Diskussion«: »Sicherlich hat sich die Logistik verändert, aber noch immer würde sie einen Großteil der Fläche verbrauchen, die wir hier haben. Wie viele Arbeitsplätze schaffen denn 40 kleine Betriebe?« SPD-Ratsdame Henrike Hollweg-Lohrer findet es schlichtweg unredlich, wenn argumentiert werde: weil die SPD gegen einen Logistiker sei, sei sie auch gegen jeden anderen Gewerbetreibende.

Ein Filetstück

Dass dem keineswegs so sei, machte auch Ratsmitglied Hildegard Fuest in ihren Ausführungen zur Aufstellung künftiger Gewerbeflächen deutlich, die das nächste Mal am Dienstag, 26. April, Thema im Bauausschuss sind: Gerade die 25 Hektar der Hofstelle Detert, von denen Wahl & Co. den Großteil haben will, haben dabei höchste Priorität. Ein Filetstück, wie sie sagte, mit dessen Vermarktung die Gemeinde kein Problem haben werde: »Jetzt weiß man in der Region, dass die Fläche auf dem Markt ist.«

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