Erst NSU Quickly, jetzt Fiat 130: Moritz Petersmeyer (19) arbeitet mit Begeisterung an den Familien-Oldtimern Großer Wagen, große Herausforderung

Steinhagen (WB). Nostalgische Mopeds wie eine NSU Quickly hat er restauriert, eine Zündapp 444 Automatik und eine Kreidler Florett. Es folgte Papas Fiat 124 Coupé. Jetzt wagt sich Moritz Petersmeyer an das nächste Oldtimer-Projekt: die Aufarbeitung eines Fiat 130. Die Limousine, einst Topmodell des italienischen Herstellers, ist mehr als doppelt so alt wie der Brockhagener.

Von Volker Hagemann
Nächstes Projekt nach Feierabend: Seit 36 Jahren steht Fiats einstiges Flaggschiff, der 130, in einer trockenen Halle. Moritz Petersmeyer wagt sich nun an die Restaurierung des großen Wagens, den sein Opa von 1970 an als Vorführwagen nutzte.
Nächstes Projekt nach Feierabend: Seit 36 Jahren steht Fiats einstiges Flaggschiff, der 130, in einer trockenen Halle. Moritz Petersmeyer wagt sich nun an die Restaurierung des großen Wagens, den sein Opa von 1970 an als Vorführwagen nutzte. Foto: Volker Hagemann

Klarer Fall: Die Begeisterung für Oldtimer, ob mit zwei oder vier Rädern, wurde Moritz Petersmeyer in die Wiege gelegt. »Muss an den Genen liegen«, sagt er augenzwinkernd über seine Leidenschaft, in der Freizeit zu »schrauben«. Kein Wunder, schließlich haben sich im 111 Jahre alten elterlichen Betrieb in Brockhagen einige inzwischen historische Besonderheiten »angesammelt«: Die NSU Quickly, Baujahr 1963, wurde schon bei Uropa Wilhelm vor Jahrzehnten repariert. »Seit 2013 habe ich sie aufgearbeitet«, erzählt Moritz Petersmeyer. Die Ersatzteilversorgung sei gut, »und Spezialwerkzeug haben wir nach wie vor. Wir waren ja mehr als 60 Jahre lang NSU-Händler. Eine Instandsetzungsanleitung fand ich im Internet, ebenso einen gebrauchten Motor und den Sattel«, berichtet der 19-Jährige. Und wenn’s nicht weiter ging, gab es Hilfe von Vater Rainer – der auf der Kreidler oder der Zündapp seinen Junior bei Ausfahrten begleitet. Dafür half Moritz bei der Aufarbeitung von Rainer Petersmeyers Fiat 124 Coupé. Der schicke Zweitürer von 1971 war mit seinen 110 PS schon damals gut motorisiert.

Lehre in Kfz-Technik

So war schnell klar, dass Moritz Petersmeyer nach dem Realschul-Abschluss eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begann. Allerdings bei Kfz Rüdiger, »denn ich möchte nicht im elterlichen Betrieb möglicherweise gegenüber anderen Azubis bevorzugt werden«, erklärt er. Im Januar 2017 steht die Abschlussprüfung an. Was er sowohl bei den jüngeren Fahrzeugen im Berufsleben als auch an den Oldtimern in der Freizeit liebt: »Die Herausforderung auch bei möglichen Schwierigkeiten, das Tüfteln. Das bringt Abwechslung.«

Eine ziemlich große Herausforderung stellt Moritz Petersmeyers nächstes Vorhaben dar: die bevorstehende Restaurierung des familieneigenen Fiat 130. Die Limousine der oberen Mittelklasse wurde von 1969 bis 1976 gebaut und stellte mit ihrem V6-Motor und fortschrittlicher Technik Fiats Flaggschiff dar. »Trotz serienmäßiger Servolenkung, vier innenbelüfteten Scheibenbremsen, möglichen Extras wie Klimaanlage oder Automatik – es haperte damals am Image«, weiß Moritz Petersmeyer. Sein Großvater Walter orderte den 130 im Jahr 1970 und nutzte ihn einst als Vorführwagen. Dieses frühe Exemplar besitzt einen 2,8-Liter-Motor mit 160 PS und Borg-Warner-Automatikgetriebe, in den Folgejahren gab es etwas stärkere Motorvarianten – jeweils konstruiert von Aurelio Lampredi, der seinerzeit auch für Ferrari arbeitete.

Viele Erinnerungen

Nur zehn Jahre lang fuhr Walter Petersmeyer den großen Fiat. Seit dessen Tod steht der Wagen und hat dementsprechend erst belegbare 98.000 Kilometer auf dem Zähler. »Glücklicherweise haben wir Platz in einer trockenen Halle und den Wagen nicht verkauft. Es hängen viele Urlaubs- und andere Erinnerungen daran«, sagt auch Rainer Petersmeyer.

Sohn Moritz überlegt jetzt, wie er mit der Restaurierung beginnt. »Die Kotflügel vorne sind zwar durchgerostet, aber wir können auf unserer Kantbank neue Bleche passgenau anfertigen, würden sie dann verzinnen.« Die übrige Blechsubstanz sei gut erhalten und könne geschweißt werden. »Denn Bleche sind bei diesem Modell heute kaum zu bekommen. Mangelware sind beim 130 mittlerweile auch Zierteile, doch zum Glück ist dieser Wagen komplett«, sagt Moritz Petersmeyer. Neue oder gut erhaltene Innenraumteile gebe es ebenfalls fast nicht mehr. »Dank der Schonbezüge sind die Polster glücklicherweise unverschlissen. Auch Türverkleidungen und Armaturenbrett müssen nur gereinigt werden«, sagt der 19-jährige Brockhagener.

Überarbeitet werden müssten dagegen Bremsanlage und Motor. »Der Motor hat zum Glück noch keine Steuergeräte. Etwas schwieriger wird wohl die Vergasereinstellung werden, das wird leider nicht mehr in der Berufsschule gelehrt«, sagt der junge Oldie-Fan. Aber auch dafür gilt: »Es ist eine spannende Herausforderung!«

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