Flüchtlinge stehen ohne Versorgung vor verschlossenen Türen – Ankunft später als geplant Nachts vor dem Rathaus gestrandet

Steinhagen (WB). Bürgermeister Klaus Besser und Sozialamtsleiterin Birgit Pape sind sauer auf die Bezirksregierung in Arnsberg. Aufgrund einer Pannenkette wurden sechs Flüchtlinge, darunter ein sechsjähriges Kind, Freitagnacht einfach vor dem Rathaus Steinhagen abgesetzt. 

Von Rajkumar Mukherjee
Sozialamstleiterin Birgit Pape zeigt vor dem Steinhagener Rathaus ein Hinweisschild, das jetzt künftig zumindest aus eine Telefonnummer für Notfälle hinweist.
Sozialamstleiterin Birgit Pape zeigt vor dem Steinhagener Rathaus ein Hinweisschild, das jetzt künftig zumindest aus eine Telefonnummer für Notfälle hinweist. Foto: Rajkumar Mukherjee

Gegen Mitternacht standen die Flüchtlinge aus Moers kommend vor dem verschlossenen Rathaus. Ihre Ankunft war zwar für Freitag angekündigt worden. Sie sollten aber bereits um etwa 14 Uhr Steinhagen erreichen. Noch bis 18 Uhr hatten Mitarbeiter auf die Ankunft gewartet – vergebens.

Nachdem der Busfahrer die Flüchtlinge aussteigen ließ, rief er die Polizei. Die Beamten informierten daraufhin Mitarbeiter des Ordungsamts, die mit Kollegen aus dem Sozialamt zum Rathaus eilten. Auch Birgit Pape war vor Ort. Am Montag berichtet sie merklich entsetzt von dem Vorfall. »Die Flüchtlinge waren ohne Versorgung. Das ist ein Unding«, sagt die Sozialamtsleiterin. Ein alleinerziehender Vater mit seinem sechsjährigen Sohn, sowie fünf Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahren waren zuvor stundenlang unterwegs, ohne nahrung und Getränke.

Beschwerde des Bürgermeisters geplant

Aus Sicht der Steinhagener Verwaltung bleibt dies nicht ohne Konsequenzen. »Wir werden uns bei der Bezirksregierung in Arnsberg beschweren«, sagt Birgit Pape. Die Mittelbehörde koordiniert die Zuweisungen innerhalb NRWs. Auch eine Beschwerde von Bürgermeister Klaus Besser an das NRW-Innenministerium sei geplant.

Denn offenbar ist bei der Überstellung der Flüchtlinge nach Steinhagen einiges schief gelaufen. So startete der Bus erst gegen 13.30 Uhr in Moers, trotz des Freitags- und Ferienverkehrs, brachte zunächst andere Flüchtlinge nach Menden und Sassenberg. Zudem wurde ein niederländisches Busunternehmens beauftragt. vermutlich hätte er die Informationszettel mit der Notrufnummer am Rathaus also gar nicht lesen können.

Kurzfristige Unterbringung im Hotel

Noch am frühen Samstagmorgen mussten die Rathausmitarbeiter eine kurzfristige Lösung finden. Denn nur bis 18 Uhr sei die Aufnahme im Übergangswohnheim an der Patthorster Straße vorbereitet gewesen. »Unsere Hausmeister haben keinen Notdienst, zudem hätten wir aufrgund des Feiertags keine Lebensmittel einkaufen können«, sagt Birgit Pape. So seien die Flüchtlinge kurzfristig im Hotel-Restaurant Graf-Bernhard, später im Hotel St. Georg in Halle untergebracht worden.

Birgit Pape kritisiert die Bezirksregierung Arnsberg wegen des Verteilungsverfahrens: »Warum müssen Flüchtlinge quer durch NRW, von Notunterkunft zu Notunterkunft, gefahren werden?« Gestern sei beispielsweise eine Flüchtlingsfamilie von Menden nach Steinhagen gebracht worden, kann hier aber nicht bleiben. und deshalb noch am Montag zurückgebracht werden musste.