Aus »Verzweiflung« gezündelt: Mirko W. wird untersucht – Prozess beginnt im August neu Brandstifter gesteht Tat

Steinhagen (WB). Der Brandstifter vom Berta-von-Suttner-Hof hat die Tat vor dem Amtsgericht Bielefeld gestanden. Der 41-jährige Mirko W. erklärte sich am Donnerstag mit einer psychologischen Untersuchung einverstanden. Die »Verzweiflungstat« tue ihm leid, »doch ist das durch nichts zu entschuldigen«.

Von Uwe Koch
Am 11. Februar 2015 brannte ein Mehrfamilienhaus am Bertha-von-Suttner-Hof.
Am 11. Februar 2015 brannte ein Mehrfamilienhaus am Bertha-von-Suttner-Hof. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

In den Morgenstunden war es in dem Mehrfamilienhaus in Steinhagen zu insgesamt drei Bränden gekommen. Gegen 6.30 Uhr wurde die Feuerwehr zunächst wegen zweier Kellerbrände in das Haus gerufen. Als die Einsatzkräfte diese Feuer unter Kontrolle hatten, bemerkten die Blauröcke Rauch, der durch die Jalousien einer Wohnung im obersten Stockwerk ins Freie quoll.

Die Tür zu der Wohnung wurde gewaltsam geöffnet, dadurch entwickelten sich die Flammen in der Wohnung erst recht. »Die Zimmer wurden durch den Brand völlig zerstört«, sagte gestern ein Brandsachverständiger vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts. Diese Wohnung und zwei darunter liegende Wohnungen wurden zudem durch den Einsatz von Löschwasser für einige Zeit unbewohnbar. Dort hätten, sagte ein Vertreter der Hausverwaltung, Trockner eingesetzt werden müssen.

Rechtsanwalt bewegt seinen Mandanten zur Aussage

Der 41-jährige mutmaßliche Brandstifter wurde am 12. Februar zunächst unter dringendem Tatverdacht festgenommen, seither sitzt er in Untersuchungshaft. Bisher hatte sich Mirko W. nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ob der Mann also zwingend wegen seiner Persönlichkeit untersucht werden müsste, war nicht bekannt.

Erst durch die massive Beratung seines Bielefelder Rechtsanwalts  Alexander Strato änderte sich das Aussageverhalten des Mannes. Strato räumte gestern in einer Verteidigererklärung die Vorwürfe für seinen Mandanten vollends ein. Mirko W. habe »nicht gewusst, wieviel Menschen sich im Haus befanden, doch er wusste, dass Menschen zu dem Zeitpunkt da waren«.

Täter nennt mehrere Motive

Insgesamt befanden sich 14 Personen in ihren Wohnungen. Vier Bewohner mussten dann mit Rauchvergiftungen in Krankenhäusern behandelt werden.

Nicht in ihrer Wohnung war indes die Mutter des Brandstifters. Und »Mutti« war der eigentliche Anlass, warum der um sie besorgte Sohn überhaupt die Brände gelegt hatte: Die Mutter hatte wegen Mietrückständen die Kündigung erhalten. Das hingegen empfand der Sohn als ungerecht. Zudem kümmerte er sich seit dem Tod des Vaters vor elf Jahren übermotiviert um die Mutter.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Astrid Salewski gab der Angeklagte deshalb auch zu, er habe »aus Verzweiflung« gezündelt. »Depression, Arbeitslosigkeit, versteckte Spielsucht und Beziehungsprobleme« nannte der Steinhagener als Bündel von Gründen für seine Tat. »Ich habe Angst vor dem Kontakt mit Menschen, deshalb habe ich die Brände mit dem Feuerzeug gelegt.«

Die Tat ist »ein Hammer«

Salewski machte trotzdem klar, dass es sich bei der Tat um ein schweres Verbrechen handele. »Das ist ein Hammer« sagte er. Nur wisse man nicht, was mit dem Angeklagten geschehen müsse. Ob der Mann eine mehrjährige Haftstrafe absitzen muss, ob er als Patient in der Psychiatrie landet oder zumindest erst einmal dauerhaft betreut wird, ist unklar und wird von einem Gutachten abhängen, was so schnell wie möglich erstellt werden soll.

Das Amtsgericht wird den Fall dann am 7. August völlig neu verhandeln. Nur eine Folge gilt als sicher: Mit seiner Mutter wird der 41-Jährige dann nicht mehr unter einem Dach wohnen. Die Frau erklärte gestern, ihr Sohn müsse endlich »auf eigenen Füßen stehen«.

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