Ehrenamtliche unterstützen Flüchtlingskinder an den Schulen beim Spracherwerb Paten helfen beim Lernen

Steinhagen (WB). 40 Jahre lang  hat Josef Müller-Haarmann an einer Hauptschule unterrichtet. Jetzt ist er im Ruhestand und hat   wieder Lust auf Schule bekommen, wie er sagt. So ist der Lehrer ehrenamtlicher Lernpate geworden und hilft Flüchtlingskindern,   Deutsch zu lernen.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Gemeinsam füllen sie die Arbeitsblätter aus: Josef Müller-Haarmann hilft Alexandra (links) und Shefije, Deutsch zu lernen. Die Lernpaten an den Schulen werden über das Familienzentrum vermittelt. Lernpaten gibt es inzwischen auch für erwachsene Flüchtlinge.
Gemeinsam füllen sie die Arbeitsblätter aus: Josef Müller-Haarmann hilft Alexandra (links) und Shefije, Deutsch zu lernen. Die Lernpaten an den Schulen werden über das Familienzentrum vermittelt. Lernpaten gibt es inzwischen auch für erwachsene Flüchtlinge. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Lernpaten sind eine Erfindung und Einrichtung des Steinhagener Familienzentrums. Hausaufgabenhilfe und Schulbegleitung  gibt es seit Jahren im Rahmen des Soziallotsendienstes. Nun aber hat sich in diesem Frühjahr eine neue Gruppe zusammengefunden – mit einem speziellen Auftrag: »Aus der Grundschule und der Realschule kam verstärkt Nachfrage nach der Begleitung zugewanderter Kinder«, sagt Familienzentrums-Leiterin Elisabeth Zsiska. Fünf Männer und Frauen haben sich als Lernpaten gemeldet. Drei sind in der Internationalen Klasse der Realschule tätig.

Üben parallel zum Unterricht

Einer von ihnen ist Josef Müller-Haarmann. Für zwei bis vier Stunden jede Woche übt er parallel zum Unterricht der Klasse mit einzelnen Schülerinnen und Schülern. Da gilt es zum Beispiel, die Aufgaben auf den Arbeitsblättern von Klassenlehrerin Daniela Schlüsselburg zu erledigen.

Ebenso wichtig ist das Sprechen. »Anknüpfungspunkte gibt es jeden Tag genug«, so Müller-Haarmann. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn man die Vokabeln  nicht hat. Also lautet die Aufgabe für den früheren Lehrer für Erdkunde, Geschichte, Mathe, Physik und Chemie: Wortschatz erweitern und die grammatikalischen Grundstrukturen üben. Drei Leistungsniveaus hat die Internationale Klasse. Josef Müller-Haarmann lernt mit den Anfängern.

Schnelle Frotschritte motivieren die Lehrer

Wie schnell Fortschritte zu verzeichnen sind, hat Wolfgang Prinz festgestellt. Er ist an der Grundschule Lernpate eines Jungen aus Pakistan. Auch bei dem Grundschüler geht es um Vokabeln und Grammatik. Als der Junge kurz vor Weihnachten an die Schule kam, konnte er kein Deutsch, aber ein bisschen Englisch.

Das erleichterte auch seinem Lehrer den Anfang. »Er ist ohnehin ein  sehr gelehriger Schüler«, lobt Wolfgang Prinz, ein pensionierter Psychologe, früher Wissenschaftler bei der Max-Planck-Gesellschaft. Die direkte  Betreuung führt zwar zum guten  Lernerfolg: »Und wenn man ein Kind in eine Klasse mit Deutsch sprechenden Kindern steckt, dann ist das der beste Sprachlehrer.«

Wolfgang Prinz sagt über seine Motivation: »Ich habe immer gelehrt und wollte das auch durchaus weitermachen. Angesichts der politischen Gesamtsituation hatte ich aber auch das Bedürfnis, etwas Sinnvolles zu tun.«

Ähnlich wie ihm geht es Petra Weist. Die gelernte Krankenschwester ist angehende Lehrerin für Deutsch und Pädagogik in der Sekundarstufe II und engagiert sich zudem als Integrationshelferin bei der Stadt Bielefeld. Man muss aber nicht unbedingt vom Fach sein, um Lernpate zu werden. Christine Brocke ist Zahntechnikerin: »Ich habe ein Ehrenamt gesucht. Es gefällt mir, mit Kindern zu arbeiten.«

Lernpaten sind indes mehr als nur Lehrer. »Man baut eine individuelle vertrauensvolle Beziehung aus. Die Kinder lernen, dass es hier Erwachsene gibt, zu denen sie Vertrauen haben können.«

Hilfe für Migranten

Weitere Lernpaten sucht das Familienzentrum noch. Das Familienzentrum ist in Sachen Hilfen für Migranten ohnehin gut aufgestellt: So gibt es den Dolmetscher-, neuerdings den Sprachlotsenpool ebenso wie die Migrationserstberatung, bei der  Asylbewerber und Kontingentsflüchtlinge aus Syrien und Zuwanderer aus EU-Staaten praktische Fragen klären können. Erreichbar ist das Familienzentrum unter 0 52 04/88 82 13. 

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