Amshausener Naturfilmer Svenja und Ralph Schieke erstmals mit Beitrag in der ARD Ganz nah bei Ziesel und Hirsch

Steinhagen-Amshausen (WB). Wenn die ARD an diesem Sonntag um 16.30 Uhr die erste Folge des Zweiteilers »Die Elbe« zeigt, dürften Steinhagener Zuschauer besonders aufmerksam sein. Denn die tollen Bilder von Landschaft, Flora und Fauna am 1100 Kilometer langen Strom stammen von zwei Amshausener Naturfilmern: Svenja und Ralph Schieke.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold
Eine besonders starke Szene des Films, die wegen ihrer Ruhe Ralph Schieke beeindruckt hat: Der Kranich bleibt seelenruhig auf seiner Brut sitzen, während im Hintergrund das Rotwild vorbeizieht. Gedreht hat er diese Sequenz im Wendland.
Eine besonders starke Szene des Films, die wegen ihrer Ruhe Ralph Schieke beeindruckt hat: Der Kranich bleibt seelenruhig auf seiner Brut sitzen, während im Hintergrund das Rotwild vorbeizieht. Gedreht hat er diese Sequenz im Wendland.

Dem Naturfilm widmen sich die studierten Biologen und gelernten Journalisten mit ihrer Firma Macro Tele-Film seit nunmehr zwölf Jahren. Zahlreiche, zum Teil preisgekrönte Beiträge hat das Ehepaar für den NDR gedreht – vielfach in den norddeutschen Landschaften, aber auch in Afrika und Alaska. Erstmals jedoch ist jetzt eine ihrer Dokumentationen, und dazu noch ihre bisher längste, in der ARD zu sehen. In der Sendereihe »Erlebnis Erde« portraitieren die beiden in zweimal 45 Minuten – Teil zwei folgt am Sonntag, 8. März, 16.30 Uhr – den Fluss, den Svenja Schieke bemerkenswert findet, weil er so naturbelassen ist. »Die Elbe bietet derart vielfältige Lebensräume, dass wir selbst überrascht waren.«

Dreharbeiten vor zwei Jahren

Die Dreharbeiten sind zwei Jahre her, dennoch vergessen die beiden einige Szenen sicherlich nie: zum Beispiel ihre Begegnung mit den putzigen Zieseln. Auf einem Flugfeld in Tschechien sollen sie zu Hause sein, hatte ihnen ein örtlicher Biologe gesagt. Verborgen im Tarnzelt lauerten die Filmer den Erdhörnchen eines Sommermorgens auf. Es wurde 6 Uhr: nichts, 7 Uhr: immer noch nichts. Die Amshausener wollten schon zusammenpacken, als sich gegen 8 Uhr das erste Tierchen im halbhohen Gras zeigte. »Es war merklich verschlafen und reckte sich. Und eines fiel sogar hinterrücks ins Gras«, schildern beide das rührende tierische Schauspiel. Das Tarnzelt hätten sie vielleicht gar nicht gebraucht, die Ziesel waren sehr zutraulich. Ihnen hatten die Schiekes zusätzlich eine Fingerkamera in den Eingang zum Bau gesetzt – näher geht nicht. Auch nicht mit dem Teleobjektiv.

Svenja und Ralph Schieke

Die Technik wird immer aufwändiger, die Halbwertzeit der Kameras immer geringer. Zeitraffer, Zeitlupe, natürlich auch die Arbeit mit Drohnen und vom Hubschrauber aus – aber eines kann das alles nicht ersetzen: Geduld. Sich zu verbergen und zu warten, ist oberster Grundsatz für Filmer. Denn die meisten Tiere sind nicht so zutraulich wie die Ziesel. Ralph Schieke schwärmt von seiner Begegnung mit den Kranichen im Erlenbruchwald: Man sieht sie normalerweise nicht, und schon gar nicht beim Brüten. »Es sind sehr heimliche Tiere«.

Vom Riesengebirge zum Wattenmeer

1100 Kilometer Elbe vom Riesengebirge bis zum Wattenmeer erschließen sich nicht von heute auf morgen. Die Amshausener recherchieren vor Ort, holen sich Fachkenntnis über die Besonderheiten von Flora und Fauna über die lokalen Fachleute. Zielgerichtet kommen sie dann mit der Kamera wieder. Das Material reicht am Ende meist für mehrere Kinofilme. »Wir machen den Grobschnitt hier zu Hause und fahren dann nach Hamburg«, sagt Svenja Schieke. Dort hilft der Cutter, den Film endgültig in Form zu bringen. das geht nicht schmerzlos: Mitunter muss man sich von Liebgewonnenem trennen. 1100 Kilometer Elbe müssen schließlich in zweimal 45 Minuten passen.

Die Elbe war gestern. Heute sind es Havel und Müritz – der nächste Film für den NDR. Und vermutlich drehen die beiden demnächst tatsächlich auch einmal vor der Haustür im Teutoburger Wald.

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