Ulrich Suermann berichtet als Zeitzeuge von bewegten Zeiten Kompromiss mit Bindestrich

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Ulrich Suermann hat in vielen Töpfen gerührt und rührt noch heute. Der Zeitzeugenfilm ist auch die Würdigung der Person.« Mehr als 200 Zuschauer waren am Mittwoch in die Aula am Gymnasium gekommen, um den siebten Zeitzeugenfilm von Michael und Maria Hallau über den CDU-Mann Ulrich Suermann zu sehen.

Von Monika Schönfeld
Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (rechts) präsentierte den Zeitzeugenfilm, in dem der langjährige CDU-Politiker und Unternehmer Ulrich Suermann (86) über die schwere Geburt der heutigen Stadt vor fast 50 Jahren berichtet.
Bürgermeister Hubert Erichlandwehr (rechts) präsentierte den Zeitzeugenfilm, in dem der langjährige CDU-Politiker und Unternehmer Ulrich Suermann (86) über die schwere Geburt der heutigen Stadt vor fast 50 Jahren berichtet. Foto: Monika Schönfeld

Von 1964 bis 1999 hat Ulrich Suermann, heute 86 Jahre alt, als CDU-Kommunalpolitiker Meilensteine in der Stadtgeschichte gesetzt. Der Baustoff-Händler, verheiratet mit Renate (»Matti«) und Vater dreier Kinder, ist Mitglied des Männerchors Schloß Holte, spielt Keyboard, hat sich der Kultur verschrieben, aber vor allem die Stadtentwicklung aktiv begleitet.

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»In einer Großgemeinde Verl fühlten wir und stiefmütterlich behandelt.«

Ulrich Suermann

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Als »Newcomer« im Rat 1964 wurde er bereits in der ersten oder zweiten Ratssitzung in Schloß Holte, zugehörig zum Amtsbezirk Verl, mit der geplanten kommunalen Neuordnung konfrontiert. »Amtsdirektor Dr. Klose hat vorgeschlagen, eine Großgemeinde Verl zu bilden. Der Kommentar aller: Wir fühlten uns als stiefmütterlich behandelte Randgemeinde. Die Entfernungen waren uns mehr als lästig«, sagt Suermann. »Das Trennende war der Holter Wald. Wir hörten die Blätter rauschen. Die Kommunikation war von großem Schweigen überlagert.«

Da habe man sich doch lieber dem Nachbarn im Osten, Stukenbrock, zugewandt. »Es fing so harmlos an und endete brutal«, berichtet Suermann.  Zur Wahl hatten als Bürgermeister Josef Zellermann und Karl Oesterwalbesloh gestanden. »Man einigte sich auf Josef Zellermann. Dann zogen aber dunkle Gewitter auf.« Die Lager hätten alle Register gezogen, das ging sogar bis zum Parteiausschlussverfahren, das dann aber wie das Hornberger schießen ausgegangen ist. Karl Oesterwalbesloh wurde Bürgermeister.

Über den Bandwurmnamen der künftigen Gemeinde, die den Arbeitsnamen Schloß Holte-Stukenbrock trug, mag man heute lästern. »Zu lang, zu umständlich«, war damals das Urteil. Mergelheide, Emsborn, Brockholte, Stukenholte – »Streithausen« konnte sich nicht einigen. »Es war eine kleine Zumutung, was wir anboten: Schloß Holte.« Einspruch wurde eingelegt, ein Formfehler gefunden, der »Arbeitstitel« wurde zum Ortsnamen. »Die Zeit heilt alle Wunden«, meint Suermann heute versöhnlich.

Für die Autobahn viel Prügel bezogen

Für die Autobahn, die Schloß Holte-Stukenbrock durchschneidet, haben die Kommunalpolitiker viel Prügel der Bürger bezogen. »Die Planung lag aber schon Jahre zurück. Die Materie war ganz ein fach. Das ist eine Bundesangelegenheit, die Achse war bestimmt.« Suermann sagt, die Politiker seien lange an der Nase herumgeführt worden. Sie hatten gerade noch die Möglichkeit, die Trasse um 30 Meter zu verschieben. »Es gab keine bessere Lösung. Oben im Lippischen ist das Militär, auf der anderen Seite der Holter Wald als grüne Lunge. Wir haben uns alle ins Zeug gelegt. Ich nehme alle in Schutz, wir haben die Tieferlegung der Autobahn durchgesetzt.«

Ulrich Suermann hatte auch eine »Abstinenzzeit«. Es habe das Gerücht gegeben, er wolle Bürgermeister werden. Ein »Freundeskreis« innerhalb der CDU habe einige Kandidaten abschießen wollen. 1979 sei er deshalb nicht aufgestellt worden. »Ermutigend war der Zuspruch aus Stukenbrock.« Fünf Jahre später hatte er sein Comeback. Das Ortszentrum Schloß Holte, die Erweiterung des Kreisaltenheims und die Vorbereitung der Gymnasiums-Gründung hat er begleitet. Sein Schlusswort: »Gott schütze Schloß Holte-Stukenbrock!«

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