Seit fast 90 Jahren bietet Tölke Orthopädie-Schuhtechnik Schuhe sind ihre Leidenschaft

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Jeder Mensch hat ein Recht auf Schuhe, die ihm passen und in denen er sich wohl fühlt«, sagt Johannes Tölke.

Von Manuela Fortmeier
Foto: Manuela Fortmeier

Als Orthopädie-Schuhmachermeister muss er es wissen. Zusammen mit seiner Tochter Magdalena führt er in Stukenbrock die Handwerkstradition des Schuhmachers an der Hauptstraße an dem Ort fort, an dem sein Großvater Heinrich vor fast 90 Jahren als Schuhmacher und nachfolgend sein Vater Heinrich ihre Arbeit ausgeführt haben.

Elegant sehen die schwarzen Tanzschuhe von Barbara Tölke aus. Hergestellt aus feinstem Nubukleder, hinten in der Ferse besonders hoch geschnitten. Ein Unikat und ein Schuh, der sofort durch seine Extravaganz besticht. »Ich habe diese Schuhe vor drei Jahren für meine Mutter gearbeitet«, erzählt Magdalena Tölke. Warum sie das kann? Genau wie ihr Vater ist sie Orthopädie-Schuhmachermeisterin und hat die Leidenschaft zu Schuhen und wie man sie herstellt, schon in die Wiege gelegt bekommen.

»Ich habe ja nie etwas anderes kennen gelernt, bin mehr oder weniger in der Schuhmacherwerkstatt groß geworden«, sagt Johannes Tölke und lacht. Ähnlich sieht es auch Tochter Magdalena und strahlt beim Anblick der vielen Schuhe. Dabei fertigen die beiden Orthopädie-Schuhmachermeister nicht nur orthopädische, vom Facharzt verordnete Maßschuhe oder Schuheinlagen nach Maß an, sondern wissen als ausgebildete Spezialisten auch Rat und Hilfe in der diabetesgerechten Schuhversorgung.

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»Die ersten Schuhe, die wir während unserer Ausbildung gefertigt haben, hätte man keinem Kunden anbieten können.«

Vater und Tochter Tölke

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»Ein Maßschuh ist ein komplett nach alter Tradition, aber nach neusten Erkenntnissen und modernen Methoden in reiner Handarbeit gefertigter, hochwertiger Schuh, der nicht mit normalen, maschinell hergestellten Konfektionsschuhen vergleichbar ist«, sagt die junge Handwerksmeisterin Magdalena Tölke.

Dabei müsse unterschieden werden, ob ein Schuh komplett passgenau für die dem Fuß und den jeweiligen medizinischen und therapeutischen Erfordernissen entsprechenden Bedürfnissen neu gefertigt werde, oder ein bereits vorhandener Schuh durch zusätzliche, individuell erforderliche Arbeiten für den Träger angepasst werden muss. Einen Maßschuh zu arbeiten, erfordere Geschick, langjährige Erfahrung und Geduld. »Die ersten Schuhe, die wir während unserer Ausbildung gefertigt haben, hätte man keinem Kunden anbieten können«, müssen Vater und Tochter an die Anfänge ihrer beruflichen Karriere schmunzelnd zurückdenken.

Rund dreißig bis vierzig Stunden Handwerksarbeit investiert jeder von ihnen in die Anfertigung eines Maßschuh-Paars, vom Maßnehmen, dem Fußabdruck, den persönlichen Schuhleisten über die vielen weiteren Arbeitsschritten. Dabei sei das Anfertigen der sogenannten Brandsohle, so nennt man die Innensohle, die »Seele« eines jeden Schuhs.

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