Tausende Besucher feiern Weiberfastnacht in Stukenbrock Polizist in Handschellen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Dass Polizeibeamte einen ehemaligen Kollegen verhaften und auch noch öffentlich in Handschellen vorführen – das hat Stukenbrock noch nicht gesehen.

Von Monika Schönfeld, Bernd Steinbacher und Oliver Schwabe
Melanie Müller vom Dreigestirn der Weiberfastnacht macht Stimmung. Der ehemalige Bezirkspolizist Peter Grüne, der zu Weiberfastnacht immer im Dienst war, wird von seinen Kollegen Michael Schulmann und Claus Mikus (von links) auf die Bühne geführt.
Melanie Müller vom Dreigestirn der Weiberfastnacht macht Stimmung. Der ehemalige Bezirkspolizist Peter Grüne, der zu Weiberfastnacht immer im Dienst war, wird von seinen Kollegen Michael Schulmann und Claus Mikus (von links) auf die Bühne geführt. Foto: Oliver Schwabe

Peter Grüne, Bezirksbeamter im Ruhestand, war wirklich überrascht, dass er einer der Prominenten ist, die zur Weiberfastnacht in Stukenbrock von den Frauen verkleidet werden. Nur seine Frau Sabine war eingeweiht und hatte ihn früh aus dem Bett geholt.

»Wir haben die Zielperson verhaftet und zur Bühne gebracht«, sagt Bezirksbeamter Claus Mikus, um dann auf der Bühne mit Blick aufs Dreigestirn mit Melanie Müller, Gaby Hoffmann und Astrid Kobusch noch einen draufzusetzen. »Wir geben ihn in Eure Gewalt. Wir können mit ihm nichts mehr anfangen.«

Die Geldsäcke haben ein Einsehen

Die Frauen der Gruppe Geldsäcke, oh Wunder, dass es Mitarbeiterinnen der Volksbank Bielefeld-Gütersloh sind, haben ein Einsehen mit Peter Grüne und befreien ihn von den Handschellen. Da die Frauen diesmal als Geishas unterwegs sind, wird aus Grüne einen schicker Japaner gemacht.

Schon zuvor hat es traditionsgemäß Bürgermeister Hubert Erichlandwehr erwischt. Nicht nur, dass er den Rathausschlüssel abgegeben muss, nein, auch er wird verkleidet. Die Gruppe Pusteblume, die seit etwa zehn Jahren aus Freundinnen, Arbeitskolleginnen und mittlerweile deren Töchtern besteht, macht aus ihm ein Riesen-Ferrero-Rocher. Kein Wunder, denn die Gruppe hat diesmal Süßigkeiten als Kostüme ausgesucht. So stehen die Candygirls als Popcorn, Zuckerwatte und Raffaello auf der Bühne. »Unser Ziel war es zu überraschen und haben jetzt was Süßes zum Vernaschen.«

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Weiberfastnacht, das ist ein Tag, den ich besonders gerne mag.

Bürgermeister Hubert Erichlandwehr

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Der Bürgermeister erklärt: »Weiberfastnacht, das ist ein Tag, den ich besonders gerne mag.« Er führt zahlreiche Begründungen auf. Wie immer in Reimen: »Denn die Bürgermeisterlast kann ich übertragen heute, auf Euch fesche, kompetente weibliche Leute. Die Entwicklung der Gewerbefläche in der Senne ist ein Punkt, den ich ausdrücklich nenne: Mit weiblichen Charme wird es Euch gelingen, das Gebiet zum Erfolg zu bringen. Die Einigung mit Hövelhof geht ganz schnell, umschwärmen Weiber den Berens Michael. Euren Wünschen wird er Folge leisten, denn er ist ja nicht doof, der Bürgermeister aus Hövelhof...«

Er traut sogar den Weibern zu, die Umweltverbände in den Griff zu kriegen und die Grünen. Ob er die Weiber überschätzt? Die wollen doch lieber feiern und haben schon das nächste Opfer im Blick. Vikar Christian Albert muss dran glauben und wird von der Gruppe Calendulas gepackt. Sie sind als Wasserfrauen unterwegs und so wird aus Albert ein Wassergott. Da die Gruppe berufs- und krankheitsbedingt sehr klein ist, werden sie von den Frauen der Kfd St. Johannes unterstützt.

Feiern bis zum nächsten Morgen

Doch nicht nur auf und vor der Bühne geht es bunt und fröhlich zu. Der große Umzug mit 111 Gruppen bietet ein farbenprächtiges Bild. Etwa 5500 Teilnehmer, Besucher und Zugteilnehmer, so schätzt die Polizei am Mittag, sind in Stukenbrock unterwegs. Wegen des schönen Wetters könnte die Zahl bis zum Abend auf etwa 10.000 Besucher steigen, sagt Markus Wolff, Leiter der Polizeiwache Schloß Holte-Stukenbrock.

Dass viele von bis in die Morgenstunden feiern – auch das hat Tradition in Stukenbrock.

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