Detlef Jentsch verkauft das Innenleben einer Unternehmervilla Haushaltsauflösung de luxe

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Ob die Pelzmäntel noch aus der 1948 gegründeten Mantelfabrik Westhoff stammen, ist nicht bekannt. Nerze, Persianer, Breitschwanz und ein Ozelot hängen in den Kleiderschränken. Die Kleidung wie der komplette Hausrat aus der Villa Westhoff an der Mergelheide 64 werden verkauft.

Von Monika Schönfeld
Detlef Jentsch mit seinen Kindern Björn und Britta und Enkel Cedrik haben die Villa der Unternehmerfamilie Westhoff an der Mergelheide 64 so hergerichtet, dass der Hausrat am Samstag, 24. Februar, verkauft werden kann.
Detlef Jentsch mit seinen Kindern Björn und Britta und Enkel Cedrik haben die Villa der Unternehmerfamilie Westhoff an der Mergelheide 64 so hergerichtet, dass der Hausrat am Samstag, 24. Februar, verkauft werden kann. Foto: Monika Schönfeld

Ein Blick in die Empfangsdiele und das Treppenhaus. Die Bewohner blickten durch große Fensterfronten in den Garten. Foto: Monika Schönfeld

Die Erben der Unternehmerfamilie Westhoff haben den Gütersloher Auktionator Detlef Jentsch damit beauftragt, den Hausrat zu verkaufen. »Wertvolle Bilder und Schmuck haben wir schon abgeholt. Diese Dinge werden wir demnächst versteigern«, sagt der 75-jährige Auktionator. Am Samstag, 24. Februar, werden von 9 bis 17 Uhr alle restlichen Sachen aus dem Haus an der Mergelheide 64 verkauft. Jentsch akzeptiert nur Bargeld. Preise stehen nicht an den Dingen, wer etwas haben möchte, nennt einen Preis dafür. Jentsch behält sich vor, Ja oder Nein dazu zu sagen.

Die Villa mit etwa 400 Quadratmetern Wohnfläche und 9000 Quadratmetern Grundstück hat die Firma ARI-Armaturen gekauft. Das bestätigt der kaufmännische Leiter des Unternehmens, Thomas Gössling. »Das Grundstück grenzt direkt an unser Betriebsgelände.« Die 9000 Quadratmeter eignen sich als mögliche Erweiterungsfläche. Für das Haus bestehen zurzeit keine Planungen. »Es gibt verschiedene Optionen.«

400 Quadratmeter Wohnfläche mit 29 Räumen

Die Villa mit 29 Räumen ganz unterschiedlicher Größe ist vermutlich in den 1970er-Jahren für wenige Bewohner gebaut worden. Zum Verkaufstag werden deshalb wohl auch viele kommen, die mal sehen wollen, wie ein Unternehmer aus dieser Zeit gelebt hat. Sie können staunen über ein eigenes Hallenbad mit mehr als zwei Meter tiefem Becken. Die Fitnessgeräte wie Laufband und Ergometer, die in diesem Bereich stehen, suchen einen neuen Besitzer wie auch die Gartengeräte. Bei der Größe des Grundstücks gibt es einen Aufsitz-Rasenmäher und vieles mehr.

Ausgefallene Möbelstücke wie diese Holzbank, aber auch normales Steingutgeschirr stammen aus der Villa. Foto: Monika Schönfeld

Das Haus hat die vergangenen Jahre leer gestanden. Deshalb hat Detlef Jentsch mit seiner Tochter Britta und seinem Sohn Björn am Samstag erst mal ein bisschen aufgeräumt. Die Pelzmäntel hängen jetzt im Wohnzimmer an einer Kleiderstange. »Nur den Ozelot darf ich nicht verkaufen wegen Cites (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, zu Deutsch Washingtoner Artenschutzübereinkommen). Den gibt es vielleicht als Dreingabe, wenn einer einen Schrank kauft. Und mal sehen, wer die Krokotaschen will«, sagt Jentsch.

Ein spätbarocker Sekretär, Jentsch vermutet, dass der aus der Zeit um 1860 stammt, alte Stühle, Polstergarnituren, echte Teppiche, wenn auch teils etwas abgenutzt, handgefertigte Möbel, eine Runddeckeltruhe von 1790 und eine Bank – die Auswahl ist riesig. »Für die alten Möbel kann man kaum noch etwas erlösen. Der Preisverfall ist unglaublich. Es ist keine Käuferschicht mehr dafür da«, sagt der Auktionator.

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Es werden viele Wiederverkäufer dabei sein, die dann auf Trödelmärkten damit noch Geld verdienen wollen. Die will ich hier nicht. Ich erkenne sie an ihren Augen.

Detlef Jentsch

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»Ich hänge an keinen irdischen Gütern«, sagt Detlef Jentsch verschmitzt. Will sagen: Alles muss weg. Ob es der Wildschweinkopf oder Jagdtrophäen mit Geweih sind, Geschirr von Porzellan bis zu Trinkgläsern, alles das, was man in einer Küche findet, aber auch die offenbar maßgefertigten Schränke für die runde Wand, Nierentischchen, Miele-Waschmaschine oder Frisierkommode, oder einst bestimmt teure Leuchten – alles sucht einen neuen Besitzer.

Der Auktionator und Nachlassverkäufer hat Jahrzehnte Erfahrung und kann seine Kunden einschätzen. »Es werden viele Wiederverkäufer dabei sein, die dann auf Trödelmärkten damit noch Geld verdienen wollen. Die will ich hier nicht. Ich erkenne sie an ihren Augen.«

Der Kunde schlägt einen Preis vor, den er bereit ist zu zahlen. Wenn dieser Preis Jentsch nicht passt oder wenn Kunden »wie die Geier über einem Stapel Tischwäsche hängen«, dann meint er: »Ach, lassen Sie das mal liegen.« Seine Erfahrung aus 37 Jahren: Je ärmlicher jemand aussieht, desto mehr schlägt er annehmbare Preise vor. Und er kann zwischen wohlhabenden und reichen Leuten unterscheiden. Die Wohlhabenden zeigen Respekt, weil sie meist für ihr Geld schwer gearbeitet haben.

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