Theatertanten: frech, respektlos, witzig und schlüpfrig Sie haben den Rhythmus

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Vergangenes Jahr haben sie ihre Abschiedsvorstellung gegeben, Anni und Inge. Aber sie können es nicht lassen. Sie treiben sich auf Friedhöfen herum und treiben unerhörte Dinge.

Von Matthias Kleemann
Im Finale bringen die Theatertanten eine Hommage an den deutschen Schlager, moderiert von Katja Knoche. Als der 60er-Jahre-Hit »Zwei kleine Italiener« erklingt,singt das Publikum mit und will gar nicht aufhören.
Im Finale bringen die Theatertanten eine Hommage an den deutschen Schlager, moderiert von Katja Knoche. Als der 60er-Jahre-Hit »Zwei kleine Italiener« erklingt,singt das Publikum mit und will gar nicht aufhören. Foto: Matthias Kleemann

Ein Sketch, bei dem die Stukenbrocker Theatertanten ihren beiden ehemaligen Zugpferden huldigen. »Herr chib mir Kraft«, stöhnt Susanne Bonensteffen, und man meint wirklich, Inge Lichtenberg zu hören. Anni Lindner wird von Petra Held gespielt. Und da wackeln sie über die Bühne, die einen Friedhof darstellt, wo die beiden sich hinter den Grabsteinen von Harald Juhnke und Inge Meysel erleichtern. Die Pointe ist zum Brüllen komisch, aber nicht so recht für das gedruckte Wort in einer Zeitung geeignet.

Sämtliche Niederungen des Zwischenmenschlichen

Sie sind wieder frech, respektlos, witzig und schlüpfrig, genau die Mischung, die zu Karneval ankommt. Und natürlich werden die lokalen Größen aufs Korn genommen. Da betritt Helga Kosubek ein örtliches Radiogeschäft, um ein Rhythmusgerät für ihren Akkordeon spielenden Mann zu erwerben und bekommt den »SHS 2018« aufgeschwatzt, der alles drauf hat: Walzer, Bossa Nova, Cha cha cha. Auch den Lambada. Die Verkäuferin drückt verzweifelt Knöpfe bis sie ihn gefunden hat. 830 Euro legt die Kundin auf den Tisch. »Aber wenn der Lambada nicht dabei gewesen wäre, hätte ich ihn nicht genommen.« Der Clou: Egal wie der Rhythmus heißt, es erklingt immer der Narrhalla-Marsch.

Sämtliche Niederungen des Zwischenmenschlichen werden wieder pointiert abgegrast, vom übermäßigen Pillenkonsum über Missverständnisse bei der Verständigung, verzweifelte Fluggäste vor dem Absturz, bis zu Blondinen in der ersten Klasse. Immer einen Lacher extra wert: Das gespannte Verhältnis zwischen Mann und Frau. Da rät die Ärztin der Ehegattin, ihren Gemahl zu umsorgen und ihm auch im Bett zu Diensten zu sein, weil er sonst von hinnen geht, und was sagt sie zu ihm, als die Frau Doktor aus der Türe ist und er fragt, wie’s um ihn steht? »Du wirst sterben.«

»Hilde, geh Bier holen«

Oder die vier ganz in schwarz gekleidet Witwen, die davon singen, wie sie ihre Männer um die Ecke gebracht haben, und dass sie nun auf der Suche nach weiteren Opfern sind. Die Frau liegt im Koma. Sie braucht eine vertraute Geräuschkulisse, sagt die Ärztin. »Hilde, geh Bier holen«, schreit der Mann, und die Siechende erhebt aus dem Bett, um den Befehl zu befolgen.

Cilly Seliger und Susanne Bonensteffen haben den Part übernommen, weiterhin eine Nummer auf Plattdeutsch zu bringen. Sie erzählen von Schäfers Hannes, Gärtners Jürgen, dem Bürgermeister und dem Vikar, denen beim Pollhans-Besuch auf der Riesenrutsche so einige Missgeschicke passieren, und ziehen die Stadtentwicklung durch den Kakao: Jeder Ortsteil darf sich was wünschen: In der Senne wünscht man sich stabile Frikadellenpreise, die Holter wünschen sich eine Pille, die wieder jung macht, die Liemker wünschen sich einen Puff, die Stukenbrocker wollen einen neuen Maibaum, aber einen halben Meter höher als der Liemker Maibaum, und die Sender wollen die Emsphilharmonie. Alles nicht umsetzbar, bis auf den Puff, und der kommt in die alte Vikarie, die wird ja im Sommer frei. Da kann man nichts machen.

Katja Knoche brilliert ein weiteres Mal in ihrer Paraderolle, nämlich Horst Schlämmer und besingt den Thermomix. Übrigens: Die Gesangsnummern wurde vorher im Studio aufgenommen und dann als Playback eingespielt. Man hat es nicht gemerkt.

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