Zuschuss von bis zu 25.000 Euro möglich Ärzte mit Geld locken

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Viele Nachbarkommunen machen es schon, jetzt will auch Schloß Holte-Stukenbrock Ärzte mit finanziellen Anreizen in die Stadt locken. Wer sich als Haus- oder Facharzt hier niederlassen will, kann ein Fördergeld bis zu einer Summe von 25.000 Euro bekommen.

Von Matthias Kleemann
Tägliche Praxis in der Praxis: Ein Hausarzt misst den Blutdruck. Damit auch in Schloß Holte-Stukenbrock weiterhin Haus- und Fachärzte für Patienten da sind, will die Stadt sie bei der Praxisgründung finanziell unterstützen.
Tägliche Praxis in der Praxis: Ein Hausarzt misst den Blutdruck. Damit auch in Schloß Holte-Stukenbrock weiterhin Haus- und Fachärzte für Patienten da sind, will die Stadt sie bei der Praxisgründung finanziell unterstützen. Foto: dpa

Die Richtlinie

Ausgenommen sind Zahnärzte, Heilpraktiker und Tiermediziner. Der Antragsteller muss mindestens zehn Jahre mit seiner Praxis in der Stadt bleiben. Auch wer eine bestehende Praxis von einem Mediziner, der in den Ruhestand geht, übernehmen oder eine Zweigpraxis übernehmen will, ist antragsberechtigt, ferner Ärzte, die in einer größeren Praxis oder einem medizinischen Versorgungszentrum angestellt werden.

Mit dem Zuschuss sollen Investitionen für die Praxisausstattung gefördert werden, vom medizinischen Gerät bis zu den Möbeln und zwar mit 50 Prozent der Kosten.

Zuschüsse aus anderen Quellen werden nicht angerechnet, auch das steht ausdrücklich in der Richtlinie. Gemeint sind damit vor allem Landeszuschüsse. Möglicherweise muss der Antragsteller Acht geben, dass der städtische Zuschuss nicht auf den Landeszuschuss angerechnet wird, sagte der Bürgermeister auf Nachfrage von Thorsten Baumgart (FDP). »Wenn das Land Zuschüsse für medizinisches Gerät zahlt, dann sollte der Arzt sich das vom Land bezuschussen lassen und die übrige Praxiseinrichtung von uns.«

Diesem Beschlussvorschlag der Stadtverwaltung hat der Haupt- und Finanzausschuss während seiner Sitzung am Dienstagabend zugestimmt. Die vorgelegte »Richtlinie zur Förderung der Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzten in der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock« wurde von allen Fraktionen gelobt.

Die Stadt will außerdem bei der Grundstückssuche für ein Eigenheim sowie bei der Suche nach Kindergarten- und Schulplätzen behilflich sein.

Auch das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt Ärzte, die sich in einer ländlichen Kommune ansiedeln wollen. Bürgermeister Hubert Erichlandwehr wies darauf hin, dass das Land wohl plant, seine Richtlinie zu überarbeiten. Zurzeit werden Praxisansiedlungen in Kommunen mit einer Größe bis zu 40.000 Einwohner gefördert, künftig sollen es nur 25.000 Einwohner sein. »Dann wären wir raus. Mir gefällt das nicht. Besser wäre es, die Förderung vom Grad der ärztlichen Versorgung abhängig zu machen.«

Medizinisches Versorgungszentrum bleibt im Gespräch

Erichlandwehr betonte, dass der Gedanke, ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) aufzubauen, nicht vom Tisch sei. Bei den Beratungen zum Bebauungsgebiet Trapphofstraße war beschlossen worden, dort eine Fläche für ein MVZ vorzuhalten. »Wir sind weiter im Gespräch.«

»Ich freue mich über diesen Vorschlag«, sagte Thorsten Baumgart (FDP). »Das ist eine enorm wichtige Aufgabe. Als Stadt haben wir wenig Einflussmöglichkeiten. Aber was wir tun können, sollten wir tun.« Die Sprecher der übrigen Fraktionen äußerten sich ähnlich.

»Die Zeit drängt«, sagte Karin Rüterbories (CDU). Das sagen auch die Zahlen, die die Stadt dazu veröffentlicht. Danach liegt der hausärztliche Versorgungsgrad bei 60 Prozent und droht weiter zu sinken, weil eine Reihe von Medizinern älter als 60 Jahre ist und möglicherweise bald ihre Tätigkeit aufgibt. Auch bei der fachärztlichen Versorgung sieht es nicht besser aus.

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