Sonja Hassenewert und Werner Dresselhaus berichten Schülern aus der Kriegszeit Mit leidenschaftlichem Appell

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Das ist schon krass, was sie erlebt haben«, sagt Michelle Ilius. Malina Nogossek sagt, sie habe versucht mitzufühlen. »Aber so richtig gelingt das nicht. Ich habe noch nie einen Toten gesehen.« Sie sind zwei von zehn Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 und Q2, die Sonja Hassenwert und Werner Dresselhaus zuhören. Sie erzählen, wie sie den Zweiten Weltkrieg erlebt haben.

Von Monika Schönfeld
Sonja Hassenewert und Werner Dresselhaus haben als Kinder und Jugendliche die Kriegszeit erlebt und erzählten den Gymnasiasten, wie sie Tote in den Waggons gesehen haben. Dresselhaus war mit elf Jahren Zeuge einer Erschießung.
Sonja Hassenewert und Werner Dresselhaus haben als Kinder und Jugendliche die Kriegszeit erlebt und erzählten den Gymnasiasten, wie sie Tote in den Waggons gesehen haben. Dresselhaus war mit elf Jahren Zeuge einer Erschießung. Foto: Johanna Gesing

Es ist das dritte Kooperationsprojekt zwischen dem Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock, der Gedenkstätte Stalag und dem Haus Neuland, aber das erste »Jump«-Projekt (Jugend, Medien, Partizipation). Dass sich Sonja Hassenewert (88) und Werner Dresselhaus (84) den Fragen der Schüler stellen, verdanken sie einem Zufall.

Gedenkstättenpädagogin Victoria Evers war beim Besuch der CDU vergangenes Jahr mit der Frau von Werner Dresselhaus und Sonja Hassenewert ins Gespräch gekommen. Sonja Hassenewert ließ fallen, dass sie einiges erzählen könne und Werner Dresselhaus, der lange die Gaststätte an der Bahnhofstraße geführt hat, bestimmt auch. »Wir haben dann Kontakt aufgenommen.«

Neuntklässler und Abiturienten des Gymnasiums Schloß Holte-Stukenbrock forschen in der Gedenkstätte. Es sind die Schüler Emily Guest, Mika Radke, Charlotte Gunia, Jill Friedrichs, Charleen Mar­thiensen, Malina Nogossek, Julien Flören, Marvin Richard, Julia Carl und Michelle Ilius mit Schülerpraktikantin Christin Valjan, Lehrer Christian Schwarz (Lehrer Christopher Snigula fehlt auf dem Bild), Johanna Gesing, Leiterin des Jump-Projekts im Haus Neuland, Gedenkstättenpädagogin Victoria Evers und Medienpädagoge Vincent Beringhoff. Foto: Monika Schönfeld

Aus erster Hand

Beide haben gemeint, dass Schüler doch viel mehr aus Dokumentationen erfahren. Das sehen die Schüler aber anders. »Das ist etwas komplett anderes, wenn man die Berichte von Menschen hört, die das tatsächlich gesehen haben. Sie erzählen, wie sie mit dem Rad auf Straßen gefahren sind, die wir auch benutzen.«

Werner Dresselhaus hat erzählt, wie er als Elfjähriger gesehen hat, wie ein SS-Mann einen russischen Kriegsgefangenen niedergeschlagen hat. »Graf Bobby«, so der Spitzname des SS-Manns habe zu ihm gesagt, »Komm’ mit, mein Junge. Ich zeige dir, was man mit solchen Leuten macht.« Der Deutsche habe den Russen an den Bach geschleppt und vor Werner Dresselhaus Augen erschossen. Ein traumatisches Erlebnis, aber in dieser Generation hat nie jemand psychologische Hilfe bei der Verarbeitung erfahren. »Da mussten wir selbst mit klar kommen«, sagt Dresselhaus. Die Gefangenentransporte haben am Bahnhof Schloß Holte Station gemacht, um Wasser zu tanken. »ich habe in einen Waggon geschaut. Der Boden war voller Leichen.«

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Verboten war das nicht. Aber man sollte sich besser nicht erwischen lassen.

Sonja Hassenewert

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Sonja Hassenewert erzählt, dass man sich erzählt habe, im Stalag, da seien die Wilden. Ihre Mutter habe ihr aber gesagt, es seien Menschen. »Ich wollte mir das selbst ansehen und bin mit dem Rad hingefahren.« Sie sei wieder hingefahren und habe Butterbrote mitgenommen. »Verboten war das nicht. Aber man sollte sich besser nicht erwischen lassen.«

Sonja Hassenewert hat als 14-Jährige ein Pflichtjahr auf einem Bauerhof gemacht und hatte dort mit Kriegsgefangenen zu tun, hat sie begleitet, wenn sie an der Holter Hütte Holz sammelten. Sonja Hassenewert appelliert leidenschaftlich an die Schüler: »Ihr Jugendlichen müsst etwas machen, damit das nie wieder passiert!«

Zweieinhalb Tage lang haben die Gymnasiasten an den Projekttagen in Gruppen zwei E-Books erstellt (Museumsführer, Ich-Geschichte aus Sicht eines Kriegsgefangenen), ein digitales Quiz zu Transport und Ankunft der Kriegsgefangenen erstellt und filmisch Stationen eines Kriegsgefangenen nachgezeichnet. Das Projekt haben die Geschichtslehrer Christian Schwarz und Christopher Snigula begleitet. Es wird vom Land finanziell gefördert.

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