Flaschenpost der Kindertagesstätte Edith Stein in Greffen aufgetaucht Zustellung nach zehn Jahren

Schloß Holte-Stukenbrock/Harsewinkel (WB). Fast zehn Jahre war eine Flaschenpost von Schloß Holte-Stukenbrock nach Greffen, einem Ortsteil von Harsewinkel, unterwegs. Kinder der Kindertagesstätte Edith Stein haben sie im Mai 2008 im Holter Wald in den Ölbach geworfen. Das Ehepaar Freese aus Greffen hat sie dort am Neujahrstag am Ufer der Ems gefunden.

Von Matthias Kleemann
Jana Salewski und Pia Wattenberg (von links, beide 15) sind vor zehn Jahren dabei gewesen, als die Kinder der Igel- und Schmetterlingsgruppe zusammen mit Tina Justus (3. von links mit dem Brief) die Flaschenpost in den Ölbach geworfen haben. Die beiden können sich aber nicht mehr wirklich daran erinnern.  Auch ob sie die Flaschenpost von eine Brücke geworfen haben, weiß keine von ihnen mehr. Die Kindergartenzeit sei aber schön gewesen, sagen die beiden. Das findet auch Lukas (5), der in die ehemalige Schmetterlingsgruppe geht, die jetzt Hasengruppe heißt, und der auch gerne mal eine Flaschenpost versenden würde.
Jana Salewski und Pia Wattenberg (von links, beide 15) sind vor zehn Jahren dabei gewesen, als die Kinder der Igel- und Schmetterlingsgruppe zusammen mit Tina Justus (3. von links mit dem Brief) die Flaschenpost in den Ölbach geworfen haben. Die beiden können sich aber nicht mehr wirklich daran erinnern.  Auch ob sie die Flaschenpost von eine Brücke geworfen haben, weiß keine von ihnen mehr. Die Kindergartenzeit sei aber schön gewesen, sagen die beiden. Das findet auch Lukas (5), der in die ehemalige Schmetterlingsgruppe geht, die jetzt Hasengruppe heißt, und der auch gerne mal eine Flaschenpost versenden würde. Foto: Matthias Kleemann

»Wir haben zusammen mit unserem Hund einen Spaziergang gemacht«, erzählt Simone Freese. Kurz zuvor muss Grasbewuchs am Ufer und an der Böschung geschnitten worden sein. Zwischen dem Grasschnitt lag die Flasche. »Die ist mir sozusagen vor die Füße gerollt.«

Anette Moriba (Leiterin, links) und Erzieherin Tina Justus von der Kindertagesstätte Edith Stein freuen sich über eine Flaschenpost ihrer Einrichtung, die nach zehn Jahren in Greffen wieder aufgetaucht ist. Foto: Matthias Kleemann

Den gerollten Brief hielt ein Kräuselband zusammen, das bei der ersten Berührung in lauter Einzelteile zerbröselte. Den Brief selbst konnte man noch ganz gut lesen. Und weil die Kinder um eine Nachricht gebeten hatten, hat sich Simone Freese mit ihrem Sohn Jonte und seiner Freundin Marie (beide acht Jahre alt) hingesetzt und eine liebevolle Antwortkarte an die Kita geschickt, hübsch verziert mit einem Schmetterling und einem Igel, weil die Schmetterlings- und Igelgruppe als Absender in der Post vermerkt waren.

»Die Karte war in der Post, als wir den Kindergarten nach der Weihnachtspause wieder aufgemacht haben«, berichtet Anette Moriba, Leiterin der Einrichtung. Während der morgendlichen Dienstbesprechung wanderte der Brief aus der Flaschenpost von Hand zu Hand, bis es Tina Justus (28) dämmerte: »Das ist ja meine Handschrift!«

Aktion während einer Waldwoche

»Ich hatte damals eine Ausbildung bei Galeria Kaufhof in Bielefeld abgebrochen und ein Praktikum im Kindergarten gemacht«, erzählt die Erzieherin. Im Mai stand eine Waldwoche auf dem Plan. »Wir haben Hütten gebaut und ein Waldsofa und darauf gefrühstückt.« Und natürlich haben die Kinder auch am und im Bach gespielt. »Ich erinnere mich, dass eines der Kinder voll bekleidet ins Wasser gefallen ist.«

Als Praktikantin war Tina Justus seinerzeit bei den Schulkindern der Igel- und Schmetterlingsgruppe eingeteilt. »Die Idee mit der Flaschenpost muss von den Kindern gekommen sein. Aber so genau weiß ich das gar nicht mehr.« Es wird wohl so gewesen sein, dass die Erzieherin das Schreiben verfasst, in eine kleine PET-Flasche gesteckt hat und die Kinder die Flasche am nächsten Tag feierlich in den Bach geworfen haben. Das war am 7. Mai 2008.

Zum ersten Mal am Mühlgrund aufgetaucht

Bereits am 18. Mai finden Kai (10) und Lars Schnatmann (8) aus Verl die Flasche in der Nähe des Mühlgrunds. Sie öffnen die Flasche und sehen, dass sie noch nicht weit gekommen ist. »Es wäre blöd gewesen, sie zu diesem Zeitpunkt schon wieder zurückzuschicken«, erinnert sich Gerda Schnatmann, die Mutter der beiden, an den Beschluss, eine Nachricht hinzuzufügen und die Flasche weiter auf die Reise zu schicken. Dass die Flasche jetzt gefunden worden ist, hat sie übrigens von der Familie Freese erfahren, die nicht nur dem Kindergarten, sondern auch den Schnatmanns eine Karte geschickt haben.

Je nachdem, welchen Weg man nimmt, sind es von Schloß Holte nach Greffen 35 bis 45 Kilometer. Mit dem Auto braucht man etwa eine Dreiviertelstunde, zwei Stunden mit dem Fahrrad und rund siebeneinhalb Stunden zu Fuß (laut Google Maps). Warum die Flasche zehn Jahre gebraucht hat – wer weiß!

Für Familie Freese war der Fund Anlass, selbst eine Flaschenpost aufzugeben. Die dümpelt jetzt Richtung Nordsee. Und vielleicht wird sie eines nahen oder fernen Tages auch einmal gefunden.

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