Marion Blome, Gründungsschulleiterin des Gymnasiums, verabschiedet Auf gutem Kurs in die Zukunft

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Bevor sie die Brücke verlässt, gibt Kapitänin Marion Blome dem Traumschiff Gymnasium noch einmal Rückenwind. Gertrud Pannek, stellvertretende Leiterin des »Seefahrtsamts für Bildungs-Liner« bei der Bezirksregierung, überreicht Marion Blome das Siegel »Zukunftsschule NRW – Netzwerk Lernkultur, Individuelle Förderung« und dann erst die Entlassungsurkunde.

Von Monika Schönfeld

Damit macht Marion Blome noch einmal das, was sie seit fast 17 Jahren gemacht hat. Sie gibt dem Kurs eine Richtung. Das Bild aus der Seefahrt zieht sich durch die Verabschiedungsfeier, denn Marion Blome segelt gerne. Die Bühne in der Aula ist zum Schiffsdeck umgebaut, mit Reling, Rettungsringen und Ruder. Durch das Programm führen die Leichtmatrosen Marcus Nümann und Christopher Snigula. Der Schiffschor unter der Leitung des Kulturoffiziers Knut Peters hat Matrosenmützen aufgesetzt. Die erste Träne hat Marion Blome im Augenwinkel, als Julian Klasfauseweh und Joyce Lange das Lied vom »Lieblingsmenschen« zur Liebeserklärung an die Schulleiterin machen. »Du hast uns gut geführt. Unser Dank bleibt ewig bestehen. Bei dir kann ich ich sein.«

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Sie sind ein Glücksfall für die Schule und haben sie zum Leuchten gebracht.

Stellvertretender Schulleiter Dr. Michael Kößmeier

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Ungewohnt ist, dass der Erste Offizier zuerst das Wort ergreift. Stellvertretender Schulleiter Dr. Michael Kößmeier geht der Frage nach, was Marion Blome so jung gehalten hat. Es sei ihre Hingabe an den Beruf, empatisch, lebenserfahren und klug. Das Gymnasium aufgebaut zu haben, ist ihr Lebenswerk. Darauf sei sie wirklich stolz. »Sie haben das Traumschiff um Klippen gesteuert, aber auch Kursänderungen zugelassen. Sie haben Lehrer geformt und begleitet. Im Mittelpunkt standen immer die Lernenden, sie zu fördern, zu fordern, in der Persönlichkeit zu stärken und ihre Begeisterung fürs Lernen und Forschen zu wecken.« Marion Blome habe auch das schnellere Schwesterschiff auf Kurs gebracht (G8, Abitur nach acht Jahren) und das Bordrestaurant gegründet. Eine glatte Eins gibt er Marion Blome für die Fürsorge für das Kollegium. Wie eine Löwin ihr Junges verteidigt, habe sie die Qualitätsanalyse in der Zeit des Doppelabiturs umschifft. »Sie sind ein Glücksfall für die Schule und haben sie zum Leuchten gebracht.«

Videobotschaft aus Australien

Die ehemaligen Stellvertreter Blomes, Thomas Fischer (2000 bis 2005) und Erhard Seifert (2005 bis 2012) kamen zu Wort. Sonja Büscher verlas das Grußwort Fischers, der aus dem Nähkästchen plauderte und von den Anfängen erzählte. Erhard Seifert hatte eine Videobotschaft geschickt und die Schüler an seiner Deutschen Schule in Sydney gefragt, was eine Rentnerin ist. »Eine Rentnerin rennt«, meint der australische Nachwuchs. Marion Blome will Seifert in Australien besuchen und mit ihm auf die Joggingstrecke. Seifert sagt, was er nie kopieren konnte, sei Marion Blomes 7. Sinn gewesen. »Sie wussten vorher, welche Kollegin schwanger werden wird.«

Solidarität mit Straßenkindern

Statt vieler Reden gab es gestern nur ein paar, dafür viel Musik und szenische Darstellungen. Die Lehrerinnen Dorina Hülsmann, Anja Erlei und die Schüler der 8d Nico Hagemann, Paul Just und Laurenz Stockhausen überbrachten die Grußworte von Hermann Herf, Leiter des Welthauses Bielefeld, mit dem Marion Blome das Projekt Generacion ans Gymnasium gebracht hat. Die Klasse 8d will das Bildungsprojekt für Straßenkinder in Lima weiterführen und hofft, dass Marion Blome sie weiter unterstützt.

MB steht für Machen und Begeisterung

»Die wird’s«, fasste Hafenmeister Hubert Erichlandwehr den Eindruck aus seinem ersten Gespräch mit Marion Blome am 24. Februar 2000 zusammen. »Es war die richtige Entscheidung«, sagt der Bürgermeister fast 17 Jahre später. »Sie haben das Gymnasium zu einem lebendigen, aktiven und hoch geschätzten Bestandteil der Stadt gemacht. Es war ein hervorragendes Miteinander. Sie waren immer gesprächsbereit und lösungsorientiert. Eine Blockadehaltung kenne ich von Ihnen nicht. MB steht für Machen und Begeisterung. Es hat Freude gemacht, mit Ihnen zusammenzuarbeiten.« Bildung und Erziehung seien bei Marion Blome Haltung und Lebenseinstellung.

Die Schiffsmannschaften aus Lehrern, Sekretärinnen, Hausmeister, Schülern, ehemaligen Schülern, Förderverein und Schulpflegschaft lieferten knäuelweise Seemannsgarn. Die Geschichte, als Marion Blome mal nach einem Fön verlangte, betrifft weniger ihre Frisur, mehr die nasse Hose. Schüler der 6b hatten ihr einen Streich gespielt und einen nassen Schwamm auf den Stuhl gelegt. Marion Blome ist seitdem mit allen Wassern gewaschen.

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Zukunftssinn ist eine Lebensphilosophie. Sie ziehen aus der Unsicherheit der Zukunft die Erkenntnis, sie positiv gestalten zu können.

Gertrud Pannek

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Lambert Austermann, Leiter des Gymnasiums Harsewinkel und Sprecher der Gymnasialschulleiter im Kreis Gütersloh, bezeichnet Marion Blome als Schnittstelle zwischen Abstrakt und Konkret (Bildungstheorien und Vorschriften zu den Bedürfnissen der Schüler, Lehrer und Eltern). Gertrud Pannek von der Bezirksregierung erzählte die Geschichte von einer, die ausging, aus einer Klappbox ein Gymnasium aufzubauen. »Sie haben ihre berufliche Mission nicht aus dem Standesdünkel einer Schulform gezogen«, sagt Pannek. Mit der Öffnung der Schule nach außen und der Solidarität mit Bedürftigen habe sie der Schule einen exzellenten Ruf verschafft. »Zukunftssinn ist eine Lebensphilosophie. Sie ziehen aus der Unsicherheit der Zukunft die Erkenntnis, sie positiv gestalten zu können.«

Marion Blome rang nach Worten. Sie dankte allen, vor allem aber ihrer Mutter, die im Publikum saß. Es sei nicht selbstverständlich gewesen, damals ein Mädchen aufs Gymnasium zu schicken und studieren zu lassen. Ebenfalls im Publikum war ihr ehemaliger Erdkunde- und Mathelehrer am Gymnasium Oerlinghausen, Karl-Friedrich Haeger, der sie ermutigt hat, Lehrerin zu werden. Als Präsident des Lionsclubs Oerlinghausen hat er die Ausbildung der Lehrer am Gymnasium Schloß Holte-Stukenbrock (Lions Quest) gefördert. »Ich hoffe, Marion Blome wird als Präsidenten meine Nachfolgerin«, sagte Haeger am Rande.

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