Cristina Zanotti fertigt Skulptur zu den 54. Haller Bachtagen – ein Obelisk aus Glas Heiteres Spiel mit der Optik

Schloß Holte-Stukenbrock/Halle  (WB). Dieses Stück Kunst von Cristina Zanotti funktioniert so, wie es der Dichter Christian Morgenstern in seinem Scherz-Poem vom Lattenzaun beschreibt: mit einem »Zwischenraum, hindurchzuschauen«. Und gleichzeitig steckt ihr Glas-Obelisk voller Überraschungen.

Von Klaudia Genuit-Thiessen
Einen Obelisken aus Glasmodulen, verbunden mit Metallstreben, hat Cristina Zanotti (rechts) für die Haller Bach-Tage geschaffen. »Aus der Seele muss man spielen« – Susanne Debour will den Turm demnächst im Skulpturenpark aufstellen lassen.
Einen Obelisken aus Glasmodulen, verbunden mit Metallstreben, hat Cristina Zanotti (rechts) für die Haller Bach-Tage geschaffen. »Aus der Seele muss man spielen« – Susanne Debour will den Turm demnächst im Skulpturenpark aufstellen lassen. Foto: Genuit-Thiessen

»Aus der Seele muss man spielen ...« lautet das Thema der 54. Haller Bach-Tage. Und die Skulptur der gebürtigen Mailänderin greift es in Material, Form und Gestaltung auf. Cristina Zanotti (Jahrgang 1965) spielt mit Effekten wie Licht, Transparenz und Leichtigkeit – eine Überraschung für die Bach-Tage-Besucher, die den Obelisken bis zum Ende des Klassik-Festivals in der St. Johanniskirche betrachten können. »Bei diesem Bach-Tage-Thema habe ich gleich an Glas und seine Leichtigkeit gedacht«, sagt Susanne Debour vom Haller Kulturbüro.

Ein bisschen wirkt die 2,50 Meter große Glas- und Metallskulptur mit ihrem spitzen Dach wie ein Kirchturm unter dem Himmel. Und tatsächlich hat die Künstlerin 40 mal 40 Zentimeter große Hausmodule zusammengesetzt aus kubischen Glaskörpern, die sich mit Lufträumen abwechseln. Auf dem (Sicherheits-)Glas finden sich Motive zu vier Themenfelder: Natur, Seele, Kommunikation und Bewegung. An der Spitze des Obelisken der Himmel.

Ein Spiel mit der Optik: Cristina Zanotti hat die Elemente visuell eingefangen, Modernes und Altes gegenübergestellt. Sie zeigt Labyrinthe – mal klassisch, mal als Plan der U-Bahn in ihrer Geburtsstadt Mailand. Porträts tauchen auf als Christus-Ikone in einer klassischen Landschaft Palästinas wie als Barbie oder geteiltes Selfie in einem Handyrahmen.

Die Bilder wechseln. Alles scheint in Bewegung. Demnächst in Augenhöhe des Betrachters ist ein transparenter Spionspiegel. Er reflektiert die Natur, wird bald im Skulpturenpark auf dem Alten Friedhof an der Bahnhofstraße allerdings auch in Sichtachse des Schepp-Kreuzes stehen und gleichzeitig ein altes Steinkreuz in den Fokus rücken.

Spannend auch die musikalische Ebene des Kunstwerks: Motive wie alte Noten, eine Scheibe wie eine Schallplattenhülle mit dem Titel »His Masters Voice« und ein Syntheziser-Masterplan. Cristina Zanottis Arbeit lässt den Betrachter mitspielen. Der Obelisk wirkt heiter und leicht. Und er gibt Denkanstöße.

Christina Zanotti hat an der Accademia di Belle Arti de Brera in Mailand studiert und dort schon den Werkstoff Glas in seiner ganzen Vielseitigkeit für sich entdeckt. Sie arbeitet mit geschmolzenem und gegossenem Glas. Oder sie bedruckt das Glas wie für ihre Bach-Tage-Arbeit. »Ein interessantes Material«, findet die studierte Designerin, die schon vor Jahren in der Alten Lederfabrik in Halle ausgestellt hat. Nach Ostwestfalen ist die Italienerin der Liebe wegen gekommen. Sie lebt in Schloß Holte-Stukenbrock, wo sie auch Workshops anbietet. Nach Seminaren in künstlerischen Techniken will sie jetzt stärker die kreative Seite ansprechen.

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