Vor zehn Jahren richtet Kyrill im Stadtgebiet großen Schaden an Kaffee gegen den Weltuntergang

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Entwurzelte Bäume, abgedeckte Dächer, defekte Stromleitungen und enorme finanzielle Schäden. Mit anderen Worten: Kyrill . Polizei, Feuerwehr, Bauhof und viele Privatpersonen mussten die Folgen des Orkans vor genau zehn Jahren beseitigen.

Von Bernd Steinbacher
Aufräumarbeiten nach Kyrill: Der Orkan hatte vor zehn Jahren in Schloß Holte-Stukenbrock einige Schäden verursacht. Die Einsatzkräfte mussten viele Bäume beiseite räumen. Nicht nur Straßen, sondern auch die Bahnlinie war betroffen.
Aufräumarbeiten nach Kyrill: Der Orkan hatte vor zehn Jahren in Schloß Holte-Stukenbrock einige Schäden verursacht. Die Einsatzkräfte mussten viele Bäume beiseite räumen. Nicht nur Straßen, sondern auch die Bahnlinie war betroffen. Foto: Matthias Kleemann

»Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern«, sagt Bezirksdienstbeamter Claus Mikus. »Wegen der Unwetterwarnungen sind wir am Vormittag zum Bauhof gefahren und haben vorgewarnt, dass es eine lange Nacht wird.«

Der Wetterdienst und die Polizei hatten Recht, und nicht nur Claus Mikus hatte viel zu tun. »Zuerst waren wir am Kreuzkrug. Das Heulen, Pfeifen und laute Getöse in den Strommasten der Hochspannungsleitung hörten sich an wie der Weltuntergang.«

Dann hat ihn sein Kollege Peter Grüne an der Kaunitzer Straße abgesetzt, um selbst an anderer Stelle zu helfen. An der Kaunitzer Straße stoppte Claus Mikus den Verkehr, der aus Richtung Kaunitz kam. In dem Waldstück an dieser Straße, zwischen Winkelweg und Liemker Straße, fiel »eine Fichte nach der anderen um«. Allein im Wald, ohne Einsatzfahrzeug, nur mit Taschenlampe und Kelle habe er in der Dunkelheit gestanden und den Verkehr geregelt. Wenn ihn seine Erinnerung nicht täusche, habe er bestimmt zwei bis drei Stunden dort gestanden. Die Bauhofmitarbeiter hätten ja erst die Sperrungen aufbauen müssen, »natürlich windsicher«, sagt er und lacht.

Ganz sicher ist er sich, dass er sich trotz dieses harten Einsatzes freute: Eine ältere Dame hatte nämlich mitbekommen, dass er dort stand, brachte ihm Kaffee zum Wärmen und Kekse zur Stärkung. »Sie hatte Mitleid mit mir. Das tat einfach gut.«

Die Freiwillige Feuerwehr war ebenfalls vorbereitet. Stadtbrandinspektor a. D. Hermann-Dieter Sonnet erinnert sich an Kyrill und die vielen Einsätze, die auf die Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei zukamen.

In der Einsatzzentrale in der Feuerwache in Stukenbrock koordinierten der damalige Stadtbrandinspektor Bernhard Meier und Hermann-Dieter Sonnet die Einsätze. »Wir hatten fast etwa 100 Schadensmeldungen gleichzeitig.« Das reichte von abgedeckten Dächern, umgefallenen Bäumen, ineinander gehakten Baukränen und abgerissenen Telefonleitungen bis hin zu einem eingeklemmten Autofahrer auf der Paderborner Straße. Die Feuerwehrmänner konnten ihn befreien. Ein Baum hatte das Auto getroffen. »Um 16.45 Uhr begann der erste Einsatz wegen eines beschädigten Flachdachs einer Produktionshalle. Die Aufräumarbeiten, zum Beispiel das Beseitigen umgefallener Bäume, dauerten noch bis 20. Januar«, sagt Sonnet.

Kyrill hatte allerdings auch positive Folgen für die Feuerwehr. Der Orkan hatte auf dem Grundstück, auf dem später die neue Feuerwache in Schloß Holte gebaut wurde, ganze Arbeit geleistet, und viele Bäume umgeworfen.

So ähnlich sei es auch vor 30 Jahren gewesen. Am 2. März 1987 habe starker Eisregen für sehr viele Einsätze in der Stadt gesorgt, weiß Sonnet zu berichten. Die Feuerwehr musste Bauern mit Notstromaggregaten helfen, da Freiluft-Stromleitungen zerstört worden waren. »Durch dieses Unwetter hat ein Umdenken bei manchen Ratsherren eingesetzt und die Feuerwehr in Schloß Holte-Stukenbrock hat dann doch ihre eigene Drehleiter bekommen, um besser ausgerüstet zu sein«, sagt Sonnet. Der Ehrenwehrführer weist daraufhin, dass immer mal wieder schwere Unwetter auftreten und die Feuerwehr dafür gerüstet sein müsste. »1987 war beispielsweise die Kommunikation untereinander viel schwieriger, 2007 bei Kyrill hat sich die Einsatzzentrale in der 2003 gebauten Feuerwache in Stukenbrock bewährt.«

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