Theater in Schloß Holte-Stukenbrock: Mehr als 300 Zuschauer sehen Komödie Leichte Kost mit Tiefgang

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Fotoalbum statt Bilderbuch: Das Stück »Zwei wie wir« bringt die amüsante und berührende Liebes- und Trennungsgeschichte von Nora und Rudy in die Aula des Gymnasiums. Dabei zeigen die Schauspieler Stefan Jürgens und Julia Bremermann mit ihrer ausdrucksstarken Darbietung, wie ein Paar nach Jahren der Trennung und vielen Unterschieden harmonieren kann.

Von Hendrik Fahrenwald
Erstes Aufeinandertreffen der Protagonisten im Blumenladen: Rudy, gespielt von Stefan Jürgens, zeigt Nora, gespielt von Julia Bremermann, den Weg zu seiner Wohnung. Sie hat ihn vorher beim Pflanzenkauf beraten.
Erstes Aufeinandertreffen der Protagonisten im Blumenladen: Rudy, gespielt von Stefan Jürgens, zeigt Nora, gespielt von Julia Bremermann, den Weg zu seiner Wohnung. Sie hat ihn vorher beim Pflanzenkauf beraten. Foto: Hendrik Fahrenwald

»Die Welt ist ein Dorf«, pflegt Rudy gerne zu sagen, und so passt es, dass er scheinbar zufällig im Restaurant auf seine Ex-Frau Nora trifft. Immerhin ist es fast vier Jahre her, dass sich das Paar getrennt hat. Nun nutzen sie die Gelegenheit. Er gesellt sich zu ihr und sie lassen ihre gemeinsame Zeit Revue passieren. Die Rückschau auf Höhe- und Tiefpunkte der Beziehung beginnt, und das Stück nimmt reichlich Fahrt auf.

Das erste Aufeinandertreffen im Blumenladen. Das erste Date im Baseballstadion. Der erste Kuss beim Bungee-Jumping. »Jetzt geht es nur noch abwärts«, sagt Nora und springt mit ihm. Doch schnell bergab geht es nicht: Nach fünf Dates schlafen die Beiden miteinander.

Nora ist Rudys 12. Frau im Bett. »Ich bin erfahren, aber nicht überaktiv«, sagt er, der sich übereifrig in die Liebe zu Nora stürzt und mit ihr schnell zusammenziehen möchte. Er ist ein Bauchmensch und einer, der seine Freundinnen immer direkt seinen Eltern vorstellen will. Für Nora geht das alles zu schnell.

Voller Unterschiede

Nicht nur die kurzen Rückblicke in Fotoalbum-Manier, sondern auch das immer wiederkehrende Restaurant-Gespräch zeigen, die Beiden könnten beinahe unterschiedlicher nicht sein. Während er einen Cheeseburger bestellt, nimmt sie den Chefsalat. Sie ist Managerin eines Kunstcenters. Er ist Maler und nicht, wie es Nora erhofft, ein Künstler, sondern Anstreicher.

Einen gelungenen Anstrich hat Tom Presting dem Bühnenbild gegeben. Ein fahrbarer Restauranttisch und wechselnde Hintergrundtapeten gestatten der Komödie einen raschen Szenenwechsel, untermalt mit entsprechender Atmosphäre.

Die Pointen sind sicher in den Zwischentönen der Dialoge gesetzt und Stefan Jürgens sorgt durch seine gespielt unbedachte und saloppe Art für herzliche Lacher. Julia Bremermann hat derweil mit ihrer pragmatischen und teils von ihm überrumpelte Art die Schmunzler durch ihr Mienenspiel auf ihrer Seite. Die Karriere-Frau ist bereit, sich dem Familien-Mann anzunähern. »Ich fand Rudy amüsant und hoffte, dass etwas von seiner Art auf mich abfärben würde.« Doch das klappt nicht.

Nach der Heirat folgt die Zäsur

Nach der schnelllebigen und meist heiteren ersten Hälfte beweisen die Schauspieler im zweiten Durchgang Tiefgang. Nach der Heirat folgt die Zäsur. »Wir lassen einfach alles auf uns zukommen«, sagt Rudy. Doch was dann kommt, bringt das Paar auseinander. Die Bilderbuch-Zukunft bleibt aus. Das Scheitern der Beziehung rückt immer mehr in den Vordergrund. Auf die Komödie folgt die Tragik. Am Tod der gemeinsamen Tochter bei der Geburt, zerbricht die Beziehung.

Während Nora depressiv zwei Monate lang nicht die gemeinsame Wohnung verlässt, stürzt sich Rudy in eine kurzzeitige Affäre. Es folgt die Trennung. Die Rückblicke und die Restaurant-Gegenwart verwischen in der Zeit immer mehr. Die Offenbarung folgt zum Schluss: Rudy will Nora zurück. Das scheinbar zufällige Treffen, war von ihm geplant. Nora gefällt es. Auch wenn sie bereits wieder in einer Beziehung ist, scheint ein zweites erstes Date in Aussicht.

Und so findet die Geschichte von Norm Foster ein abruptes und glückliches Ende. Denn so einfach wie die Liebe, ist auch das Stück auf der Bühne.

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