Thomas Wecker öffnet mit seiner Lebensgeschichte die Tür zum Kreuzbund Sucht steckt in der Sehnsucht

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). »Sucht hat etwas mit Suchen und Sehnsucht zu tun«, sagt Thomas Wecker. Seit fast zehn Jahren ist er Vorsitzender des Kreuzbundes Schloß Holte-Stukenbrock mit seinen drei Gruppen. Als Fachverband der Caritas bietet der Kreuzbund Selbsthilfe für Suchtkranke und Angehörige im Erzbistum Paderborn an.

Von Manuela Fortmeier
»Wir sind für die Betroffenen da: Macht den ersten Schritt«, lädt der Vorsitzende der Kreuzbund-Ortsgruppe, Thomas Wecker, Alkoholkranke und ihre Angehörigen ein. Gemeinsam lässt sich die Sucht einfacher in den Griff bekommen.
»Wir sind für die Betroffenen da: Macht den ersten Schritt«, lädt der Vorsitzende der Kreuzbund-Ortsgruppe, Thomas Wecker, Alkoholkranke und ihre Angehörigen ein. Gemeinsam lässt sich die Sucht einfacher in den Griff bekommen. Foto: Manuela Fortmeier

Die drei Gruppen werden in der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock »sehr gut angenommen«, sagt Wecker. Die Treffen finden jeweils montags, mittwochs und donnerstags ab 20 Uhr in der Ursula-Schule statt. Wer glaubt, Thomas Wecker könne die Menschen mit ihrer Sucht und den oft damit verbundenen Sorgen und Ängsten nicht verstehen, weil er keine eigenen Erfahrungen habe, der irrt. »Meine eigene Lebensgeschichte mit Suchterfahrung als Alkoholiker hat mich dazu bewogen, andere Menschen zu unterstützen und ihnen Mut zu machen«, sagt Wecker.

Dass die Entscheidung, den ersten Schritt gegen die Sucht zu unternehmen, einer der schwierigsten sei, wisse er nur zu gut. »Bis man sich selbst eingesteht, dass man abhängig ist und Hilfe braucht, dauert es oft sehr lange«, sagt Wecker, der heute glücklich ohne Alkohol lebt.

Oft einsam und isoliert gefühlt

Oftmals sei es der Jobverlust, eine zerbrochene Beziehung, der Führerscheinentzug, oder schlimmstenfalls alles zusammen, was einen zum Umdenken und zur Einsicht bewege. Der Weg zur Sucht sei ein schleichender Prozess. Anfangs geschehe das unbemerkt, wachse die Sucht über einen langen Zeitraum. Es gebe verschiedene Faktoren, warum jemand suchtkrank werde. Es könne jeden treffen.

Wecker sagt, er sei in einer damals typischen Großfamilie mit Großeltern und zwei weiteren unverheirateten Tanten aufgewachsen. Er hat drei Geschwister und fühlte sich behütet in einem katholischen Elternhaus. »Alle haben irgendwie Einfluss auf die Erziehung genommen, jeder steuerte seinen Teil nach bestem Wissen dazu bei.« Er sagt, er sei »sehr klein, zierlich und schüchtern« gewesen. Überhaupt sei seine Kindheit bis ins Jugendalter durch Krankheit und körperliche Einschränkungen geprägt gewesen, habe er auf Grund von zwei Kuren in einem Jahr 167 Fehltage in der Schule gehabt und sei dem Klassenverband immer fremder geworden. Schon damals, er erinnere sich noch gut, habe er sich oft einsam und isoliert gefühlt.

Etwa im Alter von 14 Jahren habe er den ersten Kontakt mit Alkohol gehabt. Der habe ihm ein Gefühl des Erwachsenseins vermittelt. Zur gleichen Zeit habe er sich in der Jugendarbeit engagiert, die Clique nach und nach das Elternhaus abgelöst. Es sei aber schon so gewesen, dass er in der Kombination von Trinken, Geselligkeit und Zusammensein das Wohlbefinden, die Zufriedenheit und Anerkennung gefunden habe, die er für sich und sein Ego brauchte. Mehr und mehr habe er sich in seinem Verhalten, »Alkohol macht das Leben einfacher«, bestärkt.

Kontrollverlust durch zu viel Alkohol

Die erste Ausbildung zum Feinmechaniker hat er erfolgreich absolviert, in der zweiten zum Kfz-Mechaniker habe er häufiger getrunken. »Mit der Zeit konnte ich dann schon kräftig mithalten, das brachte mir Anerkennung und ich wurde von den Kollegen geschätzt«. Dann sei es immer mal wieder zu Entgleisungen gekommen, der typische Kontrollverlust durch zu viel Alkohol. Aber den Kumpels sei es ebenso ergangen. »Dennoch hatte man eine Gruppenzugehörigkeit, traute sich mit dem Alkohol Dinge zu, für die man sonst zu schüchtern oder zu ängstlich war.« So sei er allmählich vom Wochenendtrinker zum Alkoholiker geworden. Alkohol beschaffen, das Leergut heimlich zu entsorgen, das Trinken verharmlosen und lügen – über Jahre war sein Alltag davon bestimmt. »Mir war klar, dass ich Alkoholiker war. Ich wollte es aber vor anderen nicht zugeben. Ratschläge habe ich ignoriert. So lange, bis es meine Frau Maria, die mich heute in der Kreuzbundarbeit unterstützt, es nicht mehr mit mir ausgehalten hat.«

Erst die Besuche in der Selbsthilfegruppe, in der er sich verstanden und sehr gut aufgehoben gefühlt habe, hätten eine Wende gebracht, sein Leben auf Links gedreht. Heute sei er glücklich, ohne Alkohol zu leben, sei wieder ehrlicher zu sich und zu anderen. »Es lohnt sich, den ersten Schritt zu gehen. In der Gruppe sind Menschen, denen es wie vielen anderen geht. Es lohnt sich, den Weg ohne Sucht zu gehen, damit nicht jeder Tag gleich mit Sorgen beginnt.«

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