Christoph Kern inspiriert Fortgeschrittene und Anfänger Die Tempi der Malerei

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Christoph Kern freut sich über jeden Teilnehmer, der wiederkommt, und bei dem er eine Weiterentwicklung beobachten kann. Zum achten Mal leitet der freischaffende Künstler, der in Paderborn eine Gastprofessur hat, die Sommermalschule im Forum des Gymnasiums.

Von Matthias Kleemann
Sina Noffz vor ihrem Bild im Gespräch mit Christoph Kern. Der Workshop-Leiter ist von der malerischen Entwicklung der Teilnehmerin begeistert. Allerdings studiert Sina Noffz Mathematik und wird Malerei immer als Ausgleich betreiben.
Sina Noffz vor ihrem Bild im Gespräch mit Christoph Kern. Der Workshop-Leiter ist von der malerischen Entwicklung der Teilnehmerin begeistert. Allerdings studiert Sina Noffz Mathematik und wird Malerei immer als Ausgleich betreiben. Foto: Matthias Kleemann

Inzwischen gibt es auch Teilnehmer, die bei Kern in Paderborn eingeschrieben sind, zum Beispiel Carolin Schniedermeier, die als Schülerin des Gymnasiums viermal die Sommermalschule besucht hat. »Das war wirklich eine gute Vorbereitung für sie. Ich musste viel weniger erklären, ihre Kommilitonen haben gestaunt, wie die Kommunikation zwischen uns funktioniert hat.«

Eine andere Teilnehmerin wird wohl nie ein Seminar bei Kern an der Uni besuchen. Sina Noffz, die 2011 ihr Abitur gemacht hat, studiert Mathematik in Bielefeld. Das Malen ist für sie aber mehr als ein Ausgleich, denn das Mathematik-Studium war eine Vernunftentscheidung. »Wer von einer künstlerischen Tätigkeit leben will, muss schon sehr gut sein, und ich will nicht jeden Euro umdrehen, bevor ich ihn ausgebe.«

Christoph Kern bestätigt das. »Nur zehn Prozent der Akademieabgänger finden ein Alleinstellungsmerkmal und können als freischaffende Künstler bestehen«, sagt er. Von der Entwicklung, die Sina Noffz malerisch bereits hinter sich hat, ist Kern allerdings begeistert. Die junge Frau habe schon bei ihrer ersten Teilnahme im Jahr 2009 Ungewöhnliches abgeliefert. Ein Bild, auf dem Schloß Holte von einer Monsterschildkröte heimgesucht wird, weise viele spannende Elemente auf. Räumliche Tiefe entstehe durch unterschiedlichen Pinselstrich. Die Kunst sei es, Gegenständliches wie abstrakt zu behandeln.

Sina Noffz hat Blumen, Landschaften, Stillleben gemalt. Beeindruckend findet Kern ein Bild, auf dem sich eine große Welle bricht. Kern lobt die Präzision, den malerischen Anspruch. »Dieses Jahr bin ich gekommen und hatte keine konkrete Idee«, sagt Sina Noffz. Dann fiel ihr ein Verkaufsprospekt in die Hände. Ein Foto mit einem Stapel Handtüchern und Teppichen ist nun Ausgangspunkt für mehrere Bilder. Eine Herausforderung: Es soll nicht einfach ein fotorealistisches Abbild sein, dennoch sollen Strukturen, Muster, Lichtwürfe erkennbar sein. Und immer wieder: Die Tiefe. »Ihre Bilder haben leise und laute Töne, wie in der Musik«, sagt Kern. »Das ist es: Die Tempi der Malerei beherrschen.«

»Ich würde mich gerne besser vorbereiten«, sagt Sina Noffz. Ein wenig sei sie noch auf der Suche. Viele ihrer Bilder stünden unvollendet zu Hause herum. »Einige hänge bei mir in der Wohnung, andere bei meinen Eltern.« Sie hat sogar auch welche verkauft.

Die Bekanntheit der Sommermalschule ist groß. Marcus Nümann und Katrin Dropczyski, Kunstlehrer am Gymnasium haben sie seinerzeit ins Leben gerufen. Teilnehmer kommen aus Detmold oder sogar Nieheim, wie Nora Maske, die einmal als Vertretungslehrerin am Gymnasium tätig war. Sie war im vergangenen Jahr mit ihrer Mutter, Mechthild Maske-Topp, Erzieherin, zum ersten Mal dabei und hat in diesem Jahr noch ihre Schwester, Vera König, ebenfalls Kunstlehrerin, mitgebracht.

»Das ist eine Woche Urlaub zum Malen«, sagt Vera König. Sie malt ein überdimensionales Portrait ihrer Tochter. Mutter Mechthild Maske-Topp widmet sich verschiedenen Hausansichten. »Das Dorf, in dem wir leben, hat mich inspiriert«, sagt sie. Nora Maske versucht sich an einem Stillleben mit süßen Sachen.

Kunstlehrer, Schüler und interessierte Laien arbeiten im Forum des Gymnasiums nebeneinander. Alle werden intensiv von Kern betreut. Neben den »Wiederholungstätern« freut sich Kern auch jedes Jahr über Neulinge. Für die gibt es zum Einstieg einen maltechnischen Exkurs. Mit allen Teilnehmern macht Kern täglich eine Bilderschau, zeigt kunsthistorische Beispiele.

Im »offenen Atelier« sind heute von 15 bis 18 Uhr interessierte Besucher willkommen. Die Teilnehmer arbeiten an ihren Bildern weiter, sind aber auch zu Gesprächen bereit.

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