Flüchtlingskinder und deutsche Kinder üben für den großen Auftritt Zirkus unterm Scheunendach

(WB). Er wird zweifellos der geheime Star der Vorstellung sein: Havaneser Jack, der kleine, quirlige Hund, hat ganz offenbar richtig Spaß, seine Kunststücke vorzuführen. Auf Kommando springt er über Menschen und durch Reifen und: Er wird sogar durch einen brennenden Reifen springen.

Von Matthias Kleemann
Sina, Annika, Avin und Asmaa (von links) zeigen, wie gelenkig sie sind. Problemlos beherrschen sie auf dem Teppich die Brücke. Aber auch Rolle vorwärts, rückwärts, Radschlag und der Kopfstand klappen schon hervorragend.
Sina, Annika, Avin und Asmaa (von links) zeigen, wie gelenkig sie sind. Problemlos beherrschen sie auf dem Teppich die Brücke. Aber auch Rolle vorwärts, rückwärts, Radschlag und der Kopfstand klappen schon hervorragend. Foto: Matthias Kleemann

Es klingt nach Zirkus, und das ist es auch. Etwa 20 Kinder bereiten sich auf dem Hof Peitzmeier an der Kaunitzer Straße auf ihren großen Aufritt vor. Die Kinder werden während ihres täglichen Trainings verpflegt, dafür gehört auch eine Küchenkraft zur Gruppe der Betreuer. Das Ganze ist ein Projekt, angestoßen von Christa Peitzmeier, Ganztagskoordinatorin an der Lisa-Tetzner-Schule. Die Flüchtlingshilfe St. Johannes beteiligt sich daran, und es gibt Fördergelder von der Landesarbeitsgemeinschaft.

Demzufolge ist die Gruppe bunt gemischt, Kinder aus deutschen und aus Flüchtlingsfamilien dürfen mitmachen. Und so wird an jeder Ecke des großen Hofes geübt. Bei der ehemaligen Zirkusartistin Susi Ranitz trainiert beispielsweise eine Gruppe Mädchen die Rolle vorwärts und rückwärts, den Kopfstand, den Radschlag und die Brücke. Das klappt schon ganz gut. Etwas schwieriger ist es dann, den Hula-Hoop-Reifen immer schön über der Hüfte kreisen zu lassen. Aber es bleibt ja noch etwas Zeit.

Derweil übt Sina Rehfeldt mit Hovhannes, Andreas und Sina eine Nummer mit Jack. Der Hund macht schon seit dem Vormittag Kunststücke. Ein Wunder, dass er immer noch hört. Aber jedes Mal, wenn Hovhannes »Allez-hop« ruft, springt das Tier in die angezeigte Richtung. Und damit erst gar keine Irritation aufkommt, findet das Training direkt in der Manege statt.

Die befindet sich in einer großen, leer geräumten Fahrzeughalle. Strohballen liegen in einem Kreis mit acht Meter Durchmesser. Der »Backstage-Bereich« hat einen Sichtschutz, so dass die Artisten durch einen Vorhang auftreten können. »So sind wir vom Wetter unabhängig«, sagt Christa Peitzmeier. Aber egal ob es regnet oder nicht, eine Nummer wird aus Sicherheitsgründen vor der Fahrzeughalle stattfinden, nämlich der Auftritt der Feuerschlucker.

Jolina, Benedikt und Blend werden von Renate Welz eingewiesen. Wer Feuer spuckt, spuckt eigentlich eine Substanz, die sich erst beim Spucken entzündet. In diesem Fall sind es Bärlappsamen. Die kommen in ein Röhrchen, das Drachenzunge heißt. Und damit man nicht so viel von diesen Samen verschwendet, wird zunächst mit Mehl geübt. »Am ersten Tag haben wir mit Wasser begonnen«, sagt Renate Welz. Mit dem Mehl ist es recht staubig, man merkt aber auch deutlich, wo das überall hinweht.

Auch Esel werden in der Manege zu sehen sein, ferner Clowns. Die Vorstellung wird 90 Minuten dauern, mit Pause. Die Geschichte von Willi, frei nach dem Märchen »Das hässliche Entlein« von Hans Christian Andersen wird sich wie ein Roter Faden durch die Veranstaltung ziehen. Die Schülerin Ricarda Kaminski hat es für diesen Zweck umgeschrieben.

»Ich bin anders als du«, heißt der Titel. Willi besucht seine Brüder, aus allen ist etwas geworden, nur Willi traut sich nichts zu, bis er begreift, dass auch er Fähigkeiten hat, eigene Talente, die er nur nutzen muss.

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