Gleisarbeiten:Mauereidechsen werden in Sicherheit gebracht Umzug für eine Woche

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Eine sechswöchige Umsiedlungsaktion geht zu Ende. Wegen der in der nächsten Woche beginnenden Gleisbauarbeiten, hat die Biologische Station Kreis Paderborn Senne mehr als 150 Mauereidechsen in Sicherheit gebracht.

Von Matthias Kleemann
Eine Mauereidechse, ein etwas kleineres Exemplar, in den Händen von Christian Venne. Die Tiere fühlen sich in dem Fugen und Nischen rund um den Holter Bahnhof sehr wohl. Jetzt sind 150 eingefangen worden, um die Population zu sichern.
Eine Mauereidechse, ein etwas kleineres Exemplar, in den Händen von Christian Venne. Die Tiere fühlen sich in dem Fugen und Nischen rund um den Holter Bahnhof sehr wohl. Jetzt sind 150 eingefangen worden, um die Population zu sichern. Foto: Matthias Kleemann

Vielleicht kennt die eine oder Eidechse die Prozedur schon. Denn bereits vor drei Jahren gab es schon einmal eine größere Aktion. Seinerzeit wurden Schienen und Schotterbett auf der Strecke und auch direkt am Bahnhof erneuert. Wegen der Jahreszeit und der niedrigeren Temperaturen war damals alles etwas schwieriger.

Jetzt verläuft das Einfangen der Tiere problemlos. Sie müssen in ihrem Übergangsquartier auch nicht so lange ausharren. Denn der vor drei Jahren ausgebrachte Schotter soll, nachdem er sich gesetzt hat, nur noch einmal verdichtet werden. In einer Woche sind die Bauarbeiten voraussichtlich beendet. Danach können die Eidechsen wieder ausschwärmen.

Auffällig waren in den vergangenen Wochen die Männer in den Warnwesten, die auf den Schienen am Holter Bahnhof unterwegs waren. Neben den Vermessungstechnikern waren das Mitarbeiter der Biologischen Station. »Wir sind hier seit Ende Mai einmal wöchentlich. Aber heute ist unser letzter Tag«, sagte Christian Venne, Biologe von der Biologischen Station gestern.

Mit dem Ergebnis ist er zufrieden. »Etwa 150 Tiere reichen, um die Population zu sichern«, so Venne. Einer Schätzung, die ein Kollege von ihm vor einigen Jahren abgegeben hat, leben 400 bis 500 Mauereidechsen im Gleisbett und in den Fugen und Nischen des alten Bahnsteigs am Holter Bahnhof.

Mauereidechsen stammen eigentlich aus Südeuropa, insbesondere Frankreich. Der Bestand am Holter Bahnhof geht vermutlich auf einen Tierhalter zurück, der in den 60er-Jahren in der Nähe des Bahnhofs ein Freigehege betrieben hat. Seitdem gehören die Mauereidechsen rund um den Bahnhof zum dortigen Naturraum. Anwohner haben sie auch in den Gärten. Wer ein bisschen Geduld hat, kann die scheuen Tiere aus einiger Entfernung gut beobachten.

Weil auch eingeschleppte Arten unter Naturschutz stehen, gilt es, die Population nicht zu gefährden. Deshalb also die Aktion. Die DB Netz-AG bekommt es zur Auflage, vor einer Baumaßnahme dafür zu sorgen, dass der Bestand der Tiere gesichert ist, und hat diesen Auftrag der Biologischen Station erteilt.

Und so sind die Mitarbeiter der Biologischen Station mit Keschern und Angeln unterwegs, um die Tiere einzufangen. Sie werden dann sofort wieder in einem abgegrenzten Bereich neben den Gleisen freigelassen. Ein Krötenzaun verhindert, dass sie dieses provisorische Freigehege verlassen. Aufgehäufte Schottersteine und viel Vegetation sorgen dafür, dass die Tiere sich verstecken können. Teile davon stammen noch von der Aktion vor drei Jahren. Und weil die Mauereidechse sich von April bis Juni paart und danach Eier legt, geht Venne davon aus, dass es auch Nester in diesem Bereich gibt.

Hunger muss keine der Eidechsen dort leiden. Sie finden genug Nahrung, außerdem hat das Team der Biologischen Station zu Beginn Mehlwürmer gefüttert.

Zum Schutz der Eidechsen wird der alte Bahnsteig übrigens nicht abgerissen. Auch das hat die Biologische Station veranlasst. Schon jetzt ist zu erkennen, wie Kräuter aus den Fugen sprießen. Das Ganze ist ein richtiges Paradies für die wärmeliebenden Tiere.

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