Schulausschuss-Vorsitzender Klaus Dirks (CDU) wirft Gesamtschulleitung Versäumnisse vor Öffentlich am Pranger

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Dass der Bürgermeister und der Beigeordnete im Rat deutlich ihre Unzufriedenheit mit der Schulleitung der Gesamtschule geäußert haben, ist schon ungewöhnlich. Der Vorsitzende des Bildungs-, Schul- und Kulturausschusses, Klaus Dirks (CDU), hat am Mittwochabend mit einer Erklärung die Schulleitung dazu aufgefordert, ihrer Aufgabe gerecht zu werden und die Schule nach außen gut darzustellen.

Von Monika Schönfeld
Baustelle Gesamtschule: Der Standort an der Lisa-Tetzner-Schule geht in den dritten Bauabschnitt. Nachdem Räume angebaut wurden, wird dieses Jahr die komplette Fassade mit neuen Fenstern ausgerüstet, gedämmt und mit einer Verkleidung versehen. Künftig werden Gesamtschüler der Klassen 5, 6 und 7 hier unterrichtet.
Baustelle Gesamtschule: Der Standort an der Lisa-Tetzner-Schule geht in den dritten Bauabschnitt. Nachdem Räume angebaut wurden, wird dieses Jahr die komplette Fassade mit neuen Fenstern ausgerüstet, gedämmt und mit einer Verkleidung versehen. Künftig werden Gesamtschüler der Klassen 5, 6 und 7 hier unterrichtet. Foto: Monika Schönfeld

Dass eine Schulleitung öffentlich an den Pranger gestellt wird, gab es in dieser Stadt noch nie. Schulleiterin Christel Kuch und Stellvertreter Marko Harazim hörten Dirks Erklärung, ohne eine Miene zu verziehen. »Grundsätzlich ist es richtig und auch geboten, dass Verwaltung und Politik sich nicht in interne Belange der Schule einmischen. Aber wenn durch eine nicht optimale Außendarstellung Schulanmeldungen lieber woanders erfolgen als an unserer schönen neuen Gesamtschule, müssen Politik und Verwaltung sich kümmern. Insofern war es richtig, dass Bürgermeister und Beigeordneter im Rat ihre Unzufriedenheit geäußert haben. Wenn dies öffentlich geschehen ist, ist dies einzig der ernsten Situation und der Tatsache geschuldet, dass die bisher eingeschlagenen internen Wege nicht gefruchtet haben«, sagt Dirks. Mit der Schulleitung und mit der Bezirksregierung seien in der Vergangenheit mehrmals kritische Gespräche und Telefonate geführt worden. »Es wurde mehrfach versucht, auf internem Wege eine Verbesserung zu erreichen.«

Eltern verärgert

Wie nach der Ratssitzung am 14. April berichtet, haben Eltern öffentlich ihren Unmut artikuliert, dass nicht alle Kinder an der Gesamtschule angenommen werden und damit lange Fahrzeiten zu den Schulen außerhalb der Stadt in Kauf nehmen müssten. Insbesondere waren die Informationsveranstaltungen kritisiert worden, bei denen die Eltern keine Antworten auf ihre Fragen erhalten hätten, so dass sie enttäuscht auf Schulen außerhalb ausgewichen seien. »Ich möchte hier besonders betonen, dass neben der Umsetzung des Elternwillens wesentliche Entscheidungsgrundlage für den Gründungsbeschluss der Gesamtschule das Ziel war, möglichst allen Kinder zu ermöglichen, in Schloß Holte-Stukenbrock eine Schule zu besuchen«, sagt Klaus Dirks. Dieses Ziel sei nicht erreicht worden.

Um jeden Schüler bemühen

Dirks wirft Christel Kuch und Marko Harazim vor, dass es ihnen nicht gelungen sei, die Eltern der potenziellen Schüler abzuholen und mitzunehmen. »Eine gute Außendarstellung und ein gutes Konzept sind aber Garanten für hohe Akzeptanz und ausreichende Schulanmeldungen. Gerade eine im Aufbau befindliche Schule sollte eine Top-Außendarstellung haben und sich um jeden Schüler bemühen.«

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Es ist sehr enttäuschend, wenn beste Voraussetzungen nicht genutzt werden.

Klaus Dirks

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Das müsste der Schulleitung leicht fallen, weil sie ein hoch motiviertes und engagiertes Lehrerkollegium habe, ein funktionales Schulgebäude, das jetzt schrittweise auf den bedarfsgerechten Stand gebracht werde und Schüler, die sich gut auf- und angenommen fühlen. »Es ist sehr enttäuschend, wenn beste Voraussetzungen nicht genutzt werden.«

Klaus Dirks weist darauf hin, dass in der öffentlichen Wahrnehmung Verwaltung und Politik für die aktuelle Situation verantwortlich gemacht werden. »Hier ist eine Klarstellung notwendig. Die Stadt stellt nur Gebäude und Infrastruktur, hat weder Einfluss auf die Personalausstattung, auf die Besetzung der Schulleiterpositionen oder Lehrpläne. Die Stadt habe keine Disziplinierungsmöglichkeiten oder Anweisungskompetenz. Wir sind vom Verhalten der Bezirksregierung abhängig, die Verantwortung für das Personal und die internen Belange der Schulen trägt.«

Stimmen mehren sich, die die Schule verteidigen

Seine Kritik und die der Stadtverwaltung richte sich ausschließlich an die Schulleitung und die Bezirksregierung, keinesfalls ans Lehrerkollegium, die Eltern- oder Schülerschaft. Ein Gutes habe die Diskussion: »Es mehren sich die Stimmen, die die Gesamtschule verteidigen und die der Gesamtschule ein positives Gesicht geben.« Das seien vor allem die Menschen, die die Gesamtschule aktiv erleben – die Schüler und die Elternschaft.

Klaus Dirks warnt davor, die Gesamtschule im Gänze oder in Teilen in Frage zu stellen. Die Stadt will für kommendes Schuljahr eine weitere Klasse 5 an der Gesamtschule bei der Bezirksregierung durchsetzen, die FDP will die Schule dauerhaft fünfzügig sehen.

Die CSB hatte in der Samstagsausgabe eine neue Realschule neben Gesamtschule und Gymnasium gefordert. »Das ist populistisch und hilft bei der Problemlösung überhaupt nicht. Ich warne davor, einen Profilierungswettkampf unter den Parteien und politischen Gruppierungen zu beginnen«, sagt Dirks.

Nicht von allen Seiten Beifall

Die deutlichen Worte des Ausschussvorsitzenden finden nicht den Beifall aller Fraktionen. »Wir haben uns als Grüne herausgehalten. Der Bürgermeister muss reflektieren, wie er im Rat aufgetreten ist. Verwaltung und Politik sollten das intern klären«, meint Reinhard Tölke. Heinz-Wilhelm Tzschentke (SPD) ist betroffen. »Ich weiß nicht, ob das, was da vorgetragen worden ist, der Sache förderlich ist.« Uwe Thost (CSB) meint dagegen, die Politik habe sich zurückgehalten, um den Ruf der Schule nicht zu schädigen. »Jetzt ist der Punkt erreicht. Ich hätte früher eingegriffen.« Dirks (CDU) will die Auseinandersetzung beenden und den »Rest auf der Arbeitsebene klären«.

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