Stefan Frank macht die XXL-Pediküre bei Zirkuselefant Benji-Baby Klimmzug und Körperpflege

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Hände weg, auf Englisch »hands off«: An den ehemaligen Zirkus-Elefanten Baby, der jetzt unter dem Namen Benji im Zoo Safaripark Stukenbrock lebt, traut sich niemand heran. Außer sein ehemaliger Besitzer, der Zirkusdirektor Stefan Frank. Das Wiedersehen mündet in einer kleinen Zirkusnummer, bevor es an die XXL-Fußpflege geht.

Von Monika Schönfeld
Stefan Frank besucht den ehemaligen Zirkus-Elefanten Benji, früher Baby, und macht ihr die Fußpflege. Ansonsten traut sich das kein Tierpfleger zu. Denn die Elefantenkuh hat vor zehn Monaten einen Menschen getötet.
Stefan Frank besucht den ehemaligen Zirkus-Elefanten Benji, früher Baby, und macht ihr die Fußpflege. Ansonsten traut sich das kein Tierpfleger zu. Denn die Elefantenkuh hat vor zehn Monaten einen Menschen getötet. Foto: Monika Schönfeld

Benji-Baby hat eine Vergangenheit: Am 13. Juni vergangenen Jahres hat die afrikanische Elefantenkuh in Buchen (Baden-Württemberg) um 5.30 Uhr morgens einen 65-jährigen Mann getötet. Wie der Dickhäuter aus seinem Stallzelt herausgekommen ist, ist ungeklärt. Stefan Frank und seine Frau Alexandra Fink vermuten, dass »selbst ernannte Tierschützer« den Elefanten heraus gelassen haben. Was dann weiter passiert ist, ist unbekannt. Das Tier machte Schlagzeilen als »Killer-Elefant«, für den Zirkus war das Tier nicht mehr einsetzbar.

Da kommt Fritz Wurms ins Spiel. Der Chef des Zoos Safaripark Stukenbrock kennt Stefan Frank schon lange. Und auf der Suche nach einem Zoo, in dem Baby in Frieden weiterleben kann, bot sich der langjährige Freund an. Die ersten Elefanten hat der Safaripark bereits 1969 gehabt, 1992 kamen sechs Tiere aus dem Zirkus Althoff – mit ihren Trainern Addi und Hana Enders, die sich auch heute noch um die Elefanten kümmern. Von ihren Elefanten lebt noch Didi, Chefin der neuen Vierergruppe. Im Winter 2014/15 hat der Zoo Baby und Mausi vom Zirkus Renz übernommen. Und da es somit schon eine Baby gab, lebt der Neuankömmling seit zehn Monaten unter dem Namen Benji.

Vier Tonnen schwerer Koloss

Auf Abstand gehen die Tierpfleger des Safariparks nicht wegen des Unglücksfalls, bei dem Benji-Baby einen Menschen tötete, sondern aus Respekt vor dem Tier. Dass es sich um einen vier Tonnen schweren Koloss handelt, kann man fast vergessen, wenn man sieht, wie die Elefantenkuh ihren Vorbesitzer Stefan Frank (52) begrüßt. Die Ohren hochgestellt, kommt sie in lockerem Trab auf ihn zu und schmiegt sich an ihn wie ein Hund, der sein Herrchen begrüßt.

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Sie ist ein Familienmitglied.

Zirkusdirektor Stefan Frank

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»Ich hatte Baby, seitdem sie ein Kalb war. Das ist eine Beziehung, die über Freundschaft hinaus geht. Sie ist ein Familienmitglied«, sagt Stefan Frank. »Sie zeigt Freude und Wohlgefühl und ist ein bisschen übermütig«, interpretiert Frank, der dem Tier mit bloßen Händen begegnet. »Ich habe nie einen Haken oder Elektroschocks für die Dressur benutzt. Was sie kann, hat sie mit Spaß gelernt.« Viel vergessen hat die Elefantenkuh wohl nicht. Sie hebt auf Zuruf ein Vorder- oder Hinterbein. Auf den Befehl »down« geht sie in die Knie und legt sich hin. An Stefan Frank scheint sie sich anschmiegen zu wollen. Oder mit ihm herumalbern. Hängt er sich an ihre Stoßzähne, hebt sie den Kopf und hebt ihn in die Höhe. Auch die Pediküre lässt sie gelassen über sich ergehen.

Elefanten sind Zehengänger. Mit speziellen Messern und Raspeln wird die Fußsohle von Hornhaut befreit, mit einer Zange die Fußnägel gekürzt. Pro Fuß braucht Frank eine Stunde. Zweimal im Jahr ist das nötig.

Hetzjagd ohne Nachzufragen

»Für uns ist es ein Verlust. Aber hier geht es ihr gut«, sagt Frank. Er betont, dass Tiere nicht aus Bösartigkeit töten, sondern weil sie Hunger haben, ihre Jungen schützen oder Angst haben. Was vor zehn Monaten passiert ist, wird wohl ungeklärt bleiben. »Menschen, die gern mit uns spazieren gegangen sind in der Fußgängerzone, haben nach dem Vorfall eine Hetzjagd auf uns veranstaltet. Keiner hat mehr zugehört, nur noch verurteilt.«

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