Die Journalistin und Moderatorin berichtet über das Älterwerden Christine Westermann: »Das Heute zählt«

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Christine Westermann ist nicht nur Journalistin und Moderatorin, sondern auch Autorin. Am Freitagabend las sie in der Aula des Gymnasiums aus ihrem Roman »Da geht noch was – Mit 65 in die Kurve«.

Von Annika Werner
Andrea Stückerjürgen ließ sich Christine Westermanns Buch signieren. Sie war von der Ehrlichkeit, dem Humor und der Authentizität der Moderatorin beeindruckt.
Andrea Stückerjürgen ließ sich Christine Westermanns Buch signieren. Sie war von der Ehrlichkeit, dem Humor und der Authentizität der Moderatorin beeindruckt. Foto: Annika Werner

»Ich weiß ja, dass Sie alle nur gekommen sind, um zu schauen, ob die wirklich so aussieht wie im Fernsehen«, scherzt Westermann gleich zu Beginn, und stimmt das Publikum auf einen Abend ein, der trotz einiger nachdenklicher Seiten vor allem durch den Humor und die Natürlichkeit der Autorin begeistert.

Auf 191 Seiten hat sich Westermann mit dem Älterwerden und ihrem persönlichen Umgang damit beschäftigt. »Ich habe es geschrieben in den zwei Jahren, in denen ich auf meinen 65. Geburtstag zugelaufen bin.« 60 Jahre seien noch in Ordnung gewesen, doch in den Jahren danach begann sie sich Gedanken zu machen. »Ich war selbst überrascht, dass mir diese 65 solche Schwierigkeiten macht.«

Zwei Fragen gewannen daraufhin für Christine Westermann an Bedeutung: »Wo will ich noch hin mit meinem Leben? Und wo will das Leben noch hin mit mir? « Mithilfe von Anekdoten aus ihrem Leben berichtet die mittlerweile 67-jährige den Zuhörern in der gefüllten Aula von den drei Ratschlägen, die sie weitergeben kann.

Drei Ratschläge

Als erstes rät sie dazu, »nicht daran zu denken, was andere denken«. Dabei erinnert sie sich an ein paar gelbe Turnschuhe, dass ihr zwar gefiel, dass sie aber nie anzog, weil sie befürchtete, dass andere Menschen sie deswegen für gezwungen jugendlich halten würden.

Ihr zweiter Tipp: »Nicht auf irgendetwas warten, einfach machen. Das Heute zählt.« Auch wenn sie momentan zwar traurig ist, dass ihre Sendung »Zimmer frei« im Herbst enden wird, probiert sie, sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren, die im Moment passieren und die ihr Freude bereiten, »wie diese Lesung hier«.

Als finalen Ratschlag gab sie den begeisterten Zuschauern die Empfehlung mit, Menschen nicht in Schubladen zu stecken. »Das merke ich mittlerweile bei mir selbst. Ich mache die Schubladen zwar noch auf, aber packe keinen mehr hinein. « Stattdessen habe sie gelernt, neugierig auf Menschen zu sein und einfach zu schauen.

Abgerundet wird der Abend durch die Authentizität, mit der Christine Westermann ihre Zuschauer spüren lässt, dass auch sie nur ein Mensch ist. So berichtet sie etwa von ihren nicht vorhandenen Smalltalk-Kenntnissen, Missgeschicken beim Interviewen und unhöflichen Taxifahrern.

Gerade weil so spürbar ist, wie persönlich viele der Erkenntnisse Westermanns sind, wird deutlich, wie individuell auch die Ratschläge sind. »Mir ist ganz wichtig, dass dieses Buch kein Ratgeber ist. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie das mit dem Älterwerden geht – ich weiß es ja selber nicht.« Trotzdem werden wohl einige Zuschauer die Aula nach der anderthalbstündigen Lesung etwas klüger verlassen haben, als sie sie betreten haben. 

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