Firma Tekawe muss auf ihren VW Caddy verzichten – Werkstatt findet Ursache nicht »Es stinkt fürchterlich«

Schloß Holte-Stukenbrock(WB). Heinz Kruse hat ein Problem: Was kann in einem Auto selbst nach Monaten noch fürchterlich stinken und bleibt dennoch unentdeckt, fragt der Geschäftsführer der Firma Tekawe in Schloß Holte-Stukenbrock.

Von Bernd Steinbacher
Geschäftsführer Heinz Kruse (rechts) und seinem Monteur Andreas Kinder stinkt es gewaltig. Alle Versuche zu ergründen, weshalb es im VW Caddy so stinkt, blieben bislang erfolglos. Das Firmenfahrzeug steht seit Wochen in der Werkstatt.
Geschäftsführer Heinz Kruse (rechts) und seinem Monteur Andreas Kinder stinkt es gewaltig. Alle Versuche zu ergründen, weshalb es im VW Caddy so stinkt, blieben bislang erfolglos. Das Firmenfahrzeug steht seit Wochen in der Werkstatt. Foto: Bernd Steinbacher

Alle Verkleidungen sind entfernt, Sitze und Dachhimmel ausgebaut. Doch es stinkt immer noch.

Mittlerweile ist Kruse leicht genervt, denn eigentlich wird der VW Caddy als Montage-Fahrzeug dringend benötigt. »Doch der Gestank war nicht mehr auszuhalten. Es stinkt fürchterlich«, erzählt der Unternehmer. Im Oktober des vergangenen Jahres fing es im Fahrzeug, das er im Dezember 2013 gebraucht beim Händler gekauft hat, plötzlich an zu stinken. »Es riecht nach irgendetwas Chemischem, in Richtung Salmiak.« Doch genau habe es bisher niemand beschreiben können.

In der Trockenkammer – ohne Erfolg

Das knapp sechs Jahre alte Auto war zum Austrocknen sogar in der Trockenkammer einer Lackiererei. Die Klimaanlage wurde gründlich gereinigt, der Bodenbelag ausgebaut und erneuert. Der Gestank im Innenraum kam aber wieder. Lüften half ohnehin nichts, auch nicht das aufwendige Reinigen des Innenraums. Alle Versuche, die Ursache zu ermitteln, scheiterten.

In einem VW Caddy ähnlicher Bauart stinkt es. Foto: Bernd Steinbacher

Kruses Mitarbeiter Andreas Kinder, der das Fahrzeug meistens fährt, sagte, dass dieser »Geruch« plötzlich nach einer längeren Fahrt aufgetreten sei. Es rieche einzigartig, vielleicht wie französischer Schimmelkäse. Andreas Kinder wolle sogar Sabotage nicht ausschließen.

Mit dem Endoskop untersucht – ohne Erfolg

Seit mehreren Wochen steht das Fahrzeug nun im Autohaus Schröder-Teams in Sennestadt. Auch dort blieb die Suche bisher vergebens. Mit dem Endoskop untersuchten Mitarbeiter mehrere Karosserie-Hohlräume – nichts. Mittlerweile ist im Innenraum des VW die Verkleidung entfernt, Sitze, Isolierung, Fußboden, scheinbar alles, was irgendwie Geruch annehmen oder verströmen könnte, ist ausgebaut. Dennoch stinkt es weiter. Selbst wenn ein Marder oder eine Katze Kot, Knochen oder tote Kleintiere im Auto hinterlassen hätte, irgendwann müsste der Geruch nachlassen, meint nicht nur Heinz Kruse. Erst hatte er noch gehofft, dass die Fachwerkstatt das Problem lösen kann, doch mittlerweile steht für ihn die Sorge um die Kosten im Vordergrund. »Ich mache niemanden einen Vorwurf, doch eine Lösung muss her.« Das Fahrzeug koste derzeit nur und könne nicht eingesetzt werden.

Hinterlassenschaften eines Marders gesucht – ohne Erfolg

Es folgten intensive Gespräche mit der Werkstatt und nun auch mit VW in Wolfsburg. Herausgekommen ist bisher nur Ratlosigkeit: »Normalerweise stinken unsere Autos nicht«, sagte VW-Sprecher Jens Bobsien in Hannover, zuständig für Nutzfahrzeuge, auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES . Da die Ursache des Geruchs nicht bekannt sei, könne keinerlei Kulanz gewährt werden. Ein Produktionsfehler wäre früher aufgetreten. Laut der Aufstellung von VW hatte das Fahrzeug im Mai 2012 einen Unfall und des Öfteren gab es Probleme mit Mardern. »Marderhinterlassenschaften und die Reste ihrer Mahlzeiten stinken ordentlich«, so der VW-Sprecher.

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Normalerweise stinken unsere Autos nicht.

VW-Sprecher Jens Bobsien

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Das Unternehmen beschäftige sich mit Schmieranlagen für die Industrie. Dazu gehörten auch Schmierstoffe. »Dass angesichts dieser Fahrzeughistorie der Kunde den Hersteller in der Pflicht sieht, können wir nicht nachvollziehen, da das Fahrzeug rund 80 000 Kilometer ohne Geruchsbelästigung gelaufen ist«, heißt es weiter.

Der Unternehmer erhielt mittlerweile einen Anruf von VW aus Wolfsburg. Es sei kein Produktionsfehler. »Wir müssten beweisen, dass irgendetwas Tag für Tag mit irgendeinem verbauten Material reagiert«, schildert Kruse die Auffassung von VW. Ein Versiegeln der Hohlräume habe er abgelehnt, weil dann mögliche Ursachen überdeckt würden. Von Marderproblemen sei ihm nichts bekannt, das müsse dann vor dem Kauf gewesen sein.

Autobesitzer sucht nach ähnlichen Fällen

Die Werkstatt hat vorgeschlagen, eine Spezial-Reinigungsfirma zu beauftragen, den Innenraum zu behandeln. Die würde sogar Leichengeruch bekämpfen. Das verursache aber weitere Kosten – mit ungewissem Ausgang. Außerdem würde das die Ursache ja auch nicht zu Tage fördern, meint Kruse. Er will weiter überlegen, was zu tun sei und sucht im Internet nach möglichen Leidensgenossen. Er sei schon auf mehrere Fälle gestoßen, doch ein so dauerhafter und intensiver Gestank in einem Auto sei wohl bislang einmalig.

Kommentare

Kat

Tropft vielleicht irgendeine Flüssigkeit auf ein Teil das sehr heiß wird? Hatte das Problem mal einem Mittel aus der Scheibenwaschanlage das auf den Katalysator tropfte. Das roch wie Hundekot.

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