Klimafreundliches Mobilitätskonzept vorgestellt – Bürger bei Workshop beteiligt Radfahren schafft Lebensqualität

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Lebensqualität hat eine Stadt, wenn es Spaß macht, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das sagt Pia Lesch, die im Ordnungsausschuss am Dienstag das Mobilitätskonzept vorgestellt und Maßnahmen vorgeschlagen hat, wie die Stadt noch attraktiver und damit auch klimafreundlicher werden kann.

Von Monika Schönfeld
Wo man komfortabel ohne Hindernisse mit dem Rad fahren kann, empfindet man Lebensqualität. Für Schüler bedeutet das ein Stück Unabhängigkeit. Gerade an der Holter Straße sind täglich Schüler auf dem Weg zur Realschule und zum Gymnasium.
Wo man komfortabel ohne Hindernisse mit dem Rad fahren kann, empfindet man Lebensqualität. Für Schüler bedeutet das ein Stück Unabhängigkeit. Gerade an der Holter Straße sind täglich Schüler auf dem Weg zur Realschule und zum Gymnasium. Foto: Matthias Kleemann

Eine Online-Umfrage, Expertengespräche, dann die Bürgerbeteiligung Ende November mit einer Radfahrer- und einer Fußgängergruppe sind in die Analyse eingeflossen. Der Anteil der zurückgelegten Strecken mit dem Rad sei mit 15 Prozent sehr hoch, sagt Pia Lesch von der Planersocietät Dortmund. Aber: Schon für Strecken von ein oder zwei Kilometer greifen 30 Prozent der Bürger schon zum Auto. Bei den Radfahrern gibt es zwei Gruppen: Die, die von A nach B zur Schule oder Arbeit fahren, und den Freizeitverkehr. »Wir haben festgestellt, dass kombinierte Geh- und Radwege konfliktträchtig sind. Die Stadt hat reagiert und die Benutzungspflichten bereits an vielen Stellen aufgehoben. Man kann, muss den Radweg aber nicht nutzen.« Das sei eine der Maßnahmen, um den Radverkehr attraktiver zu machen.

Lückenschluss

Natürlich müssten dann Lücken im Radwegenetz geschlossen (Paderborner Straße) und Schäden beseitigt werden (Belag an der Tenge-Rietberg-Straße). An Kreis- und Landesstraßen sei die Stadt auf übergeordnete Zuständigkeiten angewiesen (Holter Straße und Bahnhofstraße). Konkret sei die Situation am Kreisverkehr am Radhaus schnell zu verbessern, indem rote Fahrradfurten und Zebrastreifen den Fußgängern und Radfahrern Vorrang einräumten.

Fahrradstraße

Fahrradparkplätze am Bahnhof sind wichtig. Die Erfahrung zeige, dass Radfahrer bereit sind, 50 bis 75 Meter zum Fahrradstellplatz zu laufen. Mit beispielhaften Maßnahmen, wie zum Beispiel die Umwandlung der Pollstraße und des Marktweges zur Fahrradstraße, könne die Stadt Flagge zeigen. Dort, wo die Turnhalle, Pollhansschule, Haupt- und Gesamtschule viel Schülerradverkehr erzeugen sei es möglich, Tempo 30 anzuordnen und den Radfahrern zu erlauben, nebeneinander zu fahren. Autofahrer müssen hier langsam hinterher fahren.

Park statt Parken

Um für das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel zu werben, sind Aktionstage denkbar, wie zum Beispiel »Park statt Parken«. Einen Parkplatz könnten einen Tag lang Gastronomen oder andere zum Park machen, Faltblätter zum besseren Miteinander der Verkehrsteilnehmer könnten gestaltet und eine Online-Plattform eingerichtet werden, auf der Bürger Schäden und Mängel melden, Fotos oder Video hochladen können. Die Mitgliedschaft in der AG Fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden sei sinnvoll, beim Instandhaltungsplan müsse auf Komfort Wert gelegt werden.

Zum Verweilen

»Die Fußgänger wünschen sich mehr Zebrastreifen, Mittelinseln oder Ampeln. Die Grünphasen der Ampeln müssen so verlängert werden, dass auch Leute am Rollator bequem die Straße überqueren können«, sagt Pia Lesch. In Stukenbrock müsse mehr getan werden, damit man sich dort im Freien gerne länger aufhält, im Ortzentrum Schloß Holte habe das nur Prioritätsstufe 3, dort könne man es schon ganz gut aushalten.

3000 Tonnen CO2

Die Planersocietät hat einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vorgelegt. Wenn alles umgesetzt würde, hätte die Stadt Kosten in Höhe von 8,5 Millionen Euro, wobei es für viele Dinge auch Fördermittel gebe. Damit könnte die Stadt 3000 Tonnen Ausstoß von CO 2 pro Jahr sparen, das entspricht drei Prozent des derzeitigen Aufkommens.

Die Mitglieder des Ordnungsausschusses haben das Konzept einstimmig begrüßt, zur Kenntnis genommen und in die Fraktionen verwiesen. In einer der nächsten Sitzungen sollen erste Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden.

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