RTL-Beitrag kritisiert angebliche Missstände Safaripark wehrt sich

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Das Medium Film eröffnet im Reportagebereich die Möglichkeit zu manipulieren.« Das sagt Susanna Stubbe, Pressesprecherin des Zoos Safaripark Stukenbrock,  zu dem RTL-Beitrag vom Montag unter dem Titel »Team Wallraff – Reporter undercover«.

Von Monika Schönfeld
Parkchef Fritz Wurms und sein Team wehren sich gegen die Vorwürfe
Parkchef Fritz Wurms und sein Team wehren sich gegen die Vorwürfe Foto: Bernd Steinbacher

Dort waren angebliche Missstände in der Tierhaltung, bei der Unterbringung der Mitarbeiter und der Bezahlung angeprangert worden.  Stubbe sagt, dass der Park Ähnliches erwartet habe. Vor einem Jahr war eine Journalistin enttarnt worden, die unter falschem Namen als Aushilfe im Freizeitbereich gearbeitet hat. »Wir haben die  Polizei verständigt, weil sie in Bereichen angetroffen worden war, in denen sie nichts zu suchen hatte.«

Park als Zoo zertifiziert

Außerdem habe Parkchef Fritz Wurms den Verband deutscher Freizeitunternehmen verständigt. Es stellte sich heraus, dass die Frau in mehreren Freizeitparks für ein paar Tage gearbeitet habe. Die  Fragen, die RTL dem Safaripark erst ein Jahr nach der verdeckten Recherche gestellt hatte, hat der Park beantwortet. Davon sei im Beitrag nichts verwendet worden.  Stubbe weist darauf hin, dass der Park als Zoo zertifiziert sei. »Jeder, der schon einmal im Zoo Safaripark war, hat sicherlich einen anderen Safaripark erlebt als bei RTL gezeigt wurde.«

Kommentare

Safaripark hat schon Tausende begeistert

So unseriös der Beitrag des Ober-Scharlatans der berichtenden Zunft, Günter Wallraff, im Bertelsmann-TV-Sender RTL gewesen ist, so hanebüchen haben Sie, geehrter Herr Letz, den Beitrag kommentiert. Selbstverständlich hat das, was uns tagtäglich von populistischen Medien in Wort, Bild und Film vorgesetzt wird, nichts mehr mit verantwortungsvoller Berichterstattung zu tun. Das haben Sie sehr wohl richtig gewürdigt.

Doch Sie - entschuldigen Sie bitte - erliegen im Anschluss derselben Fehleinschätzung. Oder warum kritisieren Sie eine offizielle Stellungnahme des Safariparks Stukenbrock? Die ist nämlich absolut redlich, legitim und entspricht auch meinem Verständnis der gepflegten Kommunikation. In Zusammenhang mit der verfehlten RTL-Soap halte ich es allerdings nicht für angebracht, haltlose Vorwürfe in den Raum zu werfen und diese unkritisiert stehen zu lassen.

Klar, es gibt immer irgendetwas zu kritisieren. Da brauchen Sie nur, nach draußen zu gehen, in den Garten Ihres Nachbarn zu schauen oder den Dreck vor Ihrer Haustüre zu kehren. Und selbstverständlich existieren - bedauerlicherweise - immer wieder Defizite in Tierhaltung, Züchtung und Verwertung - hier und in der ganzen Welt. In meiner Straße würde ich mindestens zwei Hundehaltern den Vierbeiner entziehen lassen.

Doch es gibt auch die andere Seite der Medaille: Wie viele Kinderherzen hat die Familie von Fritz Wurms über Jahrzehnte schon höher schlagen lassen mit diesem sagenhaften und großartigen Freizeiterlebnis in ostwestfälischer Provinz? Wie viele Reisebusse sind schon durch diesen Safaripark gefahren und haben glückliche Besucher nach Hause begleitet? Und wie viele Tiere sind nur allein aufgrund der Existenz dieses Parks vor unserer Haustür vor Schlimmerem bewahrt worden? Wie gesagt, man kann alles kritisieren, doch ich bin es leid. Lassen Sie sich von mir infizieren! Genießen Sie!

Eindeutig stelle ich fest: Mit der Familie von Fritz Wurms bin ich weder verwandt noch verschwägert. Fritz Wurms habe ich zweimal in meinem Leben getroffen, und genau so oft bin ich Gast im Freizeitpark gewesen. Alles liegt weit mehr als 20 Jahre zurück, und ich denke gerne daran.

Safaripark-PR

Ich halte Walraff für zunehmend unseriös, und was er hier als Investigativ-Reportage abgeliefert hat, stellt einen Tiefpunkt dar. Aber diese Stellungnahme von Stukenbrock ist genauso unseriös und nur das, was die dortigen PR-Fuzzies seit Jahren den Besuchern und kritiklosen Redakteuren vorsetzen. Auf die Tierhaltungsvorwürfe geht Frau Stubbe gar nicht ein. "Als Zoo zertifiziert" ist inhaltlicherUnsinn, denn jede Schau-Tierhaltung in Deutchland braucht eine Zoo-Zulassung (oder wird geschlossen), das bedeutet nur, dass die niedrigen Mindestbedingungen eingehalten werden, und ausgestellt wird das nur vom Amtsveterinär, der seit langem dem Park eng verbunden ist... Von wegen EU-Zertifizierung - das ist Augenwischerei!
Misstände in Stukenbrock sind weithin bekannt. Auch hat Stukenbruck schon vor Jahren Löwen an Abschuss-Unternehmen verkauft (war damals ein großer Skandal). Und zur Behauptung "jeder, der schon einmal hier war": Kann ich nicht unterschreiben. Ich war letztes Jahr dort und schwer enttäuscht. Ich habe selbst gesehen, wie Mitarbeiter am Rand der Besucherstraße standen und die Elefanten mit Stöcken dorthin dirigiert hben, wo die gut fotografiert werden können ohne den Autos zu nahe zu kommen, und die schlafenden Löwen aufgeschrecht und mit Jeeps durchs Gehege getrieben wurden. Aber da hier ja Fachleute gefordert werden: Eben mal gegoogelt: Ein schon älterer Bericht einer Zoo-Arbeitsgruppe www.zoo-ag.de/exkursionen/2000_stukenbrock.htm Dort werden bereits viele der angesprochenen Misstände beschrieben und der Unsinn der Zucht von weißen Löwen und Tigern beschrieben.

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