Potthoff: Hitzeschild mit Landschaft – Irischer Füllofen gestern angeliefert  Bemalte Rarität 

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Noch fehlt ein entscheidendes Ja der Stadt zum Industriemuseum, doch die Zahl interessanter historischer Ausstellungsstücke wächst weiter.

Von Bernd Steinbacher
Günter Potthoff zeigt den restaurierten Schneiderofen, in dem Bügeleisen erhitzt worden. Der Ofen ist in der Ausstellung im Rathaus zu sehen.
Günter Potthoff zeigt den restaurierten Schneiderofen, in dem Bügeleisen erhitzt worden. Der Ofen ist in der Ausstellung im Rathaus zu sehen.

 Bereits in der Ausstellung im Rathaus zu sehen ist ein Schneiderofen, in dem Schneider einst ihre eisernen Bügeleisen erhitzten. Der ist aus dem Detmolder Raum für die Stadt angekauft worden, und Heimatforscher Günter Potthoff hat ihn restauriert. Laut Katalog könnte er um 1910 entstanden sein.

 Besonders freut sich Potthoff über einen Hitzeschild, den er aus dem Bad Salzuflener Raum erhalten hat. »Der Schild ist bemalt, das ist eine Rarität«, sagt er. Doch bevor dieser Hitzeschild öffentlich gezeigt werden kann, müsse der Rost bekämpft werden. Solche Schilde wurden aufgestellt, wenn der Ofen zu viel Hitze abgab.

 Der Heimatforscher berichtet zudem, dass ein so genannter Irischer Füllofen aus Holter Produktion nun in die Stadt zurückkommt. Im Internet hat jemand das gute Stück als französischen Ofen angeboten. Potthoffs Sohn Markus entdeckte auf dem Foto bei genauerem Hinsehen aber ein Zeichen der Holter Eisenhütte. »Der Ofen ist mit drei Emailleplatten verziert, auf denen Flamingos zu sehen sind. Das wird bestimmt ein schönes Ausstellungsstück.« Der Ofen ist gestern aus Braunschweig geliefert worden und muss nun aufgearbeitet werden.

Suche nach Zubehör wie ein Puzzlespiel

 Da die Holter Eisenhütte sehr viele Modelle produzierte, gleicht die Suche nach fehlendem Zubehör oder Ofenplatten fast schon einem Puzzlespiel. So fehlt noch eine passende Seitenplatte, um einen weiteren Hermannsofen zusammensetzen zu können. Vielleicht passt ja die, die jetzt in Detmold zu haben ist?

 Es bleibt spannend, auch aus Schloß Holte-Stukenbrock selbst bekommt Günter Potthoff immer wieder interessante Stücke aus vergangenen Zeiten, seien es Ofenringe, Kochtöpfe, ein Schürhaken, Schriften oder auch alte Briefe. »Das Interesse an der Geschichte der Stadt ist groß. Bei der Veranstaltung mit Heinrich Lüke waren nicht umsonst so viele Menschen da.« Der 100-Jährige hatte im Januar aus seinem Leben erzählt.

 Zeitzeugenberichte sind wichtig, um Vergangenheit lebendig werden zu lassen und zu verstehen – aber auch alte Dokumente. Nur die kann nicht jeder lesen. Deshalb arbeiten Mitglieder des Fördervereins Industriemuseum Schloß Holte-Stukenbrock verstärkt daran, alte Texte zu transkribieren, das heißt in heutige Schrift zu übertragen und dauerhaft nutzbar zu speichern. Das ist zeitaufwändig, deshalb sucht der Verein weitere aktive Mitstreiter.

 Parallel zu solchen Arbeiten im Hintergrund läuft auch die Mitgliederwerbung. So ist jetzt eine Urholterin dem Förderverein beigetreten, obwohl sie in München lebt. Die Frau verfolgt genau, wie sich die Museumspläne in ihrer Heimatstadt entwickeln. Solches Interesse bringt Motivation, ebenso das Lob der Museumsfachleute für die bereits geleistete ehrenamtliche Arbeit. »Manch einer will wichtige Zeugnisse der Industriegeschichte der Stadt aber erst zur Verfügung stellen, wenn es hier tatsächlich ein Museum gibt. Das erfahre ich bei Gesprächen immer wieder«, sagt Günter Potthoff.

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