Vor 70 Jahren wurde das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 befreit  Gedenken und Mahnung 

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Stalag 326 (VIK) haben Mitglieder des Arbeitskreises »Blumen für Stukenbrock« am Donnerstag einen Kranz am Eingang des ehemaligen Lagers niedergelegt, dort, wo heute eine Gedenktafel an das Lager erinnert.

Von Matthias Kleemann und Bernd Steinbacher
Brigitte Barz von der Dokumentationsstätte führte gestern Interessenten durch die Ausstellung im ehemaligen Arrestgebäude. Sie erläuterte die Geschichte und Entwicklung des Lagers anhand von Exponaten und Modellen.
Brigitte Barz von der Dokumentationsstätte führte gestern Interessenten durch die Ausstellung im ehemaligen Arrestgebäude. Sie erläuterte die Geschichte und Entwicklung des Lagers anhand von Exponaten und Modellen.

 Zuvor hatten Interessenten die Möglichkeit, an einer Führung durch die Dokumentationsstätte in dem denkmalgeschützten ehemaligen Arrestgebäude teilzunehmen. Brigitte Barz, Mitarbeiterin der Dokumentationsstätte, konnte aber nur knapp zehn Personen begrüßen.

 »Mein Vater hat mir viel von dieser Zeit erzählt«, sagt Liborius Fiekens aus Liemke. Er selbst kennt das Gelände nur als Polizeischule, wo er bis vor 15 Jahren zum Sporttreiben regelmäßig hingefahren ist. Die Dokumentationsstätte hatte er bislang noch nicht von innen gesehen. Der Jahrestag sei ein willkommener Anlass, das jetzt endlich nachzuholen, meint er. Ingelore Gansauge dagegen, hat schon einmal an einer Besichtigung teilgenommen. Sie selbst ist erst in den 60er-Jahren nach Stukenbrock-Senne gekommen, war in der Polizeischule angestellt und hat von Nachbarn und Bekannten viel über die Zeit des Gefangenenlagers erfahren.

 Zum Beispiel, dass viele Bauern aus der Umgebung den Gefangenen heimlich Essen zugesteckt haben, zum Beispiel die, die täglich den Inhalt der Plumps-Klos abgeholt haben. Beliebt war bei den Gefangenen deshalb das »Güllle-Kommando«, also jene, die beim Verladen der Fäkalien helfen mussten. »Einer der Bauern hat immer seinen Sohn mitgenommen und ihn das Essen schmuggeln lassen, weil die Bewacher die Kinder meist nicht kontrolliert haben.«

 Werner Höner, der ehemalige Vorsitzende des Arbeitskreises »Blumen für Stukenbrock« erinnerte an die Grausamkeiten, die die sowjetischen Kriegsgefangenen im Lager erleiden mussten. Die Befreiung des Lagers sei für die Lagerinsassen ein vorgezogener 8. Mai, der Tag der Befreiung gewesen. Die Bedeutung des 8. Mai müsse mehr hervorgehoben werden. Das wäre ein Beitrag gegen das Vergessen. »Wir müssen jetzt alles tun, damit der Frieden erhalten bleibt. In diesem Sinne soll an die Befreiung erinnert werden.«

 Zur Zeit der Befreiung des Lagers hätten sich darin 10000 Menschen, darunter 1500 Kranke, befunden, zitierte Höner einen Überlebenden des Lagers. Er erinnerte auch daran, dass Überlebende keine Entschädigung erhalten hätten. Auch sei in Zeiten des Kalten Krieges der Obelisk durch die Abnahme der Glasplastik (eine rote Fahne) »geschändet« worden. Er kritisierte, dass die Zusage der Landesregierung aus dem Jahr 2005, den alten Zustand wiederherzustellen, nicht mehr gelte.

 Der jetzige Vorsitzende des Arbeitskreises »Blumen für Stukenbrock«, Hubert Kniesburges, und der Integrationsbeauftragte der Stadt, Metin Eser, legten im Beisein von mehr als 20 Teilnehmern, darunter Reinhard Tölke (Grüne) und Jochen Gürtler (SPD) Kränze an der Gedenktafel nieder. Die Tafel war vor fünf Jahren errichtet worden.

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