Nowosibirsker Kammerorchester besucht Dokumentationsstätte  Stalag-Geschichte erschüttert junge Musiker 

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Die Erschütterung bei den jungen Russen ist groß. Nach ihrem Besuch in der Dokumentationsstätte Stalag 326 auf dem Gelände der Polizeischule will keiner von ihnen mehr den sowjetischen Ehrenfriedhof sehen.

Von Matthias Kleemann
Bild 1
Bild 1

 Es sind die Mitglieder des Kammerorchesters der Nowosibirsker Philharmonie, die zurzeit im Rahmen einer Tournee in Ostwestfalen unterwegs sind. Alles eher jüngere Leute, keiner von ihnen hat den Krieg persönlich erlebt. »Aber jeder hat in seiner Familie jemanden, der im Krieg gefallen ist oder schwer verwundet wurde«, sagt Walter Lent aus Bielefeld, der den Besuch der Musiker organisiert hat.

 Das bestätigt auch Oleg Baginsky, der im Orchester Viola spielt. Seine beiden Großväter haben zwar den den Krieg überlebt, wurden aber beide schwer verletzt, der eine in Stalingrad. Man müsse dem Verein, der die Dokumentationsstätte pflegt, dankbar sein, dass er die Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager wach hält, und dass die Geschichte objektiv dargestellt wird, nicht verfälscht, sagt Oleg Baginsky. Es sei wichtig, solche Ausstellungen auch für die Zukunft zu bewahren. Man müsse an die Menschen denken und dürfe nicht die Politik unterstützen, die den Krieg zulässt. Es sei auch gut, dass die Opfer nicht vergessen werden, sagt ein anderer Musiker.

Mit Verlauf der Tournee zufrieden

 Der Wunsch der Gruppe wird respektiert. Der Bus mit den 20 Musikern fährt nach der einstündigen Besichtigung wieder zurück nach Gütersloh, wo heute ein Konzert mit dem Kammerorchester stattfindet. »Ich habe gelernt, mich auf solche Situationen einzustellen«, sagt Walter Lent.

 Mit dem Verlauf der Tournee ist er zufrieden. Das Orchester hatte am Mittwoch einen Auftritt in der Bielefelder Oetkerhalle. Heute spielt es im großen Saal der Gütersloher Stadthalle, Beginn 20 Uhr. Am Samstag kann man die Musiker noch einmal in der Heiligkreuzkirche in Detmold hören. Dabei kommt auch jedesmal die Orgel zum Einsatz, denn zum Ensemble gehört der Schweizer Orgelspieler Martin Heini.

 Auch Dirigent Rainer Held stammt aus der Schweiz. Kontakte zwischen Held und Lent haben zu dem Zustandekommen der Tournee durch OWL geführt. In seiner Heimat sei das Orchester äußerst renommiert. Held selbst hat im osteuropäischen Raum ebenfalls einen guten Namen, so war er von 2003 bis 2010 in Minsk tätig.

 Kontakte zwischen Walter Lent und Franz Kiesl vom Gütersloher Forum Russische Kultur haben wiederum den Auftritt des Orchesters in Gütersloh ermöglicht und auch zum Besuch in Stukenbrock-Senne geführt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.