Angst vor öffentlicher Kritik? Einige Diensthundetrainer halten Entscheidung für falsch Polizei schafft Stachelhalsbänder ab

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Offenbar aus Angst vor öffentlicher Kritik verwenden Ausbilder in der NRW-Polizeihundeschule Stukenbrock nach WESTFALEN-BLATT-Informationen seit kurzem keine Stachelhalsbänder mehr. Das könnte fatale Folgen haben

Von Christian Althoff
Wie gut Polizeihunde gehorchen, wurde am 16. Dezember in Stukenbrock vorgeführt. Jetzt kam heraus, dass die Tiere an jenem Tag handverlesen gewesen sein sollen.
Wie gut Polizeihunde gehorchen, wurde am 16. Dezember in Stukenbrock vorgeführt. Jetzt kam heraus, dass die Tiere an jenem Tag handverlesen gewesen sein sollen. Foto: Oliver Schwabe

Die 300 Polizeihundeführer des Landes stehen seit einigen Wochen im Fokus ihrer vorgesetzten Fachdienststelle, des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP) in Selm. Dem Amt ist auch die Polizeihundeschule in Stukenbrock unterstellt.

Als Anlass für die Durchleuchtung des Polizeihundewesens werden offiziell Gerüchte genannt, Polizeihundetrainer Andreas P. aus Warendorf habe bei der Fortbildung von Diensthunden in seiner eigenen Hundeschule in Münster quälerische Methoden eingesetzt.

Teilnehmer seiner Kurse bezeichneten das inzwischen gegenüber dieser Zeitung als »Quatsch«. Andreas P. sei ein international renommierter Diensthundsausbilder, der im Umgang mit Menschen aber nicht immer einfach sei. Möglicherweise sei er deshalb beim LAFP in Ungnade gefallen

»Reine Show«

Wie auch immer: Das Landesamt sah sich im Dezember bemüßigt, der Öffentlichkeit zu versichern, Polizeihunde würden weitgehend ohne Zwang und vor allem mit Belohnungen motiviert. Deshalb fand am 16. Dezember eine Vorführung in der Polizeihundeschule Stukenbrock statt, die das belegen sollte.

Am Montag sagte ein Polizist dem WESTFALEN-BLATT, die Vorführung sei »reine Show« gewesen, die wenig mit dem Polizeialltag zu tun gehabt habe: »Die Hunde waren lieb und handverlesen. Es wurden vor allem Tiere gezeigt, die keinen Dienst auf der Straße verrichten. Und selbst aus dieser Gruppe hat man noch jene Hunde herausgenommen, die zu motiviert waren.«

Klar, dass die Vorführung von Gehorsamsübungen und dem Aufspüren von Gegenständen vom LAFP als Erfolg gewertet wurde. Um der vom Landesamt propagierten Lehre von der weitgehend zwangsfreien Erziehung zu folgen, werden jetzt in Stukenbrock keine Stachelhalsbänder mehr benutzt. Kritiker sprechen von einer politischen Entscheidung

Ruck am Halsband soll künftig reichen

Und darum geht es: Ein Polizeihund, der gegen Hooligans oder gewalttätige Demonstranten vorgehen soll, soll nicht zurückweichen, wenn er von Gewalttätern geschlagen oder getreten wird. Deshalb muss er körperlich und charakterlich sehr robust sein. Diese Eigenschaften führen aber anderseits dazu, dass so ein Hund in der Ausbildung auch bei seinem Hundeführer ausprobiert, wie weit er gehen kann.

Ein Trainer: »Wenn so ein Tier einen Täter fasst, und man befiehlt ihm, den Mann loszulassen, muss der Hund das tun. Wenn sehr motivierte Hunde das Kommando in der Ausbildung nicht sofort befolgten, ruckte der Hundeführer einmal an der Leine und übte Zug aufs Stachelhalsband aus. Das ist den Tieren unangenehm, und sie lernen, dem Befehl zu gehorchen.«

Künftig soll ein Ruck am normalen Halsband die Einwirkung des Stachelhalsbands ersetzen. Dass das klappt, bezweifeln einige Hundeführer. Selbst in Österreich, wo Stachelhalsbänder verboten sind, gilt eine Ausnahme für Diensthunde.

Stachelhalsbänder sind immer wieder Diskussionsthema bei Hundehaltern. Sie sind aber nicht verboten. Das Tierschutzgesetz regelt nur, dass Tieren bei der Ausbildung »keine erheblichen Schmerzen« zugefügt werden dürfen.

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