Stadt investiert in diesem Jahr vorsorglich auch in Ökopunkte  Der Vorrat spart Zeit 

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Es ist nicht nur gut, Geld auf der hohen Kante zu haben, auch ein gut gefülltes Konto mit Ökopunkten spart Zeit, wenn es um Baumaßnahmen geht.

Von Bernd Steinbacher
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 »Wer in die Natur eingreift, muss für Ausgleich sorgen. Das ist gesetzlich geregelt«, sagt Thomas Sommerfeld, der sich in der Stadtverwaltung unter anderem um geeignete Grundstücke für städtische Ökopunkte und neue Ausgleichsflächen für Wald kümmert. »Es ist wichtig, dass die Konten gefüllt sind. Dann kann man flexibel reagieren«, erläutert er im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT.

 Für freiwillige Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, die nachweislich zu dauerhaften landschaftsökologischen Verbesserungen führen, kann eine Kommune Ökopunkte sammeln. Diese werden gutgeschrieben und können für spätere Eingriffe in die Natur angerechnet werden.

 Seit dem Jahr 2008 können solche Ökokonten geführt werden. Zuständig dafür ist die Untere Landschaftsbehörde, also der Kreis Gütersloh. Dort muss auch genehmigt werden, ob eine geplante Maßnahme durchgeführt und angerechnet werden kann.

 Laut der Übersicht im Haushaltplanentwurf für 2015 hat die Stadt auf ihrem Ökokonto im Jahr 2013 186000 Punkte gehabt. 2014 wurden für die Bebauungsplangebiete »Mergelheide« und »Gerkens Hof« insgesamt 95000 Punkte eingesetzt, so dass noch 91000 verbleiben.

 Aus Verwaltungssicht ist es notwendig, das Konto wieder aufzufüllen. Für 2015 hat der Ordnungsausschuss 40000 Euro befürwortet. Das reicht für etwa 30000 Punkte. Gründe sind die geplante eigene Trinkwasserförderung und das neue Gewerbegebiet, ganz gleich, ob es am Kreuzkrug oder in Stukenbrock-Senne entsteht. Durch solche Baumaßnahmen werden Flächen versiegelt, Wald oder Gehölze entfernt. Deshalb wird der Minderwert bilanziert, und dieser muss ausgeglichen werden.

 »Wenn wir über genügend Ökopunkte verfügen, die eingesetzt werden können, gibt es keine Verzögerung bei der Bauleitplanung. Das ist ein großer Vorteil«, sagt Sommerfeld. Durch geschicktes Management kann sogar Geld gespart werden. Der mögliche Zukauf von Ökopunkten ist meist teurer, als wenn die Stadt selbst Maßnahmen finanziert für die es Ökopunkte gibt. Diese Verbesserung der Natur kann auch auf privaten Flächen erfolgen. Sie müssen nicht einmal im Stadtgebiet, nur möglichst in der Nähe und im gleichen Naturraum liegen. So befinden sich die Ausgleichsflächen für das junge Baugebiet »Lippstädter Weg« auf Hövelhofer Gebiet.

 Ökopunkte konnte die Stadt auch bei Projekten im Holter Wald sammeln und bei der Extensivierung von landwirtschaftlichen Flächen in Bielefeld. Die Beweggründe für die Bereitstellung von landwirtschaftlichen Flächen für Kompensationsmaßnahmen sind vielschichtig. So kann sich eine landwirtschaftliche Nutzung kleiner Flächen und wegen der Bodenverhältnisse nicht mehr lohnen. In Fällen, in denen die Landwirtschaft aus Altersgründen aufgegeben wird, kommt es nicht selten vor, dass die Bereitstellung als Ausgleichsfläche einer Verpachtung für landwirtschaftliche Zwecke vorgezogen wird. Eigentümern sei oft wichtig, über Generationen vererbte Flächen weiterhin im Eigentum zu behalten.

 Die Ökopunkte taugen nicht nur für öffentliche Bauvorhaben, auch private Investoren können profitieren. Haben diese keine Ausgleichsflächen zur Verfügung, gibt die Stadt schon mal Ökopunkte »zum Selbstkostenpreis« ab. Das kann Unternehmern, zum Beispiel bei Betriebserweiterungen, Geld sparen, denn Abstandszahlungen sind meist teurer als der Erwerb der Punkte. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit ist der Bau des Kindergartens an der Trapphofstraße. Neben Anpflanzungen auf dem Grundstück wurden kostenpflichtige städtische Ökopunkte als Ausgleich eingesetzt.

 Wird Wald für Baumaßnahmen abgeholzt, muss auch Wald angepflanzt werden. Um auch dort einen weiteren Vorrat anzulegen, stehen im Haushaltplanentwurf 2015 ebenfalls Mittel bereit. 60000 Euro reichen für etwa 1,5 Hektar Ersatzaufforstung. Aufgeforstet wird meist in Nachbarkommunen, da bereits 29 Prozent des Stadtgebietes Waldflächen sind.

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