Rosenmontag in Rietberg: Lokalpolitik, Konfetti und eine ganze Menge Quatsch – mit Video Von Elchen und Geldhähnen

Rietberg (WB). Im Dezember stand Zugleiter Klaus Ebbesmeier noch das P für Panik ins Gesicht geschrieben: »Wir haben viel zu wenig Anmeldungen.« Am Rosenmontag kann er sich das Treiben ganz entspannt anschauen.

Von Stefan Lind
Konfettikanonen? Im Rietberger Karneval streng verboten, aber wenn der Begriff schon im Motto vorkommt, wollen die Neuenkirchener Jecken auch ihren Teil dazu beitragen.
Konfettikanonen? Im Rietberger Karneval streng verboten, aber wenn der Begriff schon im Motto vorkommt, wollen die Neuenkirchener Jecken auch ihren Teil dazu beitragen. Foto: Wolfgang Wotke

Denn es stehen 73 teilnehmende Gruppen auf seinem Ablaufplan, in Wirklichkeit sind es sogar 74, denn eine späte Gruppe ist noch unter der Nummer 23a ins Programm gerutscht. »Die Leute sind sehr kurz entschlossen«, sagt Ebbesmeier, »es kommen immer mehr Anmeldungen immer später.«

Mögen in Rietberg auch lokalpolitische Themen im Dutzend auf der Straße liegen, so richtig dominant sind sie im Zug nicht. Wenn aber eine Truppe zulangt, dann richtig.

Die Gruppe Edenfeld/Nordmann nimmt die Initiative für das Bürgerbegehren und die Diskussion darüber aufs Korn, ob denn der Bürgermeister auch unterschrieben hat. Hier sei die »Meinungspolizei« am Werk, finden die Narren, und reimen: »Das Bürgerbegehren muss gelingen, und wenn wir euch dazu zwingen.« Der Gartenschaupark beschäftigt die »Olle Düänäine«. Sie reimen: »Die Sparkasse dreht den Geldhahn zu, die Blumenpracht verblüht im Nu.« Dazu, in Abwandlung des Sessionsmottos: »Und sieht die LGS beschissen aus, dann schmeißen wir Konfetti drauf.«

Schreckensvision zum City-Outlet

Der Arbeitskreis katholischer Karnevalisten aus der Kernstadt Rietberg setzt sich für einen Pastöralverbünd (kein Tippfehler!) ein, denn: »Lieber in die Moschee eintreten als mit den Schappscheitern beten«. Dieser Begriff ist die wenig freundliche Beschreibung für Menschen aus Neuenkirchen. Und natürlich ist das City-Outlet ein Thema, denn eine Gruppe stellt sich Rietberg im Jahre 2048 vor, öd und leer, denn: »2015 erdacht, 33 Jahre nichts gemacht«, ist ihre Schreckensvision, was das Großprojekt angeht.

Ansonsten herrscht aber eher Jubel, Trubel, Heiterkeit, beispielsweise bei den Q1-Schülern des Gymnasiums, die als Elche und Rehe des Weges kommen und feststellen: »Hebt die Kelche, ihr feiernden Elche.« Dazu Kommentator Peter Esser sarkastisch: »Na, das ist mal ein wahnsinnig politisches Thema.« Dafür kommt der Videobeweis im Fußball gleich dreimal im Umzug vor.

Der Dorfschullehrer (Esser) und der Fahrschullehrer (Bertwald Adrian, so ihre eigene Beschreibung) moderieren den Zug am historischen Rathaus, Marco Talarico und Manuel Kaiser übernehmen dieselbe Aufgabe am Nordtor. Bürgermeister Andreas Sunder und Ehefrau Kerstin haben viel zu tun, denn es gilt, jedes vorbeifahrende Prinzenpaar zu drücken und mit einem Geschenk zu versehen. Dazu muss man aber vorher auf die üppigen Wagen klettern. Nach 55 Minuten ist der Zug das erste Mal durch. »Jetzt wird es ernst«, sagt Zugleiter Ebbesmeier, »denn bei der zweiten Runde läuft schon viel durcheinander.« Aber immerhin: Stehengeblieben ist »der Zoch« diesmal nicht.

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