Kolping-Karnevalisten feiern in Westerwiehe an zwei Abenden ein närrisches Jubiläum 55 Jahre Garant für erste Sahne

Rietberg-Westerwiehe (WB). »Wir zeigen, wo im Karneval der Frosch die Locken hat – hier bei uns.« An Selbstbewusstsein mangelt es der Westerwieher Narrenschar und ihrem schlagfertigen Sitzungspräsidenten Philipp Isenborth so wahrlich nicht!

Von Petra Blöß
Fabian »Fabse« Hartkamp (links) und Daniel »Tüt« Stüker haben auf der »Mitfahrerbank« Richtung Rietberg Platz genommen – eine von zahlreichen Impressionen der beiden Kolping-Karnevals-Sitzungen bei Seppel Kreutzheide in der Festhalle.
Fabian »Fabse« Hartkamp (links) und Daniel »Tüt« Stüker haben auf der »Mitfahrerbank« Richtung Rietberg Platz genommen – eine von zahlreichen Impressionen der beiden Kolping-Karnevals-Sitzungen bei Seppel Kreutzheide in der Festhalle. Foto: Petra Blöß

Aber warum auch: 55 Jahre jecke Töne mit Herz, Frohsinn und guter Laune sowieso – die »Blauen« müssen sich im närrischen Treiben der sieben Stadtteile nicht verstecken. Ganz im Gegenteil. Was da das »Geburtstagskind« am Wochenende in zwei komplett ausverkauften Sitzungen in Seppels großer Festhalle abliefert, das ist (mal wieder)

erste Sahne.

Nicht nur, aber auch, weil das Kükendorf sich eine eigene Karnevalskultur erarbeitet hat, die zwar dem traditionellen närrischen Muster aus Sketchen, Tänzen, Reden und Parodien folgt, dabei aber irgendwie ganz anders ist als andernorts. Denn jeder kennt jeden, der da oben auf den Bühnenbrettern »den Horst gibt« (Isenborth). Und statt sekundengenauer Abläufe gibt es spontane Einlagen, die schlichtweg Akteure und Publikum überraschen.

Mit spontanen Einlagen

Wo sonst entern Mitglieder des Schützenthrons mitten im Vortrag das Podest, setzen dem Moderator überraschend mal den Klaren, mal den Süßen an den Hals? Wo sonst serviert der Mundschenk »mal eben« mitten im Sketch-Wortduell zwei Bier, zwei Korn für jeden Darsteller? Und wo sonst ist so viel Klamauk und Nonsens in allerbester Form an der Tagesordnung? Nein, das Kükendorf braucht keine hochpolitischen Reden. Da genügt auch schon einmal der vermeintliche Flirt-Augenaufschlag von Daniel »Tüt« Stüker, und das Narrenvolk kugelt sich.

Es sind so wunderbare Wortklaubereien, die Stüker und Fabian »Fabse« Hartkamp auf der »Mitfahrerbank« servieren, Isenborth tut es ihnen im eigenen Sketch mit Christopher Kleibaumhüter und Thomas Brüggemann nach, um im Ortsbild zu bleiben: Zum Gackern! Da gibt es Lokalkolorit auf eigene Weise, immer dann, wenn gegen die Rietberger abgeledert wird. Das City-Outlet in der Altstadt mit Leben füllen? Wes­terwieher wissen, wie das geht: Mit einem Brennholzverleih, denn das ist innovativ und die Kunden kommen immer wieder.

Die Tanzgruppen wissen mitzureißen

Nachwuchsflaute wie bei der GKGR-Prinzengarde? Kennen die wieder einmal großartigen Beach Boys nicht. Da muss sogar ein »WSDBB-Casting« her, mit Bewerbern wie »Kanister-Karsten aus Westenholz«. Es gibt »Pitsch« statt »Potsch«, und wenn es am Auftritt dieser Truppe etwas zu kritisieren gibt, dann nur eines: Die »Brings von Westerwiehe« haben eine Zugabe verweigert. Sehr ärgerlich!

Die Redner aus dem Hühnerdorf, Ralf Gnüchwitz-Holtkamp als »Ährwin« oder Dirk Bunger als »Ackie, der Camper«, die Sketchpartner wie das versierte Duo Markus Diekotto und Klaus Hesse, Norbert »Stelte« Steltenkamp als singender Comedian, sie alle sind zu immer wieder gern gesehenen Kunstfiguren geworden. So wie viele andere auch, denen zum 55-Jährigen ein Forum gegeben wird. Mitbegründer, langjährige Akteure, sie einen sich zum von Mark Buschsieweke, selbst als »Viereck« schon Legende, moderierten »Revival«, allen voran »Pingo« Christian Lefeld, Urgestein des Westerwieher Karnevals. Und da gibt es die Tanzgruppen, die Gardeküken und -teenies, Fascination, die Beach Boys, Art of Act, die allesamt mit tollen Choreographien, reichlich Rhythmusgefühl und feinen Showelementen mitzureißen wissen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.