Freche Sprüche beim Neujahrskonzert und Sunder in Spendierlaune Lustige Weiber für Amerika

Rietberg (WB). Es gibt viele gute Gründe, zum Neujahrskonzert der Stadt Rietberg zu gehen: die schöne Musik, die Begegnung mit vielen Menschen, außerdem sind die Getränke und die Schnittchen frei. Ein Besucher aus Lübbecke kommt aber aus einem ganz anderen Antrieb: Er findet die Neujahrsansprache des Bürgermeisters immer so gut.

Von Stefan Lind
Die Nordwestdeutsche Philharmonie bietet beim Rietberger Neujahrskonzert kein steifes Klassik-Konzert, sondern einen musikalischen Abend, an dem alle Beteiligten, Künstler wie Publikum, eine Menge Spaß haben.
Die Nordwestdeutsche Philharmonie bietet beim Rietberger Neujahrskonzert kein steifes Klassik-Konzert, sondern einen musikalischen Abend, an dem alle Beteiligten, Künstler wie Publikum, eine Menge Spaß haben. Foto: Stefan Lind

Das verrät Andreas Sunder zu Beginn der wie immer seit Wochen ausverkauften Veranstaltung in der Cultura. Und verspricht augenzwinkernd gleich eine Belohnung für so viel Lob: »Eine Flasche Sekt und einen Teller Schnittchen für den Herrn.« Na, wenn der Bürgermeister da mal im kommenden Jahr nicht ganz viele Komplimente zu hören bekommt.

Nordwestdeutsche Philharmonie zum 23. Mal zu Gast

Es sei das mittlerweile 30. Neujahrskonzert, rechnet Sunder vor, zum 23. Mal schon sei die Nordwestdeutsche Philharmonie zu Gast. Ansonsten nutzt der erste Bürger der Stadt die Gelegenheit, in seiner Rede auf aktuelle politische Themen einzugehen (siehe separaten Artikel).

Dirigent Johannes Klumpp sorgt für Unterhaltung

Dann aber kann die Show beginnen, und der Begriff ist mit Bedacht gewählt. Das ist kein steifes Klassik-Konzert, sondern ein musikalischer Abend, an dem alle Beteiligten, Künstler wie Publikum, eine Menge Spaß haben wollen. Und das gelingt durchgehend. Hohen Anteil daran hat Dirigent Johannes Klumpp, nach 2014 und 2016 zum dritten Mal in Rietberg zu Gast, der in seiner Moderation Charme und freche Sprüche großartig mischt. Ein Beispiel: Otto Nicolais Operette »Die lustigen Weiber von Windsor« drehe sich um die Rache von Frauen an machoiden Männern: »Manchmal würde man Amerika ein paar davon wünschen«.

Bariton Sebastian Seitz ist ein wahrer Wirbelwind

Ein wahrer Wirbelwind auf der Bühne ist Bariton Sebastian Seitz, der vielleicht stimmlich etwas begrenzt ist, das aber durch seine schauspielerischen Einsatz mehr als wett macht. Er schreckt nicht davor zurück, den Dirigenten mit einem Staubwedel zu traktieren und taucht bei der Zugabe als Hausmeister im grauen Kittel samt Besen auf, der das Publikum aus dem Rundtheater scheuchen möchte.

Radetzymarsch zum Abschluss

Bis zum Abschluss – natürlich standesgemäß mit dem Radetzymarsch – sind zwei ausgesprochen kurzweilige Stunden vergangen, denn das Repertoire von Johann Strauß und Franz von Suppé bis zu Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart hat so manche bekannte Melodie zu bieten, zu der man sich ganz ungeniert auch mal im Walzerrhythmus auf seinem Stuhl hin und her wiegen darf. Der Beifall will schließlich kein Ende nehmen, so begeistert ist man im weiten Rund, und eins ist jetzt schon klar: Nächstes Jahr ist es bestimmt wieder ausverkauft.

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