Bänder stehen bis Ende 2019 still – IG Metall handelt Abfindungen und millionenschweren Sozialplan aus Lear schließt Werk in Rietberg

Rietberg (WB). Die amerikanische Lear-Corporation gibt ihr Werk in Rietberg auf. Die zehn Produktionslinien werden bis Ende 2019 nach Osteuropa verlagert. Für die davon betroffenen 386 Beschäftigten und gut 100 Leiharbeiter hat die IG Metall Abfindungen und einen Sozialplan ausgehandelt.

Von Petra Blöß
Gewerkschaftssekretär Hans-Werner Heißmann-Gladow, Bevollmächtigte  Beate Kautzmann und Rechtsberater Reinhold Tönjes (von links)  haben Abfindungen und einen Sozialplan vereinbart.
Gewerkschaftssekretär Hans-Werner Heißmann-Gladow, Bevollmächtigte Beate Kautzmann und Rechtsberater Reinhold Tönjes (von links) haben Abfindungen und einen Sozialplan vereinbart. Foto: Petra Blöß

Nach monatelangen Auseinandersetzungen haben die IG Metall und die Firmenleitung der Lear-Gruppe einen Sozialtarifvertrag ausgehandelt. Demzufolge wird Lear nach und nach Produktionslinien für die Herstellung von Grundgerüsten für Autositze namhafter Fahrzeughersteller in Richtung Osten verlagern und die Arbeitsplätze in der Emskommune wegfallen lassen. In Polen und der Slowakei soll künftig vom Band laufen, was bisher teils jahrzehntelang in Neuenkirchen hergestellt wurde. Spätestens Ende 2019 könnte der Standort Rietberg ganz geschlossen sein.

Mit der Form des jetzt ausgehandelten Sozialtarifvertrages hat die IG Metall eigenen Angaben zufolge »Neuland betreten«. Ein 24-stündiger Warnstreik habe im September seine Wirkung nicht verfehlt. »Das hat die entscheidende Bewegung in unsere Verhandlungen gebracht«, sagt Gewerkschaftssekretär Hans-Werner Heißmann-Gladow.

Für die Auflösung der rund zehn Produktionslinien in Neuenkirchen müsse die amerikanische Konzernleitung tief in die Tasche greifen. Die ausgehandelte Abfindung berechne sich aus einem Zwölftel des Jahreseinkommens und den jeweiligen Beschäftigungsjahren im Unternehmen. Rechtsberater Reinhold Tönjes: »Damit werden auch die Sonderzahlungen wie zusätzliches Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld berücksichtigt. Für die Kinder der Beschäftigten und für Schwerbehinderte sind besondere Zusatzbeiträge vereinbart worden«.

Besondere Regelungen gelten für Arbeitnehmer, die zum Ende ihrer Zeit bei Lear 60 Jahre oder älter sind. Für eine Transfergesellschaft, die ausscheidenden Mitarbeitern eine Verbesserung ihrer Vermittlungsaussicht bringen soll, stellt das Unternehmen 5,3 Millionen Euro zur Verfügung. Gewerkschaftsmitglieder erhielten ebenfalls einen Zuschlag, hier stelle das Unternehmen zwei Millionen Euro bereit.

Damit der Produktionsfluss bis zum Ende der Verlagerung nicht durch zu starke Abwanderung gefährdet wird, soll jeder Arbeitnehmer im letzten Jahr seiner Beschäftigung eine zusätzliche Anwesenheitsprämie erhalten – vor allem die Stammkräfte sollen auf diese Weise bis zum Schluss gehalten werden. Wer dennoch schnell einen anderen Job findet oder wer vorzeitig eine Kündigung erhält, für den gibt es eine Schlichtungskommission mit einem unabhängigen Vorsitzenden.

Kommentare

Lear

Hallo,
Gut das die Gewerkschaft hier etwas für die Arbeitnehmer rausgeholt hat.
Für mich stellt sich nur die Frage um wieviel Millionen es hier geht.
Denn wenn sich die Produktion in Osteuropa lohnen soll,muss dort ja ein sehr niedriges Einkommen herrschen.
Nach der Qualität der Produkte wird wohl kaum jemand fragen.

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