Lippstädter Immobilien-Unternehmen hat das Anwesen am Westerwieher Rapsweg erworben »Gruselhaus« für 105 000 Euro versteigert

Kreis Gütersloh (WB). Seit Freitagmorgen, 8.48 Uhr, hat das sogenannte »Betonleichen«-Haus am Rapsweg in Rietberg-Westerwiehe einen neuen Besitzer: Rechtspfleger Rolf Kissenbeck, der im Amtsgericht Rheda-Wiedenbrück die Zwangsversteigerung leitete, erteilte der Lippstädter Immobilienfirma »Deutsche Haus- und Grundinvest GmbH« den Zuschlag.

Von Uwe Caspar
Das »Gruselhaus« am Westerwieher Rapsweg. Es ist am Freitagmorgen für 105 000 Euro zwangsversteigert worden.
Das »Gruselhaus« am Westerwieher Rapsweg. Es ist am Freitagmorgen für 105 000 Euro zwangsversteigert worden. Foto: Wolfgang Wotke

Für 105 000 Euro ersteigerte das durch seinen Mitarbeiter Dirk Ludwig vertretene Lippstädter Unternehmen die Immobilie, die auf einem 908 Quadratmeter großen Erbpacht-Grundstück steht (das Erbbaurecht gehört der Stadt und gilt bis 2071). Dieser Preis liegt deutlich unter dem zuvor taxierten Verkehrwert von 141 000 Euro. »Ich kann noch nicht sagen, was unsere Firma mit dem Haus vorhat«, lässt es Ludwig offen, ob das 1975 gebaute Objekt vermietet, weiterverkauft oder vielleicht sogar abgerissen wird.

Mitgeboten hatte auch ein 70-jähriger Kaufmann aus Sachsen. »Meine Lebensgefährtin wohnt in Gütersloh. Ich möchte mich in dieser Gegend niederlassen, damit ich es nicht mehr so weit zu meinen Kindern habe, die im Rheinland leben. Dann müsste ich nur noch 200 statt 700 Kilometer zu ihnen fahren«, erzählte der Mann. Seine Lebensgefährtin indes soll nicht so begeistert gewesen sein, das Westerwieher Fertighaus im Landhausstil zu erwerben – sie habe deshalb einige »schlaflose Nächte« verbracht.

 Zur Erinnerung: In dem jetzt versteigerten Haus am Rapsweg hatte im Dezember 2012 der inzwischen wegen Totschlags verurteilte Peter K. seine Frau erstickt und ihre Leiche im Garagenboden einbetoniert. »Hätte ich den Zuschlag bekommen, hätten wir das Gruselhaus umbauen lassen, um den bösen Geist zu vertreiben«, fügte der Rentner mit schwarzem Humor an. Nach dem ersten Gebot der Lippstädter Immobilienfirma – 58 500 Euro – hatte der 70-Jährige seine Offerte gleich auf 100 000 Euro erhöht. Bei 105 000 Euro stieg er dann aus, worüber sich zumindest seine Lebensgefährtin gefreut haben dürfte.

Eingie Plätze im Saal blieben leer

Dass Freitagmorgen einige Plätze unbesetzt blieben, darüber wunderte sich auch das Aufsichtspersonal. »Wir hatten mit weitaus mehr Besuchern gerechnet. Schließlich war das keine gewöhnliche Versteigerung«, sagte eine Justizbeamtin. Es gab aber einen Überraschungsgast: Ein ehemaliger Mithäftling von Peter K, der im Mai dieses Jahres angeblich im Auftrag von K. eine Haushaltsauflösung des Westerwieher Anwesens durchgeführt hatte, saß unter den Zuschauern. Mitbieten wollte er natürlich nicht – er wartete auch nicht den Ausgang der Versteigerung ab: Schon vor dem ersten Gebot war der Mann wegen »privaten Terminen« plötzlich verschwunden.

Neben Zwangsverwalterin Nicola Dörk und Nachlassverwalter Norbert Freitag verfolgten auch zwei Vertreter des Hauptgläubigers »Münchner Hypothekenbank« die Versteigerung: Renate Winter und Rolf Stumpenhagen. Wie viel Geld die Bank noch zu bekommen hat, wollte Renate Winter nicht verraten: »Das gehört zu den Betriebsgeheimnissen!« Als Grundschuld eingetragen sind für das veräußerte Westerwieher Haus« 127 000 Euro. »Die Forderung könnte aber wesentlich niedriger ausfallen«, verwies Rolf Kissenbeck auf mögliche erfolgte Ratenzahlungen.

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