20 sehbehinderte Jugendliche treffen sich seit 20 Jahren im Kloster in Wiedenbrück Malen und Musik statt Meer

Rheda-Wiedenbrück (WB). Christian (13) malt gerne und so fühlt er sich im Künstlerhaus Repke sofort pudelwohl. Er malt sein Traumauto – einen modernen Schlitten ohne Namen. Christian ist einer von 20 Teilnehmern zwischen zehn und 17 Jahren, die am Wochenende beim Bundestreffen der Segelgruppe für Kinder mit Sehbehinderung in Wiedenbrück dabei waren.

Von Waltraud Leskovsek
Lina Hollenholz, Enya Lange, Cora Bergerund Christian Blümel (von links) profitieren vom Bund zur Förderung Sehbehinderter. Sie waren zu Gast im Künstlerhaus Repke und malten eifrig darauf los. Zu Musik konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
Lina Hollenholz, Enya Lange, Cora Bergerund Christian Blümel (von links) profitieren vom Bund zur Förderung Sehbehinderter. Sie waren zu Gast im Künstlerhaus Repke und malten eifrig darauf los. Zu Musik konnten sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Foto: Leskovsek

Seit 40 Jahren gibt es das Segelprojekt. Und zum 20. Mal konnten die Jugendlichen mit ihren Betreuern im Jugendgästehaus des Franziskanerklosters wohnen. Das empfinden alle als sehr wertvoll, weil sie das Haus für sich haben und sich besser kennenlernen können. Das Jahr über treffen sie sich sonst nur zur Segelwoche in den Sommerferien.

Der Rheda-Wiedenbrücker Willi Repke, Sonderpädagoge für Schüler mit Sehbehinderung, organisiert das Programm vor Ort. Im historischen Rathaus wurden sie von Bürgermeister Theo Mettenborg empfangen. Abends gab es eine Fotoschau mit Bildern vom letzten Segelurlaub und viel Zeit für Unterhaltungen. Am Samstag waren die Kinder entweder zu Gast im Künstlerhaus Repke, um zu malen oder mit Glas zu arbeiten oder auf dem Nölkenweg Richtung St. Vit zum Bosseln.

Nachmittags zeigte der Kantor von St. Aegidius, Jürgen Wüste- feld, den Besuchern die große Kirchenorgel und ließ die Pfeifen mal so richtig dröhnen. Im Hallenbad konnten sich die Segler bei Schwimmspielen austoben, bevor abends eine Party stieg.

Sonntag stand Sport in der Turnhalle des Ratsgymnasiums auf dem Programm, bevor die Gruppe durch den Park der Flora Westfalica ins Hotel »Königs« zum Brunch ging.

Das Treffen wird jährlich organisiert vom Bund zur Förderung Sehbehinderter (BFS). 1962 gründeten Eltern betroffener Kinder an der Sehbehindertenschule in Duisburg den Verein, der die unbefriedigende Situation im Sehbehinderten-Bildungswesen bekämpft. Der BSF ist heute eine bundesweit tätige Selbsthilfeorganisation. Er hat die Aufgaben und Ziele zur Frühförderung, Information der Eltern, hilft bei der Entwicklung des Schul- und Ausbildungswesens durch Mitwirkung in übergeordneten Fachbereichskreisen und Beiräten, hilft bei Behördengängen und bei vielen anderen kleinen und großen Problemen im Alltag, die Menschen mit einer beeinträchtigten Sehkraft erleben.

Der Segelkurs auf dem Tegeler See in Berlin ist eines der vielen Projekte. Dort können die Teilnehmer eine Woche lang unter Anleitung Segeln, im Schülerbootshaus direkt am See wohnen, Baden und Spaß haben. Den Kids stehen dort 15 Segel- und fünf Motorboote zur Verfügung.

Willi Repke betonte bei seiner Ansprache im historischen Rathaus, dass sie als Betreuer viel mehr sein als Lehrer, Segelausbilder oder Begleiter. »Wir sind regelrechte Alltagskümmerer für die Kinder, die bei uns immer ein offenes Ohr für das finden, was sie bedrückt«, betonte er. In den vergangenen 20 Jahren waren mehr als 500 Kinder und Jugendliche mit Sehbehinderung in Rheda-Wiedenbrück zu Gast.

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