»Falscher Gärtner« aus Rietberg soll seine Kunden betrogen haben »Ich war auf Drogen«

Rheda-Wiedenbrück/Rietberg (WB). »Das hier muss ein Zivilprozess sein, kein Strafprozess. Man hat mich erpresst«, wettert der 48-jährige Angeklagte im Amtsgericht Wiedenbrück. Der Mann muss sich wegen gewerbsmäßigen Betruges in vier Fällen verantworten. Das Urteil: ein Jahr Gefängnis, ohne Bewährung.

Von Wolfgang Wotke
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Symbolbild Foto: dpa

Seine Arbeitskraft als Gärtner hatte er von Rietberg aus immer wieder im Internet angeboten: Planung, Bauanträge und Ausführung – alles aus einer Hand. Von seinen Kunden soll er Baranzahlungen kassiert haben, um davon Arbeitsmaterial zu kaufen. Doch dann soll der 48-Jährige sich nicht mehr gemeldet, die Aufträge kaum ausgeführt, Arbeitsmaterialien nur teilweise beglichen haben. Gesamtschaden: 30.000 Euro.

Ständig unterbricht der Angeklagte den Richter

Am Donnerstag erklärte der Beschuldigte zu Prozessbeginn, dass er zu unrecht auf der Anklagebank sitze. »Einmal habe ich für 5000 Euro Klinkerpflaster bestellt, doch man hat mir einfach für knapp 8000 Euro Material auf den Hof gestellt. Das habe ich nicht akzeptiert. Wie sollte ich das meinem Kunden erklären?«, schimpfte der Angeklagte, dessen Strafakte drei laufende Bewährungen wegen ähnlicher Delikte aufweist. Immer wieder präsentierte er dem Vorsitzenden Richter Thomas Schröder Ausreden, versuchte diese mit zahlreichen Kopie-Quittungen als auch Ausdrucken angeblicher Korrespondenz mit seinen Kunden zu untermauern.

Ständig kommentierte er die Fragen des Vorsitzenden und der Staatsanwältin, so dass selbst seinem Verteidiger, Dr. Detlev Binder, der Kragen platzte: »Hören Sie endlich auf, dem Gericht hier in die Parade zu fahren. Das ist unerträglich.« Richter Thomas Schröder sprach von »Geisterdiskussionen« mit ihm und ermahnte ihn schließlich, inklusive Androhung eines Ordnungsgeldes: »Wenn das hier so weiter geht, dann ist das hier die letzte Ausfahrt auf der Autobahn für Sie.«

Am Ende räumt er die Vorwürfe ein

Am Ende räumte der 48-jährige Gärtner ein, der Vater von vier Kindern ist und seinen Wohnort inzwischen ins hessische Diemelstadt verlegt hat, Geld unterschlagen zu haben. »Die Vorwürfe stimmen. Ich war auf Drogen«, gestand er. Richter Schröder hatte seine Taktik von Anfang an durchschaut und ließ sich nicht in die Irre führen. Die vier Geschädigten wollen jetzt noch einen Zivilprozess anstreben, um wenigstens einen Teil ihres Gelds zurückzubekommen. Im November musste er sich wegen eines ähnlichen Falls vor dem Detmolder Amtsgericht verantworten. Doch dort wurde er freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch in weiteren 40 Betrugsverfahren gegen ihn.

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