Überraschende Kampfabstimmung um frei gewordenen Listenplatz – neuer Bewerber kritisiert Bezirksspitze FDP kommt nicht zur Ruhe

Rheda-Wiedenbrück/Kalletal (WB). Die Auswirkungen der Panne bei der Aufstellung der FDP-Landesliste zur Landtagswahl erhält eine neue Wendung: Bei der Neubesetzung des aussichtsreichen Listenplatzes 17 für die anstehende Bundestagswahl wird es unerwartet zu einer Kampfabstimmung kommen. Philip Winkler (28) aus Rheda-Wiedenbrück tritt gegen Christian Sauter (37) aus Extertal an.

Von Bernd Bexte
Christian Sauter will in den Bundestag.
Christian Sauter will in den Bundestag.

Sauter, der wegen einer Verwechslung der Listenplätze 24 und 48 nicht in den Landtag eingezogen war und Martina Hannen Platz machten musste, soll, wie berichtet, nach dem überwältigenden Votum von FDP-Bezirksvorstand und Kreisverband Lippe Platz 17 der FDP-Landesliste übernehmen.

Zunächst hatte FDP-Mann Markus Schiek diesen Platz inne. Er hat aber seine Kandidatur wegen Kinderporno-Ermittlungen zurückgezogen. Jetzt hat überraschend Philip Winkler, Vorsitzender der FDP in Rheda-Wiedenbrück, angekündigt, bei der Landeswahlversammlung am Samstag in Essen ebenfalls für Platz 17 kandidieren zu wollen. Bislang stand er auf Platz 57, dem letzten Platz der Landesliste.

Zeichen setzen für den politischen Dialog

Philip Winkler überrascht mit der Gegenkandidatur.

Woher der Sinneswandel? »In den letzten Tagen wurde ich dazu von vielen Menschen bestärkt. Ich möchte mit dieser Kandidatur eine reelle Chance nutzen, um unsere Region bald in Berlin vertreten zu dürfen«, erklärt er gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Winkler spart nicht mit Kritik an der eigenen Partei: Politik sei nicht immer ein schönes Geschäft, »das durfte ich in den letzten Wochen selbst erfahren«, sagt er mit Blick auf die innerparteiliche Diskussion um die Folgen der Listenpanne bei der Landtagswahl.

Mit seiner Kandidatur setze er sich für die innerparteiliche Demokratie ein, die »nach außen so hoch gelobt wird«. Er wolle ein Zeichen setzen für den politischen Dialog, »möchte weniger Getuschel oder Absprachen hinter verschlossenen Türen«. Das sei auch eine Frage der Glaubwürdigkeit. »Wenn nur ein Kandidat am Samstag gewünscht ist, warum wählen wir dann überhaupt?«, fragt Winkler. Es dürfe auch nicht sein, »dass Parteikollegen mich gar beleidigen und von einer Kandidatur abbringen möchten«.

Kandidatur von Bezirksspitze verschwiegen

Es sei bedauerlich, »dass der Bezirksvorstand nur Christian Sauter einstimmig wählen konnte«. Seine Kandidatur sei von der Bezirksspitze verschwiegen worden. Viele in der FDP teilten seine Auffassung und würden ihn am Samstag unterstützen. »Ich freue mich auf den Wettbewerb und wünsche Christian Sauter ebenfalls viel Erfolg.«

Der FDP-Bezirksvorstand hatte Sauter einstimmig als Kandidat für die Neubesetzung des Listenplatzes 17 nominiert – auch mit Zustimmung des Kreisverbandes Gütersloh, dem Winklers Stadtverband angehört. Parteiintern wird Winkler deshalb kaum eine Chance gegen Sauter eingeräumt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.