Jörg Terra geht Ende September in Pension Dieser Mann hat 27.000 Schülern den Straßenverkehr erklärt

Rheda-Wiedenbrück (WB). Wer seine Fahrradprüfung im Südwesten des Kreises Gütersloh absolviert hat, kennt ihn: Jörg Terra. Doch nach etwa 27.000 Prüflingen aus 27 Grundschulen ist Schluss, der Polizeihauptkommissar geht Ende September in Pension.

Von Jan Gruhn
Die Schüler der Postdammschule in Lintel sind eine der letzten Prüfungsklassen von Polizeihauptkommissar Jörg Terra (61).
Die Schüler der Postdammschule in Lintel sind eine der letzten Prüfungsklassen von Polizeihauptkommissar Jörg Terra (61). Foto: Jan Gruhn

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, als Jörg Terra am Montagmorgen eine seiner letzten Fahrradprüfungen an der Linteler Postdammschule abnimmt. Schließlich sind die Viertklässler, die ihren Fahrrad-Führerschein machen, ganz anders als die übliche Kundschaft der Ordnungshüter. »Als Polizist ist man hier willkommen«, freut sich Terra immer noch über den Wissensdurst der Schüler, wenn es um den Straßenverkehr geht.

Die Schüler sind in der Theorie deutlich schlechter als früher

Aber nach 24 Jahren in der Verkehrssicherheitsarbeit hat der scheidende 61-Jährige auch Veränderungen beobachtet. Als er 1993 in diesen Arbeitsbereich wechselte, waren es noch knapp die Hälfte der Schüler, die den theoretischen Prüfungsteil fehlerfrei bewältigten. Heute seien es deutlich weniger.

Die Kinder könnten sich nicht mehr so lange konzentrieren. Das mache sich auch bei der Fahrt auf dem Rad – dem praktische Prüfungsteil – bemerkbar. Hinzu kämen motorische Schwächen. »Einige können nicht mehr einhändig fahren«, sagt Terra. Da wird das Abbiegen mit Handzeichen schnell zum gefährlichen Manöver.

Grund sei, dass viele Eltern ihre Sprösslinge zum Beispiel schon zur Schule fahren, wenn »es zwei Regentropfen gibt.« Generell vermisse er die Unterstützung der Eltern in der Verkehrserziehung.

Sogar die heutigen Lehrer haben beim ihm die Prüfung abgelegt

Doch gerade im ländlichen Raum ist das Fahrrad immer noch sehr wichtig für die eigene Mobilität. Und Jörg Terra hat dafür gesorgt, dass Generationen von Grundschülern aus Rheda-Wiedenbrück, Harsewinkel, Marienfeld, Herzebrock-Clarholz oder Rietberg sicher zur Schule radeln können.

Mittlerweile stünden sogar Lehrer im Dienst, die selbst ihre Radprüfung beim gebürtigen Pinneberger absolviert hätten, erzählt Terra. Aber nicht nur den Nachwuchs hat der leidenschaftliche Verkehrs-Pädagoge geschult. Auch Senioren haben bei ihm gelernt, sich sicher auf zwei oder vier Rädern durch den Kreis Gütersloh zu bewegen.

Der Neue heißt Alexander Hüske

Doch Ende September, mit dem 62. Geburtstag, gibt Terra die Polizeikelle weiter. Alexander Hüske (42) übernimmt. 22 Grundschulen wird der Polizeioberkommissar betreuen, hinzu kommen Verkehrsprojekte für junge Erwachsene – aber natürlich auch für Senioren.

»Dann komme ich zu den Seminaren, ich bin ja dann auch einer«, meint Jörg Terra und zwinkert seinem Kollegen zu. »Und ich stelle ständig Zwischenfragen.« Schließlich weiß er, worauf es ankommt – nämlich nicht nur auf den Helm auf dem Kopf.

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