Jürgen von der Lippe unterhält mehr als 600 Fans im Reethus Ein fulminantes Vergnügen

Rheda-Wiedenbrück (WB). Von solchen Zahlen können Heerscharen von Autoren nur träumen. Weit über 600 Zuhörer bei einer Lesung sind ein Quote, die allenfalls Prominente erreichen, wenn sie ihr erstes oder neuestes Werk präsentieren. Jürgen von der Lippe zählt zu dieser elitären Riege. Der Komiker blickte am Samstagabend im Reethus auf weit über 600 Fans.

Von Tim Bergheim
Viel Zeit nimmt sich Jürgen von der Lippe, um die Bücher seiner Fans zu signieren. Es herrscht großer Andrang.
Viel Zeit nimmt sich Jürgen von der Lippe, um die Bücher seiner Fans zu signieren. Es herrscht großer Andrang. Foto: Tim Bergheim

Sie erlebten zwei extrem unterhaltsame Stunden – über 120 Minuten Spaß und Schenkelklopfen, aber auch hintersinniger Humor.

Eine Autorenlesung war offiziell angekündigt. Von der Lippe werde aus seinem aktuellen Bestseller »Der König der Tiere« lesen. »Spiegel-Liste Platz sechs, aber bei den Hörbüchern auf eins«, so der stolze Autor. Wobei über weite Strecken der ersten Hälfte wenig zusammenhängende Texte erkennbar waren, die aus dem Buch stammten. Da hangelte sich der Komiker von Witz zu Witz, freilich – wie von ihm gewohnt – stets mit perfekten Überleitungen und witzigen Querverweisen. Da lief er zu Höchstform auf, der nach wie vor begnadete Witze-Erzähler. Dem selbst die größten Zoten mit einer unnachahmlichen Lässigkeit, ja geradezu Selbstverständlichkeit, über die Lippen kommen. So dass alles, was sich unterhalb der Gürtellinie abspielt, weit jenseits von absolut peinlich bleibt.

Über das Liebeswerben der Buschmänner in Namibia

Und an diesem Abend spielt sich einiges unterhalb dieser Gürtellinie ab. Etwa, als von der Lippe über den Partnertausch zweier Erdenmenschen mit soeben gelandeten grünen Marsianern fabuliert. Oder von »Brustvergrößerungen durch bloßes Handauflegen«. Gern hängt der Komiker solchen Zoten auch ein kleines Bildungs-Mäntelchen um, etwa wenn es um das Liebeswerben der Buschmänner in Namibia geht.

Auch in Sachen Tagesaktualität kann von der Lippe »versaut«. Stellt sich vor, wie froh Bill Clinton ist, dass seine Hillary nicht ins Weiße Haus eingezogen ist. Weil dann weibliche Rache süß gewesen wäre. Und die Reihe der Praktikanten, die da im Oval Office vernascht worden wären, lang gewesen wäre. Dass von der Lippe in diesem Zusammenhang von Spinnweben redet, »die dabei mal wieder weggefegt würden«, lässt einigen Wenigen im Saal das Lachen aber dann doch ein wenig gefrieren.

Jürgen von der Lippe ist jedenfalls in seinem Element, lacht sich selbst über all die Witze und Witzeleien kaputt, die er da raushaut. Und prustet förmlich vor Spaß, als er sich daran erinnert, wie er einst Freunden eine selbst angerührte scharfe Wasabi-Paste als »leckere Avocado-Creme« verkaufte.

Jedes Tier bekommt seine eigene Stimme

Und dann wird der Abend doch noch zur erkennbaren Lesung. Ein zusammenhängender Text ist dabei dem angehenden Fußball-Profi gewidmet, dessen Manko Hodenkrebs dann schnell wieder unter den Gürtel verweist. Absolut zotenfrei bleibt der absolute Höhepunkt des Abends: Die Titelgeschichte des Buches bietet nicht nur den längsten zusammenhängenden Text. Sie bietet auch einen von der Lippe, der hier alle Register der Stimm-Imitation zieht. Als reiche es nicht schon allein, dass der Autor jedem der Tiere, die sich um das Amt des Königs bewerben, ein ureigenes Profil verleiht, so bekommt auch jeder Bewerber seine typische Stimme. Für von der Lippe selbst ein sichtlicher Spaß, für seine Zuhörer ein fulminantes Vergnügen.

Dass der 68-Jährige auch seriös kann, hat er in diversen TV-Dokus bewiesen. An diesem Abend zeigt er diese seiner Seiten in längeren Exkursen über sein Lieblingsthema Fremdwörter. Oder bei dem Abstecher zu Benimm-Regeln früher und heute. Alles im Kern ernsthaft. Aber bei von der Lippe ist auch das mit einer ihm eigenen Prise Humor gewürzt.

Sein Publikum dankt ihm das Vergnügen mit heftigem Applaus. Und noch mehr mit prägnanten Lachern, die der Komiker nur zu gern aufgreift: »So lachen doch Frauen aus Pflegeberufen...«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.