Maik Zeidler schließt sein Geschäft in der Innenstadt und wechselt komplett ins Linteler Studio Ein Fotograf zieht aus

Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein Stück Innenstadtgeschichte geht zu Ende: Foto Zeidler verlässt das Ladenlokal an der Langen Straße 49. Am Samstag schließt Inhaber Maik Zeidler die Türen des Geschäfts, das er von seinem Vater übernommen hat, zum letzten Mal.

Von Jan Gruhn
»Ein Handwerker«, wie er selbst sagt, mit seinem Werkzeug: Foto-Fachmann Maik Zeidler schließt sein Geschäft in der Innenstadt und zieht mit seinen Mitarbeitern vollständig um ins Fotostudio in Lintel.
»Ein Handwerker«, wie er selbst sagt, mit seinem Werkzeug: Foto-Fachmann Maik Zeidler schließt sein Geschäft in der Innenstadt und zieht mit seinen Mitarbeitern vollständig um ins Fotostudio in Lintel. Foto: Jan Gruhn

Maik Zeidler sitzt am Tisch in seinem Fotostudio, das sich an das Ladenlokal an der Langen Straße anschließt, und spricht über seine Entscheidung, das Geschäft in der Innenstadt aufzugeben. Doch plötzlich steht eine ältere Dame im Laden, schaut sich um und sucht nach einem Mitarbeiter.

Der Fotograf bricht mitten im Satz ab, springt an die Theke und begrüßt die Kundin mit dem Charme eines Kaufmanns, der seinen Job liebt. »Natürlich tut mir das leid für Wiedenbrück«, erklärt der 57-Jährige. Die Entscheidung sei auch nicht einfach gewesen. Aber sie steht fest: Nach 65 Jahren verlässt Zeidler die Innenstadt und zieht vollständig in das Fotostudio in Lintel, Nickelstraße 9.

Zeidler verzichtet auf Laufkundschaft

»Damit verzichte ich zwar auf Laufkundschaft«, weiß der Mann, dessen Arbeiten in vielen Pässen, Ausweisen und Bewerbungen der Rheda-Wiedenbrücker zu sehen sind. »Aber wir machen ja weiterhin Passbilder und Bewerbungsfotos.« Im Linteler Studio, in dem er seit 25 Jahren unter anderem auch Industrie- und Werbefotos schießt, sei schlicht mehr Platz.

Sein Vater Hans, der im vergangenen Jahr starb, hat das Geschäft aufgebaut. Der erste Laden befand sich noch an der Langen Straße 90. »Er hätte Verständnis dafür gehabt«, sagt Sohn Maik. Online-Shopping hat den Markt für Einzelhändler massiv verkleinert, die Gewinnmargen seien zu klein geworden, erklärt Zeidler.

So sah das Fotogeschäft früher aus. Foto: Foto Zeidler

Und der Beruf des Fotografen? »Das war immer mein Ziel.«Aber heute würde er niemandem raten, dieses Fach zu ergreifen. Zu gering ist die Chance, davon leben zu können. Fotografie ist Kunst – und davon kann man nur leben, wenn man sehr gut ist. Künstler will Zeidler aber nicht genannt werden. »Ich bin ein Handwerker.« Schon mit Mitte 20 legte er seinen Meister ab. Auf der Suche nach einem Nachfolger der dritten Generation ist der Umzügler nicht. »Ich will irgendwann sagen: So, das war’s!« Seine beiden Söhne, 20 und 23 Jahre alt, machen ohnehin etwas anderes: Der eine ist Kfz-Mechatroniker, der andere studiert Logistik.

Auch wenn das Internet Zeidlers kaufmännische Arbeit erschwert: Die fotografischen Möglichkeiten der Sozialen Medien faszinieren den Foto-Fachmann. »Das ist Wahnsinn, was es dort für Möglichkeiten gibt«, sagt er über Instagram und Co., wo zigfach einfache Handyfotos digital zu wahren Kunstwerken stilisiert werden können.

Die erste digitale Kamera im Studio kostete 50.000

Als die analogen Kameras mehr und mehr von digitalen Nachfolgern abgelöst wurden, habe er seinen Kunden geraten, erst einmal bei den alten Systemen zu bleiben. »Das war ein Fehler«, schmunzelt er heute, allerdings steckten die ersten Digitalkameras auch voller Kinderkrankheiten. Das erste digitale Gerät in seinem Fotostudio kostete damals stattliche 50.000 Mark, jede Farbe musste da noch einzeln fotografiert werden. Heute geht das im Studio in Lintel alles viel schneller und einfacher.

Zeidlers neueste Leidenschaft sind übrigens die sogenannten Systemkameras. »Die sind so schnell und so leistungsstark«, schwärmt er. Und im Gegensatz zu den größeren Spiegelreflex-Geräten auch deutlich leiser. Trotzdem hat er immer noch ein Herz für die guten, alten Rollfilme. Etwa zehn Stück davon bringen ihm Kunden in der Woche noch vorbei. Von Herbst an will der 57-Jährige auch Kurse für analoges Fotografieren anbieten. »Damit die Leute wieder ein Gefühl für das Bild bekommen.«

Ganz im Gegensatz dazu steht der neueste Service des Fachhändlers: Mit einer Smartphone-App können Kunden Bilder aus dem Urlaub in die Filiale schicken. Wenn sie wieder zurück in der Heimat sind, liegen sie abholbereit bei Maik Zeidler auf der Theke – aber nicht mehr im Geschäft an der Langen Straße 49.

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