Johanna Schlüter aus Rheda-Wiedenbrück rettet Frau aus brenzliger Situation – Fall morgen im Fernsehen 19-Jährige für XY-Preis nominiert

Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein kräftiger Mann und eine zierliche Frau streiten sich lautstark auf einem Gehweg in Rheda-Wiedenbrück. Er bedroht sie und fordert Geld. Die Gymnasiastin Johanna Schlüter schaut nicht weg. Sie erkennt sofort die brenzlige Situation und schreitet mutig ein. Der Täter flieht und wird später festgenommen. Jetzt ist die 19-Jährige für den »XY-Preis« nominiert worden.

Von Wolfgang Wotke
Für ihren mutigen Einsatz bei einem Überfall auf eine Frau ist die 19-jährige Johanna Schlüter aus Rheda-Wiedenbrück für den XY-Preis der ZDF-Serie »Aktenzeichen XY ungelöst« nominiert worden.
Für ihren mutigen Einsatz bei einem Überfall auf eine Frau ist die 19-jährige Johanna Schlüter aus Rheda-Wiedenbrück für den XY-Preis der ZDF-Serie »Aktenzeichen XY ungelöst« nominiert worden. Foto: Wolfgang Wotke

Die bescheidene Abiturientin wurde für den mit 10.000 Euro dotierten »XY-Preis 2015« für Zivilcourage vom Sender als dritter Kandidat auserkoren. Das ist nun ein Fall für Fernseh-Moderator ­Rudi Cerne. Die ZDF-Serie »Aktenzeichen XY ungelöst« zeigt ihren beherzten  Eingriff, der zur Festnahme des Täters  führte, am Mittwoch, 15. Juli, um 20.15 Uhr in einem dreiminütigen Filmbeitrag. Übrigens: Die Sendung sehen durchschnittlich fünf Millionen Zuschauer.

Über diese Nachricht aus der Redaktion des ZDF in München war Johanna Schlüter zugleich überrascht und erfreut. Denn: Eigentlich mag sie den plötzlichen  Medienrummel  um ihre Person nach dieser Nominierung überhaupt nicht. »Aber es ehrt mich und ich bin heute froh, dass ich damals so reagiert habe«, sagt die Hobby-Tennisspielerin und der Musical-Fan.  

Der XY-Preis

Mit dem XY-Preis werden jedes Jahr Menschen ausgezeichnet, die in besonderer Weise Zivilcourage gezeigt und dadurch Verbrechen verhindert oder Opfern in Not geholfen haben: Menschen, die hinschauen, eingreifen und Mut beweisen. Menschen, die mitunter viel riskieren, um andere zu retten. In den laufenden »Aktenzeichen XY-Sendungen« werden die Kandidaten vorgestellt. In diesem  Jahr übernimmt erneut Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière die Schirmherrschaft. Am 3. November 2015 wird die Trophäe in Berlin zum 14. Mal vergeben. 

Gedreht wurde in den Studios von Obermenzing (bei München), denn der Fall wurde mit echten Schauspielern nachgestellt. Johanna Schlüter hat sich allerdings selbst gespielt. »Eine tolle Erfahrung und es hat  Spaß gemacht. Die Film-Crew war total nett. Alles Profis«, erzählt sie lächelnd von ihren ersten Fernseherlebnissen.  

Der Vorfall

An den Vorfall vor knapp zwei Jahren erinnert sich Johanna Schlüter noch ganz genau: »Ich war mit meinem Fahrrad auf dem Weg zur Schule als ich auf der Fontaine-Straße einen älteren Mann beobachtete, der eine Frau körperlich bedrohte und die Herausgabe ihrer Geldbörse forderte.« Obwohl ihr das Herz vor Aufregung fast in ihre Hose gerutscht war, signalisierte sie per Handzeichen einem anderen Zeugen der attackierten Frau gemeinsam zu helfen. Daraufhin sei der Täter geflüchtet. »Ich habe per Handy die Polizei gerufen und mich dann um das verstörte Opfer gekümmert.« Der 55-jährige Helfer habe die Verfolgung aufgenommen. Wenige Minuten später klickten auch schon die Handschellen.

Heute weiß sie, dass der rabiate Täter (78) oft der Frau (55) aufgelauert und ihr Bargeld abgenommen hatte. Er sei im Januar  nur zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil das Gericht verminderte Schuldfähigkeit festgestellt hatte. Bis heute besuche sie das Opfer regelmäßig. »Das finde ich selbstverständlich«, betont Johanna, die sich gerade in einem Bewerbungsverfahren für den Polizeidienst befindet. Sie möchte nämlich irgendwann mal bei der Kripo arbeiten, verrät sie.

Ob die symphatische, junge Frau den Preis gewinnen wird, entscheidet eine Jury im Herbst.

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