Minister zeichnet Familie Strotdrees aus Harsewinkel aus – mit Video Deutschlands bester Biohof

Harsewinkel (WB). Der Bioland-Hof Strotdrees aus Harsewinkel ist gestern in Berlin als bester deutscher Biohof in der Kategorie »Gesamtbetrieb­liches Konzept« ausgezeichnet worden.

Von Elke Westerwalbesloh und Gabriele Grund
Stephanie Strotdrees möchte, dass es ihren Tieren gut geht. Sie können auf der Wiese scharren.
Stephanie Strotdrees möchte, dass es ihren Tieren gut geht. Sie können auf der Wiese scharren. Foto: Phillip Ledényi

Seit 2001 ehrt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Preis Betriebe, die mit wegweisenden Konzepten besonders erfolgreich ökologisch wirtschaften.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) übergab den mit 7500 Euro dotierten Preis im Rahmen der Grünen Woche an die Familie aus Ostwestfalen. Er sagte, Ludger und Stephanie Strotdrees sei es gelungen, aus einem finanziell schwach ausgestatteten Nebenerwerbsbetrieb an einem ungünstigen Standort einen erfolgreichen Direktvermarktungsbetrieb zu machen.

»Bei Tierhaltung, Ackerbau und im sozialen Bereich orientierte sich das Betriebsleiterpaar streng an den Prinzipien des Ökolandbaus. So werden nur so viele Tiere gehalten, wie an Milch, Fleisch und Eiern über den Hof­laden verkauft werden können. Auch das Futter stammt zu 100 Prozent aus dem eigenen Betrieb oder von benachbarten Biobe­trieben.«

»Bio muss nicht immer teuer sein«

Der 1990 geerbte Hof war ursprünglich ein kleiner Nebenerwerbsbetrieb. »Als wir den Hof damals auf Bio umgestellt haben, gab es so gut wie keine Betriebe, die auf derart leichten Sandböden, wie wir sie haben, gewirtschaftet haben. Zudem gab es weder Tierhaltungsrichtlinien noch eine Ökoverordnung«, sagte Ludger Strotdrees, als das WESTFALEN-BLATT ihn 2017 auf seinem Hof besuchte.

»Bio muss nicht immer teuer sein. Beispielsweise gibt es saisonal und regional erzeugtes Obst und Gemüse, aber auch Vollkornprodukte zum gleichen Preis wie konventionell erzeugte Waren.« Wenn man dann noch weniger, aber dafür gutes Fleisch nehme und selber koche, habe man auf lange Sicht auch mehr im Geldbeutel, sagte Strotdrees.

Seit die Landwirte (sie haben fünf Kinder) auf biologisch-organischen Landbau umgestellt haben, genießen die Tiere mehr Frischluft. Einen konventionellen Stall gibt es bei den Strotdrees nicht. 

Lea, Stephanie, Ludger und Christina Strotdrees. Foto: BLE

Zimmer mit Ausblick

Die Kühe leben in Boxenlaufställen, die Hühner in mobilen Häusern, die Pferde, Schweine, Ziegen und Poitou-Esel haben ebenfalls Zimmer mit Ausblick. Die mobilen Hühnerhäuser, die auf einer Wiese stehen, werden monatlich weitergerollt, so dass der Auslauf immer grün ist. Zu futtern gibt es übrigens nur eigene Biolandhof-Erzeugnisse – für Tier und Mensch.

Ein Schwerpunkt der Direktvermarktung ist die Fleischtheke, in der ausschließlich betriebseigene Fleisch- und Wurstprodukte angeboten werden. Schlachtung und Verarbeitung übernimmt ein Metzger aus der Nachbarschaft.

Transparente Tierhaltung

Die transparente Haltung und die Qualität der regional erzeugten Ware kommen bei der Kundschaft gut an – in den letzten Jahren stieg der Umsatz an der Fleischtheke und am Milchautomaten im zweistelligen Bereich.

Auch auf den Äckern und Weiden ist Nachhaltigkeit Trumpf. Um das Bodenleben zu fördern, wird ausschließlich betriebseigener Mist ausgebracht. Zahlreiche Hecken und gezielt angelegte Kräuterkämme im Kleegras bieten Insekten und Niederwild auch nach der Mahd Möglichkeiten zum Rückzug.

Um seine Erfahrungen im Biolandbau weiterzugeben, engagieren sich die Eheleute ehrenamtlich – Stephanie Strotdrees im Präsidium des Bundesverbandes Bioland und ihr Mann als Mitglied des Prüfungsausschusses der Landwirtschaftskammer. 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.